Verlegung von Intensivpatienten aus München in andere Bundesländer

München - Wegen der sich zuspitzenden Corona-Lage könnten zum Wochenende hin erste Intensivpatienten von München in andere Bundesländer verlegt werden.

Krankenwagen stehen vor der Notaufnahme der Rottal-Inn Kliniken.
Krankenwagen stehen vor der Notaufnahme der Rottal-Inn Kliniken.  © Armin Weigel/dpa

Aus Münchner Kliniken könnten rund zehn Patienten dafür infrage kommen, sagte die ärztliche Leiterin Krankenhauskoordinierung für München, Viktoria Bogner-Flatz, die mit ihrem Kollegen Dominik Hinzmann die Verlegungen organisiert.

"So eine Verlegung macht man nicht gerne als Intensivmediziner. Aber es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir das tun müssen - weil es noch schlimmer kommt", sagte die Medizinerin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Auch Unfallopfer, Krebspatienten und andere Kranke müssten versorgt werden.

Es gebe in München und Oberbayern nahezu keinen Spielraum mehr, was die intensiv- und notfallmedizinische Versorgung betreffe.

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"Manchmal haben wir in München nicht ein einziges Intensivbett frei. Wir telefonieren stundenlang, um Patienten unterzubringen, die eventuell noch im Schockraum liegen", sagte Bogner-Flatz.

Gerade junge Patienten würden oft wochenlang mit der Chance auf eine Genesung beatmet

Die Verlegungen sollen verhindern, dass dringend behandlungsbedürftige Patienten wegen Überlastung der bayerischen Intensivmedizin nur noch unzureichend oder gar nicht mehr versorgt werden können.
Die Verlegungen sollen verhindern, dass dringend behandlungsbedürftige Patienten wegen Überlastung der bayerischen Intensivmedizin nur noch unzureichend oder gar nicht mehr versorgt werden können.  © Matthias Balk/dpa

Schon jetzt würden Patienten früher als sonst von der Intensiv- auf eine Normalstation verlegt und von dort früher nach Hause entlassen - mit allen damit verbundenen Risiken. "Wir haben aufgrund der Notlage Behandlungsstandards aufgeweicht und verlassen müssen - weil wir für manches die Ressourcen, die wir bräuchten, nicht bereitstellen können", sagte Bogner-Flatz.

Die Inzidenzen seien "astronomisch hoch", die Corona-Patienten seien immer jünger. Gerade junge Patienten würden oft wochenlang mit der Chance auf eine Genesung beatmet - das blockiere Kapazitäten.

Die Situation habe sich am Vortag weiter zugespitzt, sagte Dominik Hinzmann, ärztlicher Leiter Krankenhauskoordinierung für München. Es müssten nun alle Register gezogen werden.

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Deshalb sei das sogenannte Kleeblatt-Konzept zur strategischen Verlegung von Intensivpatienten aus Bayern und dem Osten Deutschlands in andere Bundesländer aktiviert worden. Nun seien die Kliniken aufgefordert, dafür geeignete Patienten zu benennen.

Erste Patienten-Transporte per Hubschrauber, mit Bundeswehr-Maschinen oder zu Lande würden zum Ende der Woche oder am Wochenende erwartet, sagte Bogner-Flatz. "Wir haben schon zahlreiche Rückmeldungen von Kliniken bekommen." Die Verlegungspläne beschränkten sich in München bisher auf Covid-19-Patienten.

"Wer verlegt werden kann, wird nach einem intensivmedizinischen Katalog entschieden." Schwer Erkrankte, die in Bauchlage beatmet würden, seien nicht transportfähig. "Es dürfen nicht Patienten sein, die in sehr schlechtem Zustand sind."

Insgesamt rund 50 Corona-Intensivpatienten aus ganz Bayern sollen verlegt werden

Insgesamt werden wegen Überlastung der bayerischen Krankenhäuser in den nächsten Tagen voraussichtlich 50 Corona-Intensivpatienten aus Bayern in andere Bundesländer verlegt werden.

Wann und wohin, ist noch unklar. "Die Planungen laufen", sagte am Mittwoch der Nürnberger Branddirektor Marc Gistrichovsky, der die Planungen im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Mechanismus koordiniert. Die "Zielgebiete" würden nach der Erfassung der geeigneten Patientinnen und Patienten ermittelt. Bayern plant demnach derzeit mit circa 50 Verlegungen.

Laut Kleeblatt-Konzept sollen ausschließlich Covid-Patienten verlegt werden. Etwas weniger belastet sind die Intensivstationen derzeit im Norden Deutschlands.

Die Verlegungen sollen verhindern, dass dringend behandlungsbedürftige Patienten wegen Überlastung der bayerischen Intensivmedizin nur noch unzureichend oder gar nicht mehr versorgt werden können.

Titelfoto: Armin Weigel/dpa

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