Nach 17 Jahren! Dresdens Kult-Club hat dicht gemacht

So fing alles an. Die Showboxx in frühen Jahren. Noch keine Spur vom Citybeach.
So fing alles an. Die Showboxx in frühen Jahren. Noch keine Spur vom Citybeach.

Von Sebastian Günther

Dresden - Als vor 17 Jahren aus einer kleinen weißen Bruchbude am Elbufer plötzlich der Bass dröhnte, konnte keiner ahnen, was sich hier im Laufe der Zeit entwickeln würde.

Die Bruchbude mauserte sich zu einem Erlebniszentrum mit unzähligen Partys, Konzerten, dem Citybeach, Volleyballfeldern und einem Open-Air-Festival mitten in der Stadt. Für das Herz, den Club "Showboxx", war Sonntagmorgen Schluss.

Die Showboxx gibt es nicht mehr.

Dresdens erste Adresse für elektronische Musik jeder Art hat am Morgen des 3. Januar für immer seine Türen geschlossen. Sie muss den Investoren-Plänen der Hafencity weichen (MOPO24 berichtete).

"Das der Tag irgendwann kommen würde, wussten wir alle. Aber wir blicken auf wunderbare Jahre zurück", so Markus Rätz (DJ Gunjah).

DJ und Showboxx-Macher Markus Rätz (Gunjah) musste den Club am Sonntag schließen.
DJ und Showboxx-Macher Markus Rätz (Gunjah) musste den Club am Sonntag schließen.

1999 machten er und der Dresdner Frank Weißbach die Hütte auf. Es brauchte nicht viel: Deko, Licht und große Lautsprecher. Gunjah sorgte für Musik und kümmerte sich um die Künstler, die er aus der ganzen Welt ankarrte.

Im Laufe der Jahre spielte in der "Boxx", wie sie von den Dresdnern abgekürzt genannt wurde, so gut wie jeder DJ oder Live Act, der ein paar Bässe in seiner Musik verarbeitet. Paul Kalkbrenner war hier, lange bevor er weltweit Hallen füllte. Und auch Westbam, Ellen Alien, Boys Noize.

Einer der ersten Stunde war auch DJ Lexy. Keines der 17 Jahre verging, ohne dass er mindestens einmal hier auftrat. Auch beim Sonntags-Festival "Click Clack", das die Showboxx seit sechs Jahren veranstaltet, war er immer wieder dabei.

Daher ließ er es sich auch nicht nehmen, in der Nacht zum Sonntag das Closing musikalisch zu begleiten. Neben zahlreichen anderen Acts spielte er ein lautes Abschiedsständchen.

Vor 17 Jahren sahen die Partys in der Boxx noch so aus.
Vor 17 Jahren sahen die Partys in der Boxx noch so aus.

Zum letzten Tanz platzte die Boxx noch mal aus allen Nähten. Viele Dresdner wollten Abschied nehmen. Ein Publikum im Alter von 20 bis 50. Ein jeder mit seinen Erinnerungen an unzählige heiße Nächte hier an der Elbe.

Den letzten Ton behielt sich gegen 10 Uhr DJ Gunjah persönlich vor. Er ist schließlich der Mann, der der alten Rumpelbude mit seinem Programm eine Seele gab.

Aufhören kann und will er aber nicht: "Auf der anderen Straßenseite haben wir ein neues Quartier bezogen, den Klub Neu in der Kleinviehhalle."

Hier sollen künftig wieder Techno-Veranstaltungen stattfinden. Und auch hier wird der Bass aus den Wänden dröhnen, wie einst vor 17 Jahren aus der weißen Bruchbude, etwa 200 Meter weiter Richtung Elbe.

Das Areal um die Showboxx heute. Der Citybeach mit 16 Volleyballplätzen. Der Bereich hinter der Showboxx (ursprünglicher City Beach) gehört zur neuen "Hafen City", daher muss die Boxx schließen.
Das Areal um die Showboxx heute. Der Citybeach mit 16 Volleyballplätzen. Der Bereich hinter der Showboxx (ursprünglicher City Beach) gehört zur neuen "Hafen City", daher muss die Boxx schließen.
Seit sechs Jahren findet im Sommer das "Sonntags-Click-Clack" am Citybeach statt. Das geht trotz Showboxx-Ende auch weiter.
Seit sechs Jahren findet im Sommer das "Sonntags-Click-Clack" am Citybeach statt. Das geht trotz Showboxx-Ende auch weiter.

Fotos: Steffen Füssel (1), PR (1), Holm Helis (1)


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