Nach Anti-Hopp-Plakaten: Union wirbt für Differenzierung, Polizei ermittelt

Berlin - Union gibt ein 2:0 aus der Hand, doch über das Spiel redet danach kaum jemand. Das Spiel stand kurz vor dem Abbruch. Wie schon eine Woche zuvor in Gladbach, präsentierten die Union-Anhänger ein Porträt von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp (79) im Fadenkreuz.

Union-Fans halten ein Banner mit Dietmar Hopp im Fadenkreuz in die Höhe.
Union-Fans halten ein Banner mit Dietmar Hopp im Fadenkreuz in die Höhe.

Schiedsrichter Bastian Dankert schickte die Teams kurz vor der Pause für rund 15 Minuten in die Kabine.

Bereits zuvor wurde die Partie für etwa eine Minute unterbrochen. Der Grund: kritische Spruchbänder gegen den DFB!

"2017 Kollektivstrafen abgeschafft. Nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurückgemacht. Fick dich, DFB!", war darauf zu lesen.

Dass das Spiel deswegen unterbrochen werden musste, konnte nicht jeder nachvollziehen. Schon in der Halbzeit kritisierte Manager Oliver Ruhnert bei DAZN die Maßnahme.

Demnach habe es sich "um eine Äußerung der Fans, die meines Erachtens vollkommen legitim ist", gehandelt. Der Verband müsse entsprechend bereit sein, "kritische Worte zu akzeptieren".

Die abschließende Beleidigung Richtung DFB schießt seiner Meinung nach über das Ziel hinaus, aber: "Dann muss ich aber jedes Spiel demnächst unterbrechen. Das sehe ich ein bisschen kritisch."

Hass-Plakate gegen Dietmar Hopp: Union ruft zu differenzierter Betrachtungsweise auf

Die Zingler äußerte sich auf der Homepage des Vereins zum Vorfall.
Die Zingler äußerte sich auf der Homepage des Vereins zum Vorfall.  © Andreas Gora/dpa

Am Sonntagabend hat der Verein noch einmal nachgelegt und in der Debatte um Proteste gegen den Deutschen Fußball-Bund und Schmähungen von Dietmar Hopp zu einer differenzierten Betrachtungsweise aufgerufen.

"Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Verrohung des Umgangs miteinander in unserer Gesellschaft, die sich auch rund um Fußballspiele widerspiegelt, ist äußerst besorgniserregend", sagte Club-Präsident Dirk Zingler in einer Mitteilung nach dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg.

"Das Recht zur freien Meinungsäußerung ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft, das auch vermeintliche Geschmacklosigkeiten einschließt", betonte Zingler.

"Es darf selbstverständlich dazu genutzt werden, kritikwürdige Zustände im Fußball anzusprechen. Aber die Unantastbarkeit der Würde des Menschen ist die Grundlage unseres Zusammenlebens, diese gilt es zu schützen."

Die am Sonntag "gewählte Ausdrucksform des Fanprotests ist in ihrer Symbolik nicht geeignet, für Fananliegen zu werben. Sie erreicht zwar höchste mediale Aufmerksamkeit, erzeugt aber eine breite Ablehnung berechtigter Anliegen von Fans", sagte Zingler. "Alle an dieser Protestform Beteiligten wären gut beraten, innezuhalten und geeignete Ausdrucksformen für ihre Positionen zu finden."

Berliner Polizei ermittelt nach Anti-Hopp-Plakaten

Das Spiel musste bereits zuvor unterbrochen werden.
Das Spiel musste bereits zuvor unterbrochen werden.  © Andreas Gora/dpa

Währenddessen hat die Berliner Polizei Ermittlungen aufgenommen.

Es werde gegen Unbekannt "wegen des Verdachts der Bedrohung im Zusammenhang mit einem Spruchband und einem Porträtplakat" des Mehrheitseigners des Ligakonkurrenten TSG 1899 Hoffenheim ermittelt, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Es werde unter anderem untersucht, ob die Plakate den Tatbestand der Bedrohung erfüllen würden und wer die Plakate gezeigt sowie angefertigt habe, hieß es weiter. Dazu werde unter anderem das zur Verfügung stehende Videomaterial ausgewertet.

In einer Stellungnahme hatte die Union-Ultragruppierung "HammerHearts 2004" die Plakate gerechtfertigt. Der Protest mit Hopp im Fadenkreuz sei "keine Morddrohung.

Er ist aber ganz klar provokant und kritisiert eine Person und eine stetige Entwicklung. Heute steht er jedoch vor allem entgegen schleichender Zensur und für die Ausdrucksfreiheit der Kurven."

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