TAG24-Bundesliga-Analyse: Union startet mit XXL-Kader und zwei Saison-Zielen

Endlich geht es wieder los! Bereits am kommenden Wochenende starten die Bundesligisten im DFB-Pokal in die neue Saison. In der großen Analyse nimmt TAG24 alle 18 Klubs genau unter die Lupe und schätzt die Stärken, Schwächen und den Kader der Teams ein.

Berlin - "Die Zeit ist nun gekommen!" Der 1. FC Union Berlin schrieb mit dem ersten Aufstieg in die Bundesliga Vereinsgeschichte. Um in der Beletage des deutschen Fußballs bestmöglich zu bestehen, rüsteten die Köpenicker ordentlich auf. Gefährdet der XXL-Kader die sonst so harmonische Stimmung im Team oder womöglich das klar kommunizierte Saisonziel: Klassenerhalt?

Der Top-Transfer

Es war der eiserne Transfer-Hammer der Sommerpause! Dem 1. FC Union Berlin ist mit der Verpflichtung von Ex-BVB-Star Neven Subotic (30) ein echter Coup gelungen. Zweimal Deutscher Meister, zweimal DFB-Pokalsieger, Champions League-Final-Teilnehmer - der in Banja Luka geborene Deutsch-Serbe bringt mit 209 Bundesliga-Spielen jede Menge Erfahrung in das Aufstiegsteam der Köpenicker mit.

Zuletzt stand der mittlerweile 30-Jährige beim französischen Erstligisten AS St.-Etienne unter Vertrag, wo er insgesamt 44 Pflichtspiele machte. Im vergangenen Sommer ist sein Kontrakt ausgelaufen, sodass der kopfballstarke Innenverteidiger ablösefrei verpflichtet werden konnte. Beim Aufsteiger unterschrieb Subotic einen Zweijahresvertrag und will mit Union für die ein oder andere Überraschung sorgen.

Derzeitiges Problem: Subotic fehlt nach viermonatiger Verletzungs-Pause die nötige Match-Erfahrung. In den Testspielen der Vorbereitung wusste der Ex-Dortmunder zwar zu überzeugen, jedoch kommt der Saisonstart eventuell ein wenig zu früh. Dennoch wird Subotic, wenn er fit ist, zukünftig ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft von Trainer Urs Fischer sein.

Wurde schon zweimal Deutscher Meister: Unions neuer Innenverteidiger Neven Subotic.
Wurde schon zweimal Deutscher Meister: Unions neuer Innenverteidiger Neven Subotic.  © DPA/matthias koch

Alle Neuzugänge des 1. FC Union Berlin

Während die feierwütigen Unioner rund um Stürmer-Star/Feier-Biest Sebastian Polter nach der erfolgreichen Bundesliga-Relegation tagelang ihren Aufstiegs-Rausch ausschliefen, arbeitete ein Unioner auf Hochtouren - Manager Oliver Ruhnert (46). Der eiserne Kaderplaner präsentierte wahnsinnige sechzehn "Neulinge", inklusive zwei hochgezogener Nachwuchsspieler (Maurice Opfermann (19), Laurenz Dehl (17)) und zwei Profis, die nach Leihe in der letzten Saison fest verpflichtet wurden (Manuel Schmiedebach (30), Suleiman Abdullahi (22)).

In der Defensive verstärkten sich die Eisernen vor allem im Zentrum. Neben dem Top-Transfer Subotic sicherte sich der FCU auch die Dienste von Keven Schlotterbeck (22) von Liga Konkurrent SC Freiburg für ein Jahr auf Leihbasis. Mit der Rückholaktion von Aufstiegsheld Marvin Friedrich (23) von FC Augsburg für zwei Millionen Euro sorgt Ruhnert für Kontinuität in der eisernen Defensive. In der Vorsaison verpasste der Ex-Schalker keine Sekunde und war maßgeblich für den letztendlichen Aufstieg verantwortlich (nur 33 Gegentore - beste Abwehr der zweiten Liga). Als dritter Torhüter wurde Moritz Nicolas (21) von Borussia Mönchengladbach geholt. Der talentierte Goalie unterschrieb einen zweijährigen Leihvertrag.

