Ex-Wirecard-Chef Braun nach Festnahme gegen Millionenkaution auf freiem Fuß!

München - Das Wirecard-Beben hat immer schwerwiegendere Folgen: Im Bilanzskandal um den Dax-Konzern ist der ehemalige Vorstandschef Markus Braun (51) festgenommen worden.

Markus Braun (51) ist festgenommen worden.
Markus Braun (51) ist festgenommen worden.  © Peter Kneffel/dpa

Das teilte die Münchner Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Demnach sei bereits am Montag ein entsprechender Haftbefehl beantragt worden. 

Die Staatsanwaltschaft wirft Braun dabei vor, die Bilanzsumme und die Umsätze von Wirecard durch vorgetäuschte Einnahmen aufgebläht zu haben. "Er hat sich gestellt", sagte eine Sprecherin.

Nun soll das Münchner Amtsgericht im Laufe des Tages über die Fortdauer der Haft entscheiden.

In dem Bilanzskandal geht es um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die das High-Tech-Unternehmen aus Aschheim an den Rand des Abgrunds getrieben haben.

Wirecard hatte Anfang der laufenden Woche eingeräumt, dass die Milliardensumme, die angeblich auf Treuhandkonten in Südostasien verbucht war, sehr wahrscheinlich nicht existiere. 

Im Zentrum des Skandals stehen der ehemalige Wirecard-Finanzchef in Südostasien und ein ehemaliger Treuhänder, der das mutmaßlich zum Großteil gar nicht existierende Geschäft mit Drittfirmen betreute.

Wirecard-Skandal: Ermittler gehen von Mitwissern beziehungsweise Mittätern aus

Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass es Mitwisser beziehungsweise Mittäter in der deutschen Unternehmenszentrale gab. Untersuchungshaft kann verhängt werden, wenn die Justiz von Flucht- oder Verdunkelungsgefahr ausgeht. 

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Wochen gegen Braun, allerdings ursprünglich lediglich wegen des Verdachts, Anleger in zwei Ad-hoc-Mitteilungen falsch informiert zu haben.

Braun war nach Bekanntwerden des Skandals zurückgetreten. Seine ehemalige rechte Hand Jan Marsalek (40) wurde vom Aufsichtsrat gefeuert. Marsalek hatte das Tagesgeschäft geleitet.

Update 13.04 Uhr: Ex-Wirecard-Chef sagt Kooperation zu

Der von der Münchner Staatsanwaltschaft festgenommene Braun will nach Angaben der Ermittler kooperieren. 

"Er hat im ersten Gespräch seine Mitarbeit zugesagt", sagte am Dienstag die Sprecherin der Ermittlungsbehörde, Anne Leiding. Der österreichische Manager habe sich am Vorabend selbst gestellt und sei aus Wien angereist, nachdem er wohl von dem Haftbefehl erfahren habe. 

Vorgeworfen werden Braun derzeit "unrichtige Angaben" in den Wirecard-Bilanzen und Marktmanipulation, doch kommen auch andere Straftaten in Betracht. "Wir führen unsere Ermittlungen ergebnisoffen", sagte Leiding dazu.

Brauns sollte am Nachmittag einer Haftrichterin vorgeführt werden, die über die Fortdauer der Untersuchungshaft entscheiden wird. Möglicherweise ist Brauns Festnahme nicht die letzte in dem Skandal um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die den Dax-Konzern an den Rand des Abgrunds geführt haben. 

Der am Montag von Wirecard gefeuerte Marsalek war bis vergangene Woche für das Tagesgeschäft verantwortlich. Nach Leidings Worten ist möglich, dass Marsalek nun ebenfalls per Haftbefehl gesucht wird: "Das kann ich weder bestätigen noch dementieren", sagte die Oberstaatsanwältin.

Markus Braun will nach Angaben der Ermittler kooperieren.
Markus Braun will nach Angaben der Ermittler kooperieren.  © Lino Mirgeler/dpa

Update 15 Uhr: Markus Braun gegen Millionenkaution frei

Der festgenommene frühere Wirecard-Chef Braun kommt gegen Kaution von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuß. 

Das Amtsgericht hat den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Titelfoto: Lino Mirgeler/dpa

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