Bewegender Abschied von erstochener Maria, doch der Fall bleibt ein Rätsel

Zinnowitz - Vor knapp zwei Wochen wurde die 18-jährige Maria im 4200-Einwohner-Ort Zinnowitz in Mecklenburg-Vorpommern ermordet. Die Polizei hat viele Bekannte angehört - aber keine heiße Spur. Am Mittwoch nahmen rund 70 Menschen Abschied von dem Mädchen.

70 Menschen erschienen zu der Gedenkveranstaltung.
70 Menschen erschienen zu der Gedenkveranstaltung.

"Der Satz 'am Anfang fand ich dich voll scheiße' macht eine gute Freundschaft aus" steht auf einer Trauerkarte, daneben liegen Tulpen, Nelken und Osterglocken.

Zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod der 18-jährigen Maria auf Usedom gibt der Fall nicht nur Ermittlern viele Rätsel auf, sondern berührt auch Einheimische. "Man grübelt immer, warum und wieso", sagt eine Zinnowitzerin, die täglich an dem dreistöckigen Haus an der schmalen Straße nach Zempin vorbeigeht. Ihr geht es wie Sabine Mehlhorn, die wenige Meter weiter Schuhe verkauft und Bürgermeister Peter Usemann (Wählergemeinschaft).

"Die Menschen in Zinnowitz sind erschüttert", beschreibt es der Bürgermeister. Sonst sei das Leben auf der Ostseeinsel eher ruhig. "Wenn mal eine leichte Körperverletzung passiert, sorgt das schon für Aufsehen." Im Zuge der Ermittlungen wird immer deutlicher, dass Einheimische die 18-Jährige kaum kannten. "Ich bin 33, die Getötete war 18 und ist erst hierhergezogen", erklärt es ein junger Mann, der einen Kinderwagen an dem Haus vorbei schiebt.

Am 19. März hatte eine Bekannte die Leiche der jungen Frau in der Wohnung gefunden. Sie hatte sich Sorgen gemacht, weil sie die 18-Jährige, die erst kurze Zeit allein eine Wohnung hatte, nicht erreicht hatte. Das Opfer soll über Facebook und Instagram sehr aktiv gewesen sein, erläutert der Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Cloppenburg. Rechtsmediziner fanden heraus, dass das Opfer vermutlich erstochen wurde (TAG24 berichtete).

Die 18-jährige Maria K. wurde erstochen aufgefunden.
Die 18-jährige Maria K. wurde erstochen aufgefunden.  © DPA

In den ersten Tagen war die Polizei mit einem Großaufgebot in Zinnowitz, inzwischen sieht man kaum noch Ermittler. "Sie waren auch hier und haben nach Kameras und Aufnahmen gefragt, aber am Haus waren keine", sagte Mehlhorn. Die 59-Jährige ist Ur-Zinnowitzerin. Der Badeort hat 4200 Einwohner, aber tausende Gäste. "Im Jahr gibt es 1,3 Millionen Übernachtungen", erläutert der Bürgermeister Usemann. "Man kennt nicht mehr alle Leute, denn es sind auch viele neu hergezogen", sagt Mehlhorn.

In dem Fall zeige sich, dass manche Menschen heute mehr Bekannte über soziale Medien haben, als an dem Ort, an dem sie wohnen, meinte Cloppenburg. Maria war vor gut vier Jahren mit ihrer alleinstehenden Mutter und jüngeren Geschwistern von Stralsund nach Zinnowitz gezogen, wie ihre Mutter der "Ostsee-Zeitung" berichtete. Die 18-Jährige habe beim Krippenspiel der Kirchengemeinde mitgespielt und sei mit Gleichaltrigen bei kirchlichen Aktivitäten unterwegs gewesen.

Doch die Zahl der Jugendlichen ist in Zinnowitz nicht groß."Wir haben zwar leichten Einwohnerzuwachs von zehn Prozent in fünf Jahren, aber die meisten 'Neuen' sind ältere Leute", erläutert der Bürgermeister. Dadurch und durch Investitionen von Geschäftsleuten in Häuser, in denen oft Ferienwohnungen entstehen, steigen die Mieten. Es sei schwierig, einen ganzjährigen Job mit entsprechendem Lohn zu finden - vor allem im Tourismus. "Die meisten jungen Leute gehen deshalb auch weg", ergänzt Mehlhorn.

Und eine Frage treibt die Zinnowitzer nun um: So lange kein Verdächtiger gefunden sei, laufe ein Mörder wohl frei herum, sagt die Verkäuferin. Viele halten es für denkbar, dass die junge Frau jemanden kennengelernt hat, der sich in dem Ostseebad erholte. Deshalb hat die Polizei neue Fahndungsbilder von Maria veröffentlicht. "Wir wissen noch nicht lückenlos, was sie an dem Tag vor dem Gewaltdelikt gemacht hat", sagt Polizeisprecherin Claudia Tupeit. Auch Urlauber sollten sich melden, die etwas gesehen hätten.

"Derjenige, der Maria begleitet hat, muss nicht automatisch auch der Tatverdächtige sein, sollte sich aber melden", fordert die Polizeisprecherin. Bisher gebe es kaum Resonanz. Zu einer Gedenkandacht in der Kirchengemeinde kamen am Mittwochnachmittag 70 Menschen. "Fassungslos stehen wir noch immer vor den Ereignissen vom 19. März", sagte Pastorin Christa Heinze. Man sei "ratlos und ohnmächtig angesichts der Gewalt, die bei uns eingebrochen ist."

Mehr zum Thema Polizeimeldungen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0