Im Mittelfeld gelang Sportchef Ruhnert der nächste große Transfer-Coup, denn mit der Verpflichtung von Christian Gentner (33) kommt jede Menge Erfahrung (377 Bundesliga-Spiele) nach Berlin. Der Ex-Stuttgarter scheiterte mit dem VfB in der Relegation an Union und soll nun beim Premierenjahr der Eisernen mitwirken. Neben "Gente" wurden für das Mittelfeld Heidenheims Robert Andrich (24) und Herthas Julius Kade (20) verpflichtet - beides gebürtige Berliner!

Um auch in der Offensive gut gerüstet zu sein, setzte Ruhnert den Schwerpunkt seiner Transferpolitik voll auf den Angriff. Mit Magdeburgs Marius Bülter (26), Holland-Rakete Sheraldo Becker (24), Hartbergs Florian Flecker (23), Däne Marcus Ingvartson (23) und Mainz-Bomber Anthony Ujah (28) konnten gleich fünf Offensivspieler verpflichtet werden.

Besonderheit: Außer Gentners Kontrakt sind alle Verträge der Neuverpflichtungen auch für die 2. Bundesliga gültig.

Viele neue Gesichter beim 1. FC Union Berlin.
Viele neue Gesichter beim 1. FC Union Berlin.  © dpa/Andreas Gora

Alle Abgänge des 1. FC Union Berlin

Aufstiegsheld Marcel Hartel (23) wechselte kürzlich zu Zweitligist Arminia Bielefeld. Von Marc Torrejon (33), Fabian Schönheim (32) und Erol Zejnullahu (24) endeten die Verträge mit Ablauf der Aufstiegs-Saison, Lennart Moser (19) und Berkan Taz (20) sollen beim FC Energie Cottbus Spielpraxis sammeln (einjährige Leihe) und bei Carlos Mane (25) zog man aufgrund durchwachsener Leistungen die ausgehandelte Kaufoption in dessen Leihvertrag nicht.

Aus Unions Stammelf muss lediglich Robert Zulj (27) ersetzt werden. Der Österreicher kehrte im Sommer nach einjähriger Leihe zur TSG 1899 Hoffenheim zurück.

Aufgrund der zahlreichen Neuverpflichtungen wollen Coach Fischer und Sportchef Ruhnert den XXL-Kader möglichst noch auf 27 Spieler verkleinern.

Mögliche Streich- und Leihkandidaten: Jakob Busk (25), Lars Dietz (22), Lennard Maloney (19) und Cihan Kahraman (20).

Marcel Hartel wechselte im Sommer zu Arminia Bielefeld.
Marcel Hartel wechselte im Sommer zu Arminia Bielefeld.  © dpa/Andreas Gora

Ost-Derby im DFB-Pokal: Pflichtaufgabe in Halberstadt

In der ersten Runde des DFB-Pokals darf der 1. FC Union nach Sachsen-Anhalt reisen. Am Sonntag (15.30 Uhr) wird Regionalligist VfB Germania Halberstadt im Friedensstadion zum ersten heißeren Tanz der Saison bitten.

Bevor die Fischer-Truppe das Abenteuer Bundesliga im ersten Heimspiel der Saison gegen RB Leipzig endgültig antritt, bestreiten die Eisernen noch ein lockeres Testspiel.

Am 12. August 2019 wartet der Regionalliga-Nordost-Aufsteiger SV Lichtenberg 47 im Hans-Zoschke-Stadion.

Andreas Petersen, Vater von Freiburgs Nils Petersen, war bis März 2019 als Sportdirektor bei Germania Halberstadt tätig.
Andreas Petersen, Vater von Freiburgs Nils Petersen, war bis März 2019 als Sportdirektor bei Germania Halberstadt tätig.  © dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Zwei eiserne Saisonziele: Klassenerhalt und ...?

Trotz Rekordausgaben in Höhe von sieben Millionen Euro, dem Kauf erfahrener Spieler und dem Aufstiegsschwung aus der Vorsaison geht es für den 1. FC Union lediglich um den Klassenerhalt. Top-Transfer Neven Subotic bewertet nach den ersten Tagen im eisernen Trikot gegenüber der "Bild am Sonntag": "Wenn wir in der 1. Liga bleiben, ist das wie der Gewinn der Meisterschaft!"

