Studie legt offen: Viel zu wenige Fachkräfte für Ganztagsbetreuung von Schulkindern

München - Eine Betreuung für Grundschulkinder nach Schulschluss? In Bayern ist das längst nicht flächendeckend der Fall! Es herrscht vielerorts deshalb noch das traditionelle Bild: Ab Mittag ist das Kind bereits wieder Zuhause.

Die Betreuungsangebote für Grundschulkinder in Bayern bereiten Probleme - und echte Besserung ist nicht in Sicht. (Symbolbild)
Die Betreuungsangebote für Grundschulkinder in Bayern bereiten Probleme - und echte Besserung ist nicht in Sicht. (Symbolbild)  © Peter Kneffel/dpa

Das Problem: Der Freistaat hat laut einer Studie viel zu wenige Fachkräfte, um bis Ende des Jahrzehnts jedem Grundschulkind ein entsprechendes Angebot zur Ganztagsbetreuung machen zu können. Das hat die Bertelsmann Stiftung in ihrem "Fachkräfte-Radar" für Kita und Grundschule aktuell errechnet.

"Bayern kann die Umsetzung des Rechtsanspruchs für alle Kinder bis 2030 kaum stemmen, der Fachkräftebedarf ist bis dahin nicht zu decken", sagte Kathrin Bock-Famulla, zuständige Expertin für frühkindliche Bildung der Stiftung, laut Mitteilung.

Nach Berechnungen der Stiftung fehlen bis 2030 in Bayern 21.000 Fachkräfte für die Betreuung von Kindern im Grundschulalter. Derzeit nutzten 36 Prozent der Mädchen und Buben der ersten bis vierten Klasse im Freistaat ein Ganztagsangebot.

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Das Bundesland liegt deutlich unter dem Schnitt der westlichen Bundesländer von 47 Prozent. Noch entspannter in Sachen Betreuung können Familien in den ostdeutschen Bundesländern sein, hier liegt die Quote den Angaben zufolge bei 86 Prozent.

Weitere 22 Prozent der Grundschülerinnen und -schüler gehen in eine Mittagsbetreuung, die etwa bis 14.30 Uhr zur Verfügung steht. Würde ein Teil der Familien in den kommenden Jahren diese kürzeren Angebote in Anspruch nehmen, wäre der Personalbedarf niedriger - aber immer noch nicht zu kompensieren mit den etwa 4000 Fachkräften, die bis 2030 laut Prognose in die Ganztagsbetreuung einsteigen. Dazu kommt: Auch in den Kitas herrscht Personalnot.

Zwischen 108.000 und 136.000 Plätze müssten bis 2030 geschaffen werden

Die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen dürfte den Freistaat noch viele Jahre beschäftigen. (Symbolbild)
Die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen dürfte den Freistaat noch viele Jahre beschäftigen. (Symbolbild)  © Sven Hoppe/dpa

Rund 46.000 Fachkräfte wären hier bis 2030 nötig, heißt es bei der Bertelsmann Stiftung. Im Freistaat zeichnet sich also darüber hinaus auch noch ein erbitterter Konkurrenzkampf um Fachkräfte ab.

"Genügend und gut qualifiziertes pädagogisches Personal ist aber erforderlich, damit der Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung jedem Grundschulkind die besten Bildungschancen ermöglicht", sagte Bock-Famulla zur Situation.

Und weiter: "Bayern muss gemeinsam mit allen Verantwortlichen sofort eine langfristige Fachkräfteoffensive auf den Weg bringen, damit zumindest im nächsten Jahrzehnt ein ausreichendes Personalangebot verfügbar ist."

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Kürzlich hatte das Deutsche Jugendinstitut und die TU Dortmund eine Studie veröffentlicht, wonach zu wenig Ganztagsangebote in Bayern zur Verfügung stehen. 54 Prozent der Familien hätten Bedarf - und nicht einmal 40 Prozent haben einen Platz.

Das heißt: Viele Grundschüler, die oftmals schon um 11.15 Uhr Unterrichtsschluss haben, sind schon mittags wieder Zuhause. Das schränkt in der Regel gerade die beruflichen Möglichkeiten von Frauen äußerst stark ein, was weitreichende Folgen hat.

Um den von Bund und Ländern beschlossenen Rechtsanspruch auf einen entsprechenden Platz zu erfüllen, müssten in Bayern folglich bis 2030 zwischen 108.000 und 136.000 Plätze zusätzlich geschaffen werden, hieß es in der Studie.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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