Söder erhofft von Bahnchef bei S-Bahn-Gespräch "belastbare Fakten"

München - Bei dem für Mittwoch geplanten Spitzengespräch zur Kostenexplosion bei der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke wird auch Bahn-Vorstandschef Richard Lutz erwartet.

Die zweite S-Bahn-Stammstrecke wird nach Einschätzung des Bayerischen Verkehrsministeriums deutlich teurer als geplant.
Die zweite S-Bahn-Stammstrecke wird nach Einschätzung des Bayerischen Verkehrsministeriums deutlich teurer als geplant.  © Matthias Balk/dpa

Lutz habe sein Kommen zugesagt und werde möglicherweise auch an der Pressekonferenz im Anschluss teilnehmen, sagte Ministerpräsident Markus Söder (55, CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München.

Er rechne zwar nicht damit, dass bei dem Treffen der "gordische Knoten" durchschlagen werde, sagte Söder, betonte aber: "Ich hoffe auf belastbare Fakten."

Das bayerische Verkehrsministerium geht inzwischen davon aus, dass die Kosten für den Bau der zweiten S-Bahn-Röhre in München von 3,85 auf bis zu 7,2 Milliarden Euro steigen.

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Zudem könnte sich die Inbetriebnahme der zentralen Strecke durch die Innenstadt von 2028 auf 2037 verzögern. Die Bahn selbst hat aber bisher keine neuen Zahlen oder Details veröffentlicht.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (58, CSU) hatte zuletzt gesagt, dies könnte auch noch bis zur Aufsichtsratssitzung der Bahn Mitte September dauern.

Zu dem Gespräch am Mittwoch werden nach Worten Söders auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (64, SPD) sowie 13 Landräte umliegender Landkreise erwartet. Zuvor berät auch der Münchner Stadtrat.

Es gab Einschätzungen, aber keine verlässlichen Zahlen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (55) begrüßte, dass der Bund nun zugesichert habe, 60 Prozent der Mehrkosten zu tragen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (55) begrüßte, dass der Bund nun zugesichert habe, 60 Prozent der Mehrkosten zu tragen.  © Peter Kneffel/dpa

Bis zum Herbst müssten die "endgültigen Entscheidungen" über die weitere Finanzierung des Projekts stehen, sagte Söder. Er begrüßte, dass der Bund inzwischen zugesichert habe, auch 60 Prozent der Mehrkosten zu tragen.

"Wir wollen die zweite Stammstrecke, weil sie ein Projekt ist für die nächsten Generationen", betonte Söder. Man wolle aber nun keine "Spekulationen" mehr, sondern Fakten. Einen Baustopp lehnten Söder und Bernreiter erneut kategorisch ab.

Söder und die Staatsregierung müssen sich seit einiger Zeit auch gegen Vorwürfe wehren, spätestens im Jahr 2020 von massiven Kostensteigerungen gewusst, aber nichts unternommen beziehungsweise die Öffentlichkeit informiert zu haben.

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Auf die Frage, wann genau er erstmals von der Kostenexplosion erfahren habe, ging Söder am Dienstag nicht direkt ein. Es habe immer wieder Einschätzungen gegeben, aber keine verlässlichen Zahlen.

Und "Mutmaßungen" seien keine Grundlage für Entscheidungen, das "Gesamthandeln" könne nur aufgrund konkreter, verlässlicher Zahlen erfolgen, betonte er.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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