187 Strassenbande: Gzuz in Handschellen abgeführt

Hamburg - 187 Strassenbande-Rapper Gzuz (31) hat seinen Gerichtsprozess am Dienstag geschwänzt. Jetzt sitzt er in Haft.

"Haarscharf am Knast vorbeigeschlittert", schrieb Gzuz vor mehr als einem Jahr unter ein Selfie. Nun sitzt er aber in Haft.
"Haarscharf am Knast vorbeigeschlittert", schrieb Gzuz vor mehr als einem Jahr unter ein Selfie. Nun sitzt er aber in Haft.  © Screenshot/Instagram/gzuz187_official

Eigentlich sollte Kristoffer Jonas Klauß, der sich hinter dem Künstlernamen Gzuz verbirgt, um 9.15 Uhr vor dem Amtsgericht Hamburg erscheinen.

Der Vorwurf: Drogenbesitz und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Doch der 31-Jährige ließ Richter Johann Krieten warten. "Das habe ich bereits befürchtet", sagte Krieten.

Da der Angeklagte auch nach einer Viertelstunde nicht erschienen war, ordnete der Amtsrichter eine polizeiliche Vorführung an. Dabei appellierte er an den Einfallsreichtum der Beamten: "Es muss ja nicht mit der Ramme sein."

Polizisten fuhren daraufhin zu den zwei bekannten Adressen von Klauß nach Halstenbek und in die Hamburger Neustadt, um ihn abzuholen und ins Gericht zu bringen.

Doch an beiden Anschriften fanden die Beamten den Angeklagten nicht vor. Anscheinend klingelten sie nur, niemand öffnete.

In Halstenbek bemerkten sie dabei offene Fenster und hörten eine laufende Waschmaschine. Krieten bat die Beamten, noch 30 Minuten zu warten. Vielleicht gehe Klauß ja gerade mit dem Hund aus, hole Brötchen oder suche nach einem Schwan, witzelte Krieten.

Damit zeigte der Richter, dass er sich tief in die Prozessakte Gzuz eingelesen hat. Im Mai 2018 teilte der Rapper ein Video, in dem er anscheinend einem Alsterschwan eine Ohrfeige gab. Es erging eine Anzeige wegen Tierquälerei, die Ermittlungen wurden aber eingestellt, da der Schlag nicht eindeutig nachzuweisen war.

Gzuz hält Justiz und Polizei via Instagram zum Narren

Während im Gericht alle auf Gzuz warten, postet er auf Instagram ein Video von einer Tankstelle.
Während im Gericht alle auf Gzuz warten, postet er auf Instagram ein Video von einer Tankstelle.  © Screenshot/Instagram/gzuz187_official

Dagegen geht es bei den aktuellen Vorwürfen um einen Drogenfund bei einer Durchsuchung von Klauß' Wohnung am 11. April 2018. Dabei seien rund 19 Gramm Marihuana, ein bisschen Haschisch und 2,4 Gramm Crystal Meth gefunden worden. Außerdem fanden die Ermittler einen sogenannten Polenböller.

Schwerwiegender ist wohl ein mutmaßlicher Verstoß gegen das Waffengesetz. In der Silvesternacht 2018/19 feierte Gzuz vor dem Friseursalon seines 187-Kollegen Maxwell im Stadtteil Eilbek. Auf Instagram teilte der 31-Jährige, wie er mit einer Waffe in die Luft schoss. Er ist aber nicht im Besitz eines Kleinen Waffenscheins und ihm wurde kurz zuvor ein generelles Waffenverbot ausgesprochen.

Über Instagram begann der Angeklagte am Dienstagvormittag eine weitere Runde im Katz-und-Maus-Spiel mit der Justiz.

Die Polizei habe in Gzuz' Story gesehen, dass er sich vermutlich an einer Tankstelle in Halstenbek aufhalten könne, sagte Krieten. Der 31-Jährige postete dort das Video einer Zapfsäule und rief: "Diesel 1,31? Super Plus 1,70! Was ist denn jetzt schon wieder los? Sind die Amis wieder irgendwo eingefallen oder was?"

Doch an der Tankstelle am S-Bahnhof trafen die Beamten den Rapper nicht mehr an. Gut anderthalb Stunden nachdem der Prozess offiziell beginnen sollte, erließ Richter Krieten auf Antrag der Staatsanwältin Haftbefehl gegen Klauß. Ihm drohe damit bis zum Prozessbeginn Untersuchungshaft, machte ein Gerichtssprecher klar.

Gegen Mittag tauchte Klauß dann doch im Gerichtsgebäude auf. Polizisten nahmen ihn fest, sagte der Sprecher. Ein neuer Hauptverhandlungstermin stehe noch nicht fest. Ob Gzuz so lange in Haft bleibt, ist derzeit unklar.

Gzuz ist wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung vorbestraft. Was der Rapper von der Justiz hält, machte er im März 2019 deutlich. Da pinkelte er gegen das Gerichtsgebäude.

Update, 17.30 Uhr: Gzuz kommt unter Auflagen frei

Nach seiner verspäteten Ankunft bei Gericht, nahmen Polizeibeamte 187-Rapper Gzuz fest.

Wie Gerichtssprecher Kai Wantzen erklärte, wurde der Haftbefehl am Nachmittag außer Vollzug gesetzt. Voraussetzung sei jedoch, dass der Rapper als Kaution 100.000 Euro hinterlege und sich dann dreimal pro Woche bei der Polizei melde.

Bis das Geld eingegangen sei, bleibe Gzuz in Untersuchungshaft, sagte Wantzen.

Titelfoto: Screenshot/Instagram/gzuz187_official

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