1. FC Magdeburg kritisiert Polizei: "Überzogen, ungeeignet und überdimensioniert"

Magdeburg/Bochum - Nach den Vorkommnissen rund um das Fußball-Zweitligamatch zwischen dem VfL Bochum und dem 1. FC Magdeburg (4:2) letzte Woche Samstag hat sich der FCM in einer Stellungnahme zu Wort gemeldet und die Polizeiarbeit scharf kritisiert.

Der 1. FC Magdeburg verlor am vergangenen Wochenende das Spiel in Bochum 2:4, muss gegen Union Berlin und den 1. FC Köln dringend punkten.
Der 1. FC Magdeburg verlor am vergangenen Wochenende das Spiel in Bochum 2:4, muss gegen Union Berlin und den 1. FC Köln dringend punkten.  © DPA

Etwa 700 Fans des abstiegsbedrohten Aufsteigers aus Sachsen-Anhalt waren am 4. Mai mit einem Sonderzug nach Bochum gereist, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Kurz bevor der Zug am Zielbahnhof ankam, zündeten die Fans laut Bundespolizei Pyrotechnik aus der fahrenden Bahn.

Daraufhin wurden alle Insassen kontrolliert, "um weiteres Zünden von Rauchkörpern und Böllern sowie die dadurch entstehende erhebliche Gefahr für unbeteiligte Personen im Bahnhof zu verhindern", hieß es in einer Mitteilung.

Völlig unverständlich für den FCM! In einer am Sonntagmorgen veröffentlichten Stellungnahme heißt es: "Nach Einholen umfangreicher Informationen bei den anwesenden haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern und Gremienmitgliedern des 1. FCM, Fanprojekt und Fanhilfe Magdeburg, Fans sowie der Bundespolizei Dortmund ergibt sich für den 1. FC Magdeburg ein Bild eines Polizeieinsatzes, der überzogen, ungeeignet und vor allem dem ohnehin belasteten Verhältnis zwischen Fußballfans und Polizei nicht dienlich war."

FCM zieht Parallelen zu Revierderby Dortmund gegen Schalke

Fans des FCM wurden bei der Ankunft in Bochum in laut Verein unverhältnismäßigem Rahmen kontrolliert. (Archivbild)
Fans des FCM wurden bei der Ankunft in Bochum in laut Verein unverhältnismäßigem Rahmen kontrolliert. (Archivbild)  © DPA

In der Hinsicht, dass das Zünden von Bengalos und Böllern aus einem fahrenden Zug heraus geahndet werden muss, stimmte Magdeburg zu. "Die Entscheidung, zur weiteren Gefahrenabwehr sämtliche Insassen des Zuges mehrere Stunden auf einem beengten Bahnsteig [...] festzuhalten und auf Pyrotechnik zu kontrollieren, stand aus unserer Sicht jedoch in keinem Verhältnis zum eigentlichen Vorfall."

Für den Verein sei nicht nachvollziehbar, weshalb wegen angeblich nur eines pyrotechnischen Erzeugnisses rund 700 Menschen kontrolliert wurden. "Erst recht nicht, seit es bei einem vergleichbaren Fall eine Woche zuvor bei der Anreise Schalker Fans zum Bundesligaspiel in Dortmund zu keinerlei Maßnahmen durch die Bundespolizei kam", so der 1. FCM. Auch dort wurde aus einem fahren Sonderzugs gezündelt, der Einsatz jedoch als "eines der friedlichsten Begegnungen" bezeichnet.

Abschließend bezeichnete der abstiegsbedrohte Zweitligist den Polizeieinsatz als "überdimensioniert, mit enormen Aufwendungen an personellen und materiellen Ressourcen", der "nicht zu einer Entspannung des Verhältnisses zwischen Polizei und Fußballfans beitragen" werde. Bei dem "besonnenen und deeskalierenden Verhaltens" seiner Fans bedankte sich der 1. FC Magdeburg.

Die Kontrollen dauerten laut des Tabellenvorletzten "mehrere Stunden an, sodass die Fans erst 25 Minuten vor Spielende am Stadion eintrafen." Mehrere Gleise am Bahnhof wurden zuvor gesperrt, da einige Fans darüber liefen, um den Kontrollen zu entgehen. Drei Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt, blieben aber dienstfähig. Es wurden 30 Strafverfahren wegen des Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Widerstandes, Körperverletzung, Beleidigung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet. 25 Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen.

Titelfoto: DPA

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