1000-Trecker-Demo legte Dresden lahm: Das wollen Sachsens Bauern wirklich

Dresden - Das hat die Landeshauptstadt noch nicht gesehen: Tausend Trecker legten Freitag (zeitweise) die Elbbrücken lahm (TAG24 berichtete). Mit der Aktion protestierten sächsische Bauern gegen das Agrarpaket vom Bund, das vor allem strengen Insektenschutz und Einschränkungen beim Düngen vorsieht. Knapp 2000 Landwirte waren da - wer fehlte, war der neue Landwirtschaftsminister ...

Bereits im Morgengrauen reihte sich Traktor an Traktor auf der Dresdner Marienbrücke.
Bereits im Morgengrauen reihte sich Traktor an Traktor auf der Dresdner Marienbrücke.  © Thomas Türpe

"Wir wollen in Sachen Düngeverordnung, Insektenschutz, überhaupt in Sachen Klimawandel künftig beteiligt werden", formuliert Landesbauernpräsident Torsten Krawczyk (44) das Anliegen. "Wir sind Teil der Lösung."

Warum die Treckerdemo? "Wir sind als Berufsstand und als Bauern allgemein nicht mehr gehört worden. Die Gesprächskanäle waren so verkrustet und geschlossen, dass wir mit unseren Wünschen nicht mehr durchgedrungen sind."

Die Bauern hinterfragen vor allem die Qualität von Nitrat-Messstellen. Zum Teil würde mit Jahre alten Werten gegen sie argumentiert. Die Landwirte erwarten nun laut Krawczyk eine "sachliche und wissenschaftliche" Begleitung, bevor, nach gerade einem Jahr, bereits die nächste Verordnung komme.

Zu den Demonstranten, die sich nach Dresden aufmachten, gehörte unter anderen Jens Nownick (47) aus dem Kreis Bautzen.

Sächsischer Landwirtschaftsminister ist derweil bei der Grünen Woche in Berlin

Der angestellte Landwirt war nachts um 1.15 Uhr aufgestanden, um vor die Staatskanzlei zu rollen. Dort trafen er und seine Kollegen zwar Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (54, Grüne), aber nicht deren Parteifreund Wolfram Günther (46).

Der neue sächsische Landwirtschaftsminister ließ sich entschuldigen. Er sei auf der Grünen Woche in Berlin und führe dort Gespräche mit Verbandsvertretern. Es gehe um verbesserte Rahmenbedingungen für Landwirte, so ein Sprecher.

Aber: "Der Minister hat Verständnis für die Demonstration. Denn die Landwirte sind Leidtragende der Rahmenbedingungen und des harten Preiswettbewerbs." Über seinen Staatssekretär Gerd Lippold (58) lud Günther eine Demo-Delegation ein. Wahlweise komme er aber auch gern zu Gesprächen auf die Höfe.

Landesbauernpräsident Torsten Krawczyk (44).
Landesbauernpräsident Torsten Krawczyk (44).  © Sven Gleisberg
Die Bauern protestieren auch gegen Pläne für ein Tierwohl-Siegel. Ihrer Ansicht nach verwirrt es Verbraucher.
Die Bauern protestieren auch gegen Pläne für ein Tierwohl-Siegel. Ihrer Ansicht nach verwirrt es Verbraucher.  © dpa/picture-alliance
Beim Thema Düngen wollen die Bauern nicht verurteilt werden.
Beim Thema Düngen wollen die Bauern nicht verurteilt werden.  © dpa/Patrick Pleul
Durch die geplanten Vorschriften für Insektenhaine an Feldern fühlen sich viele Landwirte benachteiligt.
Durch die geplanten Vorschriften für Insektenhaine an Feldern fühlen sich viele Landwirte benachteiligt.  © dpa/Bernd Wüstneck

Titelfoto: Thomas Türpe, Sven Gleisberg

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