Trotz großer Aufstiegseuphorie setzt auch Oliver Ruhnert auf Understatement. "Klar ist doch: Wir können nur überraschen. Der Abstieg wäre das Normale", sagte er der Bild-Zeitung.

Union wird voraussichtlich mit dem SC Paderborn, 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, FC Augsburg, SC Freiburg und möglichen Überraschungs-Teams um den Klassenerhalt kämpfen. Großer Vorteil der Unioner: Hinter der Mannschaft stehen bei allen Heimspielen 22.000 verrückte Fans, die ihr Team 90 Minuten lang ohrenbetäubend unterstützen werden.

Neben dem Klassenerhalt spielen vor allem die Derbys gegen Stadtrivale Hertha BSC die große Rolle im Fan-Kosmos der Hauptstadt. Klares Ziel des vermeintlichen eisernen Underdogs: Zwei Siege gegen die Alte Dame! Beide Fanlager, zu Mauerzeiten eng befreundet, pflegen derzeit ein eher zerrüttetes Verhältnis.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Partien auf das lebendige Stadtbild auswirken. Fakt ist: Berlin wird eine wahnsinnige Fußball-Party erleben!

Die guten alten Zeiten: Hertha BSC und den 1. FC Union verbindet eine lange Freundschaft.
Die guten alten Zeiten: Hertha BSC und den 1. FC Union verbindet eine lange Freundschaft.  © DPA

TAG24-Saisonprognose

Mit dem Heim-Auftakt gegen RB Leipzig beginnend, wird der 1. FC Union Berlin gegen den Abstieg in die 2. Bundesliga kämpfen. Das Startprogramm hat es in sich. Nach der Reise zum FC Augsburg folgen die ersten Kracher-Partien: Borussia Dortmund (H), Werder Bremen (H), Bayer 04 Leverkusen (A), Eintracht Frankfurt (H) und VfL Wolfsburg (A).

Kommt es knüppeldick, starten die Berliner mit einer sehr geringen Punkteausbeute aus den ersten sieben Spielen. Fehlstart-Gefahr!?

Neben dem harten Auftaktprogramm wird Urs Fischer die Kern-Aufgabe besitzen, aus dem XXL-Kader ein einheitliches Team zu formen. Der Aufstiegs-Trumpf im letzten Jahr war die besondere Harmonie der Mannschaft, die es trotz einiger hochkarätiger Bankdrücker, wie Felix Kroos und Sebastian Polter meisterte, die Spannung und Laune bei allen Akteuren bis zum Saison-Showdown hoch zu halten.

In der vergangenen Zweitliga-Saison gehörte die Defensive zu Union Berlins Prunkstücken: Nur fünf Niederlagen, lediglich 33 Gegentore und vierzehn "weiße Westen" dienten als Eckpfeiler des letztendlichen Aufstiegs.

Trotz der Verstärkungen in der Offensive und Fischers taktischer Finesse wird auch in dieser Saison der Fokus auf die Männer rund um Abwehrboss Marvin Friedrich gerichtet sein.

Nur wenn das Defensiv-Bollwerk steht, kann Union in Deutschlands höchster Spielklasse für Furore sorgen. Auf Union wartet eine ganz harte Saison im Tabellenkeller!

Am Saisonende wieder Grund zu feiern? Der 1. FC Union beginnt das große Abenteuer "Bundesliga" am Sonntag, 18. August 2019, gegen RB Leipzig.
Am Saisonende wieder Grund zu feiern? Der 1. FC Union beginnt das große Abenteuer "Bundesliga" am Sonntag, 18. August 2019, gegen RB Leipzig.  © dpa/Wolfgang Kumm

Die bereits veröffentlichten Analysen

Borussia Dortmund

RB Leipzig

Eintracht Frankfurt

1. FSV Mainz 05

SC Freiburg

Fortuna Düsseldorf

FC Augsburg

Borussia Mönchengladbach

1. FC Köln

TSG 1899 Hoffenheim

Hertha BSC

FC Schalke 04

SC Paderborn 07

Bayer 04 Leverkusen

Mehr zum Thema 1. FC Union Berlin:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0