Beben beim Club: Bornemann und Trainer Köllner weg, Nachfolge vorerst geregelt

Nürnberg - Dem Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg reicht es offenbar: Das Gremium beurlaubt Sportvorstand Andreas Bornemann (47). Damit ist der als Fürsprecher von Aufstiegstrainer Michael Köllner (49) geltende Funktionär weg.

Andreas Bornemann (l.) hat Trainer Michael Köllner (r.) bis zuletzt gestützt. (Archivbild)
Andreas Bornemann (l.) hat Trainer Michael Köllner (r.) bis zuletzt gestützt. (Archivbild)  © DPA

In einer Nachtaktion hat der Club Bornemann beurlaubt und damit wohl wohl gleichzeitig den Weg für die Trennung von Köllner freigemacht.

Bornemann galt selbst nach der Horror-Serie von 15 Bundesliga-Spielen nacheinander ohne Sieg als Fürsprecher des Aufstiegstrainers - eine Mehrheit im Aufsichtsrat des Tabellenletzten der Bundesliga will der Bild zufolge unbedingt einen neuen Coach.

"Natürlich sind wir uns bewusst darüber, dass die wirtschaftliche und sportliche Konsolidierung des 1. FCN über allem stehen muss. Doch gerade die sportlichen Ziele sehen wir durch die jüngsten Ereignisse und Ergebnisse stark gefährdet", schrieb der Aufsichtsrat nach einer Sitzung zur sportlichen Krise in der Nacht zum Dienstag.

"Aus diesem Grund haben wir uns als Gremium dazu entschlossen, den bisherigen Sportvorstand Andreas Bornemann von seinem Amt zu entbinden. Leider konnten wir uns mit ihm nicht auf einen gemeinsamen Weg in die Zukunft, gerade auch in Bezug auf das Cheftraineramt verständigen", hieß es.

Bornemann und Finanzvorstand Niels Rossow (41) haben beim Club bislang das Tagesgeschäft verantwortet. Entscheidungen wie in einer Trainerfrage erfordern im Vorstand "die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen", heißt es in der Satzung des Vereins aus Bayern. Allerdings steht dort ebenfalls: "Bei Stimmengleichheit hat jedes Vorstandsmitglied das Recht, die Angelegenheit dem Aufsichtsrat zur Entscheidung vorzulegen."

Das bedeutet zum Beispiel, dass Rossow dem Aufsichtsrat die Trennung von Köllner vorschlagen kann. "Beschlüsse des Aufsichtsrats werden mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen gefasst", lautet es in der Mitteilung.

Bornemann stärkte Trainer Köllner bis zum Schluss

Sportvorstand Andreas Bornemann wurde vom Club beurlaubt. (Archivbild)
Sportvorstand Andreas Bornemann wurde vom Club beurlaubt. (Archivbild)  © DPA

Bornemann hatte Köllner auch nach dem 0:2 im vermeintlichen Abstiegsendspiel am Samstag bei Hannover 96 den Rücken gestärkt. "Ich sehe keinen Ansatzpunkt, darüber zu diskutieren", sagte der Sportvorstand zu einer Trainer-Debatte.

Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Thomas Grethlein (60) hingegen schon. Am Sonntag beriet das Kontrollgremium - und dann am Montag.

"Vor allem der enttäuschende Auftritt im Pokalspiel beim Hamburger SV hat uns schwer getroffen. Dieses Spiel, gepaart mit der sportlichen Durststrecke in der Liga von 15 Begegnungen ohne Sieg, machte uns klar, dass wir als Gremium noch einmal einen genauen Blick auf die aktuelle Lage werfen und die momentane Situation erneut eingehend analysieren müssen", ist zu lesen.

Unter dem Strich fehlen die Resultate. Letztmals gewann der Club Ende September eine Partie in Deutschlands höchster Spielklasse. Dennoch beträgt der Abstand auf Relegationsrang 16 nur drei Punkte.

Mit nur zwölf Zählern nach 21 Spieltagen konnte sich dem Kicker zufolge seit der Einführung der Drei-Punkte-Wertung aber noch kein Verein vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit retten.

"Wir werden uns jetzt nicht fallenlassen, sondern die Boxhandschuhe rausholen und alles dafür geben, dass dieser Verein in der ersten Liga bleibt", hatte Torwart Christian Mathenia (26) in Hannover gesagt.

Mit der Trennung von Bornemann hat der FCN nun erste Konsequenzen gezogen. Vor allem wegen seiner Transferpolitik war er in die Kritik geraten. Die Nürnberger holten in der Winterpause nur den in die Jahre gekommenen Ivo Ilicevic (32).

Als starken Impuls für den Abstiegskampf kann man die Verpflichtung nicht begreifen. Aufsichtsratsboss Grethlein will sich jedenfalls am Dienstag (11 Uhr) zur Krise bei den Franken äußern.

Update 11.05 Uhr: FCN-Trainer Köllner offiziell entlassen

Nun ist es offiziell! Aufsichtsratssprecher Grethlein hat auf der für 11 Uhr angesetzten Pressekonferenz bestätigt, dass nach Bornemann auch Trainer Köllner seinen Posten auf der Bank räumen muss.

"Ich möchte mich im Namen des Aufsichtsrats nochmal ganz herzlich bei Andreas Bornemann und Michael Köllner für die gemeinsame erfolgreiche Zeit bedanken“, wird Grethlein auf der Webseite des Vereins zitiert. "Unsere Aufgabe ist es nun, mit aller Sorgfalt einen Sportvorstand zu finden, der künftig die Verantwortung für den sportlichen Bereich tragen wird und dessen erste Aufgabe es sein wird, einen passenden Trainer für den 1. FC Nürnberg zu finden."

Bis auf Weiteres übernehmen der bisherige Co-Trainer Boris Schommers (40) sowie Club-Legende Marek Mintal (41) die Führung für der völlig verunsicherten Club-Mannschaft. Beide werden das Team somit auf das kommende Heimspiel gegen den Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund vorbereiten.

FCN-Trainer Michael Köllner befand sich mit dem Club auf dem Weg Richtung 2. Liga. (Archivbild)
FCN-Trainer Michael Köllner befand sich mit dem Club auf dem Weg Richtung 2. Liga. (Archivbild)  © DPA

Titelfoto: DPA (Bildmontage)

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