Derby-Brisanz auf dem Betzenberg: FCK trifft nach 18 Jahren wieder auf Waldhof Mannheim

Kaiserslautern - Es war der 28. November 2001. DFB-Pokal, zweite Runde: Bundesligist 1. FC Kaiserslautern ist zu Gast beim Erzrivalen und damaligen Zweitligisten SV Waldhof Mannheim.

Ort des Geschehens am Sonntag: Das Fritz-Walter-Stadion am Betzenberg in Kaiserslautern.
Ort des Geschehens am Sonntag: Das Fritz-Walter-Stadion am Betzenberg in Kaiserslautern.  © DPA/ Uwe Anspach

Der Lautrer Nenad Bjelica servierte in der Nachspielzeit eine Ecke auf den eingewechselten Olaf Marschall, der das Leder in unnachahmlicher Manier zum 3:2-Siegtreffer ins Mannheimer Tor köpfte.

Es war ein Sieg der Roten Teufel, der noch einmal an den Spirit der Meisterhelden von 1998 erinnerte.

Und: Es sollte zunächst das letzte Pflichtspiel zwischen den beiden großen Rivalen Kaiserslautern und Waldhof Mannheim für sehr lange Zeit sein.

Doch trotz 18 Jahre Ruhe, oder vielleicht gerade deshalb, ist man im Südwesten nun so richtig heiß auf das Wiedersehen am Sonntag (13 Uhr).

Und das, obwohl der Anlass (nur) der siebte Spieltag der dritten Liga ist und die Rivalität ihren Ursprung in knackigen Bundesliga-Duellen der 80er Jahre hat.

Damals stieg Mannheim ins Fußball-Oberhaus auf (1983) und musste aus Kapazitätsgründen ins rheinland-pfälzische Ludwigshafener Stadion umziehen, erinnerte zuletzt der "Kicker". Ludwigshafen war schon immer fest in Lautrer Hand, weshalb man lernte sich zu hassen.

Er schoss für den 1. FC Kaiserslautern das bisher letzte Tor gegen Waldhof Mannheim.
Er schoss für den 1. FC Kaiserslautern das bisher letzte Tor gegen Waldhof Mannheim.  © DPA/ Arne Dedert

Daraufhin folgten hart umkämpfte 14 Bundesliga-Duelle, zwei Zweitliga-Partien und ebenfalls zwei Aufeinandertreffen im DFB-Pokal.

Die Bilanz ist dabei ziemlich ausgeglichen. Sieben Duelle entschied der FCK für sich, sechs der Waldhof. Fünf Mal trennten sich die Rivalen unentschieden.

Dass zu dieser Bilanz, ab Sonntag auch eine Partie in der dritten Liga gehören wird, ist dem tragischen Absturz beider Traditionsvereine geschuldet.

So stieg Waldhof Mannheim nach der Saison 2002/03 als Tabellen-18. sang-und klanglos aus der Zweiten Liga ab. Kurioser Weise war damals, für die letzten acht Ligaspiele, ausgerechnet ein FCK-Meisterspieler und späterer Vorstandsvorsitzender Trainer der Mannheimer: Stefan Kuntz.

Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten bedeutete der Abstieg für den Waldhof das absolute Horror-Szenario: Man erhielt keine Lizenz für die damals drittklassige Regionalliga und wurde umgehend in die Oberliga Baden-Württemberg durchgereicht.

FCK-Meisterspieler und späterer Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz: War auch am Absturz von Waldhof Mannheim beteiligt.
FCK-Meisterspieler und späterer Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz: War auch am Absturz von Waldhof Mannheim beteiligt.  © DPA

Somit rückte der Profifußball für den SVW zunächst in weite Ferne, sowie auch das Derby gegen die Roten Teufel.

Deren Niedergang, verlief dann im Vergleich zum abrupten Absturz des Waldhofs, eher langsam.

So stiegen die Pfälzer erst 2006 zum zweiten Mal in ihrer Geschichte aus der Bundesliga ab, ehe man 2010 nochmal den Wiederaufstieg feiern durfte.

2012 ging es allerdings zurück ins Bundesliga-Unterhaus, bevor dann 2018 der absolute Albtraum für alle Lautrer Realität wurde: Der Abstieg in die dritte Liga.

Dass es nun auf dem Betzenberg zur Neuauflage des Derbys kommen kann, ermöglicht der positive Trend Waldhof Mannheims.

Nachdem der SVW zuvor drei Mal hintereinander in der Relegation scheiterte, gelang ihnen mit dem Drittliga-Aufstieg im April 2019, nach 16 Jahren Abstinenz, die Rückkehr in den Profifußball.

Brisant: Nach dieser langen Leidensgeschichte dauerte es nicht lange, bis man erneut ein Erfolgserlebnis feiern durfte. Nach dem vierten Spieltag der aktuellen Drittliga-Saison stand der Waldhof zum ersten Mal seit 29 Jahren in der Tabelle wieder vor dem großen Rivalen aus Kaiserslautern. Ein herber Schlag für die Anhänger des stolzen Fritz-Walter-Clubs.

Daran könnte übrigens auch ein Erfolg der Lautrer (10.) am Sonntag nichts ändern. Die Roten Teufel könnten dann höchstens bis auf einen Punkt an die Mannheimer (4.) heranrücken.

So sorgt neben der ganzen Tradition, auch die aktuelle sportliche Situation für reichlich Brisanz im Derby.

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