Palmsonntag: Gemeinden in Bayern werden kreativ

München - Am Wochenende ist Palmsonntag, der Start in die Osterzeit. 

Ein Frau hält bei einer Palmsonntags-Prozession einen geschmückten Palmzweig in der Hand.
Ein Frau hält bei einer Palmsonntags-Prozession einen geschmückten Palmzweig in der Hand.  © Matthias Balk/dpa

"Es ist der Beginn der Leidensgeschichte Jesu", erklärt das Erzbischöfliche Ordinariat München

Normalerweise versammeln sich an diesem Tag katholische und evangelische Gläubige, um mit gesegneten Palmwedeln durch die Städte im Freistaat zu ziehen. 

"Da spielt sozusagen die Gemeinde den Einzug Jesu in Jerusalem nach", sagt eine Sprecherin. Danach wird im Gottesdienst die Passionsgeschichte gelesen. Normalerweise. 

Doch dieses Jahr ist alles anders - wegen der Corona-Krise dürfen die traditionellen Veranstaltungen nicht stattfinden (Alles zur aktuellen Lage findest Du im >>> Coronavirus-Bayern-Ticker). Dennoch fällt der Palmsonntag nicht einfach aus, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt.

Zwar gilt für den traditionellen Zug mit den Palmbuschen ebenso wie für den Gang in die Kirche: "Das fällt alles weg", wie es etwa aus dem Bistum Regensburg hieß. Die Messer jedoch bleibt - wenn auch als Livestream über das Internet.

Pfarrer auf YouTube: Gläubige feiern Gottesdienst im Internet

Die Palmsonntagsmesse wird der Bischof von Regensburg im Dom vor Kameras abhalten. Damit am Sonntag alles funktioniert, muss vorher geprobt werden. "Da wird alles verkabelt, da muss man gucken: Wann wird mit welcher Kamera wohin geschaltet?", berichtet ein Sprecher des Bistums von den Vorbereitungen. 

Auch die Akustik sei nicht wie gewohnt: "Es ist ja etwas anderes, ob der Dom mit gut 700 Gläubigen gefüllt ist oder ob er leer ist", sagt der Sprecher. Damit das Osterfest zu Hause möglichst viel Normalität in diesen Zeiten erhält, gibt es neben dem Livestream auch das traditionelle Beten des Kreuzwegs als Podcast.

Kapazitäten für einen großen Aufwand hat man in der Basilika St. Martin in Amberg nicht. Trotzdem will die Gemeinde ihren eigenen Pfarrer sehen. "Dann haben wir das relativ spontan auf den Weg gebracht, mit iPhone auf dem Stativ drauf und fertig", sagt Stadtpfarrer Thomas Helm. Seine Predigten werden auf Facebook und YouTube übertragen. "Wenn der Gottesdienst aus ist, setze ich mich an meinen Schreibtisch und schau, was da ist an Kommentaren." 

Trotzdem sei der Livestream nicht das Allheilmittel. Ostern müsse auch zu Hause in den Familien gestaltet werden, sagt Helm.

Missionsmobil fährt durch Regensburg und verteilt Pakete

Eine Jesusfigur ist beim Palmsonntags-Gottesdienst hinter einem Gesteck aus Palmwedeln und Weidenkätzchen in der Frauenkirche in München zu sehen.
Eine Jesusfigur ist beim Palmsonntags-Gottesdienst hinter einem Gesteck aus Palmwedeln und Weidenkätzchen in der Frauenkirche in München zu sehen.  © Matthias Balk/dpa

Und weil zu Ostern mehr gehört und nicht jeder zu Hause einen Internetzugang hat, hat Pfarrer Thomas Schmid ein Missionsmobil eingerichtet. Damit will er in Regensburg kleine Osterpäckchen verteilen. "Da ist eine kleine Osterkerze drin, Weihwasser, ein Palmbüschel für den Palmsonntag. Dann ein kleines Osterei und ein kleiner Osterhase und Hefte mit Andachten", sagt Schmid. 

Ausnahmsweise auch alles schon gesegnet. "So tingeln wir jetzt mal zwei, drei Tage durch unser Bistum", sagt der Pfarrer.

Auch in der St. Lorenz Kirche in Nürnberg bringen die Einschränkungen in der Corona-Krise neue Ideen hervor. In ihren Online-Kurzandachten werden Besonderheiten der Kirche gezeigt. Details wie Kunstwerke, Malereien, Schnitzereien - "Einfach mal Dinge, die man normal nicht sieht", sagt Pfarrerin Claudia Voigt-Grabenstein. 

"Mithilfe der Kamera kann man sie ranzoomen." Ihr Konzept für die 15-Minüter: "Knackig, moderne Sprache und was zum Sehen." Das gilt auch für die Andacht am Palmsonntag. Und die Glocken klingen trotz Corona: "In der ganzen Stadt wird Ostern eingeläutet", sagt Voigt-Grabenstein.

Die Tradition der geweihten Palmwedel soll in Neubiberg (Landkreis München) trotz der Alternativen nicht ausfallen. Gläubige können dem örtlichen Pfarrverband zufolge bis Samstagabend ihre Palmbuschen vor der Pfarrei Rosenkranzkönigin ablegen. 

Im Palmsonntagsgottesdienst werden sie geweiht, danach können sie abgeholt und der Tradition nach hinter ein Kreuz oder Kruzifix gesteckt werden.

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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