Studi-Initiative gibt Nachhilfe für Schüler im Distanzunterricht

München - Die Anweisungen des Lehrers sind unverständlich, die Eltern am Arbeiten, die Kids ratlos: Eine studentische Initiative greift Kindern und Jugendlichen im Distanzunterricht bundesweit mit kostenloser Online-Nachhilfe unter die Arme.

Ein Mädchen lernt im Wohnzimmer während ihre Mutter mit am Tisch sitzt.
Ein Mädchen lernt im Wohnzimmer während ihre Mutter mit am Tisch sitzt.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Derzeit stünden rund 1000 halbstündige Slots zur Verfügung, sagte Sebastian Scott der Deutschen Presse-Agentur in München. Er hat seit dem ersten Lockdown gemeinsam mit Freunden an der Online-Plattform www.naklar.io getüftelt, die Schülerinnen und Schüler mit ehrenamtlichen Tutoren zusammenbringt.

"Wir hatten gesehen, dass sehr, sehr viele Schülerinnen und Schüler Unterstützung brauchen und die Eltern nicht immer zur Seite stehen, nicht die Zeit haben oder das auch fachlich nicht können", erläuterte der 23-Jährige.

Diese Lücke sollte deshalb von Ehrenamtlichen aufgefangen werden. Inzwischen engagieren sich mehr als 800 Tutoren und betreuten bislang 5500 Fragende individuell in Audio- oder Video-Sitzungen.

Das Konzept hat auch das sächsische Kultusministerium überzeugt, das in einem Pilotprojekt 5000 Session-Gutscheine an hilfebedürftige Schüler verteilen lässt. Sie werden ausschließlich von Lehramtsstudenten betreut, um Wissenslücken möglichst effizient zu schließen.

Tutoren sind bunt gemischt

"Die Schüler gehen einfach auf die Seite, wählen das Fach aus und werden live mit einem Tutor verknüpft, der online ist", erläuterte Scott das Prinzip. "Zu normalen Uhrzeiten ist eigentlich auch immer jemand da, und wenn gerade niemand online ist, kann man sofort einen Termin auswählen. Da herrscht wirklich gerade Wunschkonzert, da kann man sich gleich für den Abend oder den Tag danach einen Termin buchen."

Die Tutoren, deren Identität zuvor überprüft wird, sind bunt gemischt, von Studierenden über Berufstätige bis zu Rentnern.

"Unser Ziel ist es nicht, den Lehrer an der Schule zu ersetzen, sondern die Eltern zu ersetzen, die gerade nicht unterstützen können. Das Fachliche hat deshalb nicht die erste Priorität", erläuterte Scott.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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