"1917" ist ein epischer Höllentrip durch den 1. Weltkrieg!

Deutschland - Genial! Der Antikriegsfilm "1917" von Regisseur Sam Mendes ("James Bond: Skyfall" und "Spectre") startet am 16. Januar in den deutschen Kinos und ist ein Genre-Meisterwerk für die Ewigkeit, das Anfang Januar zurecht mit zwei "Golden Globes" ausgezeichnet wurde (TAG24 berichtete).
Lance Corporal Blake (l., Dean-Charles Chapman) und Lance Corporal Schofield (George MacKay) laufen auf ihrer Mission durch grausame Schlachtfelder.
Lance Corporal Blake (l., Dean-Charles Chapman) und Lance Corporal Schofield (George MacKay) laufen auf ihrer Mission durch grausame Schlachtfelder.  © PR/ Universal Pictures

Die gesamte Geschichte spielt an einem einzigen Tag: dem 6. April 1917. Zuerst fährt die Kamera über ein wunderschönes Blütenfeld in Frankreich.

Wenige Sekunden später tauchen die schlafenden britischen Soldaten Lance Corporal Blake (Deac-Charles Chapman) und Lance Corporal Schofield (George MacKay) im Bild auf, die von ihrem Leutnant geweckt werden.

Sie laufen angeregt quatschend durch die Schützengräben zu General Erinmore (Colin Firth), der ihnen einen heiklen Auftrag erteilt: sie sollen das 2. Bataillon retten. Das läuft nämlich direkt in eine Falle der Deutschen!

Auch Blakes Bruder Joseph (Richard Madden) zählt zu den Soldaten, die eine Offensive starten sollen, worauf die deutschen Truppen aber nur warten.

Kommen Blake und Schofield nicht rechtzeitig bei ihnen an, droht dem 2. Bataillon ein Massaker! Schließlich steht das Leben von 1600 Männer auf dem Spiel.

Doch der Weg zu ihnen ist weit, die Gefahren vielfältig, dazu sind sie nur zu zweit. So müssen sie durch Feindgebiet schleichen und viele Herausforderungen meistern. Und natürlich läuft nicht alles reibungslos ab ...

"1917" von Sam Mendes ist schon jetzt ein Klassiker für die Ewigkeit

Schofield (George MacKay) balanciert auf einem Geländer einer kaputten Brücke.
Schofield (George MacKay) balanciert auf einem Geländer einer kaputten Brücke.  © PR/Universal Pictures and Storyteller Distribution

Diese Geschichte hat Mendes meisterlich umgesetzt. Sein Antikriegsfilm ist ein Klassiker für die Ewigkeit und zählt zu den absoluten Referenztiteln in diesem Genre, das schon viele starke Werke hervorgebracht hat.

Doch "1917" dürfte einer neuen Generation von Filmemachern auf entsprechenden Hochschulen über Jahre hinweg als Beispiel dafür dienen, wie ein perfektes Werk erschaffen- und vor allem geschnitten wird.

Denn es kommt auch dank "Oscar"-Gewinner Lee Smith ("Dunkirk") ohne erkennbare Cuts aus und wirkt deshalb wie eine zweistündige Tour-de-Force durch die Grauen des Ersten Weltkrieges.

Schon der Aufbau ist genial. Mendes lässt seine Figuren erst einmal durch die brillant gestalteten, authentischen Sets laufen und kreiert alleine damit schon eine spannungsgeladene Atmosphäre.

Noch besser ist der Einfall, den Auftrag für die zwei Corporals gleich zu Beginn einzubauen. So lernt das Publikum die Charaktere auch durch ausgefeilte Dialoge bereits zu diesem frühen Zeitpunkt hintergründig kennen. Dazu baut Mendes im zunehmenden Verlauf ebenfalls immer wieder wichtige und berührende Story-Momente zwischen der Action ein.

Blake und Schofield laufen gemeinsam durch Schlachtfelder voller Maschendrahtzäune, Wassergräben, verwesender Leichen, Ratten und Krähen, die sich am "Buffet" bedienen. Von einem ganz neutralen Standpunkt aus bringt Mendes den Zuschauern durch diesen Ansatz die Irrungen und Wirrungen des Krieges näher.

"1917" ist ein atemloses und extrem intensives Kinoerlebnis

Ihm müssen Blake und Schofield die Nachricht überbringen: Colonel MacKenzie (Benedict Cumberbatch).
Ihm müssen Blake und Schofield die Nachricht überbringen: Colonel MacKenzie (Benedict Cumberbatch).  © PR/ Universal Pictures

Durch das intelligente Drehbuch haben alle Protagonisten ihre eigene Story und besondere Merkmale, wodurch sie hohes Identifikationspotenzial bieten und Projektionsfläche der eigenen Gefühle sind.

Denn als Zuschauer findet man sich inmitten einschlagender Mörser-Granaten und vorbeisausender Kugeln wieder und hat deshalb ein extrem intensives Kinoerlebnis.

Das wiederum trägt auch dazu bei, dass man emotional vollauf mit den Figuren mitfiebert. Denn die Charaktere werden tiefschürfend und mit viel Feingefühl dargestellt, weshalb ihre Motive und Entscheidungen nachvollziehbar sind.

Auch sonst werden die richtigen Entscheidungen getroffen. So gelingt es Mendes mehrfach, mit unvorhersehbaren Wendungen zu überraschen. Und sie alle ergeben Sinn und verleihen dem Film eine starke Eigennote.

Denn der Regisseur wiegt die Zuschauer in Sicherheit, nur um dann zuzuschlagen und für Verblüffung zu sorgen. So ist sein einzigartiges Werk in jederlei Hinsicht episch. Selten gab es einen so atemlosen Film, der von der ersten bis zur letzten Sekunde, auf einer tiefergehenden Ebene, mitreißt und zutiefst beeindruckt.

Kameraführung von Roger Deakins in "1917" gehört zu dem Besten, das man je gesehen hat

Kameramann Roger Deakins (r.) erklärt seiner Crew, wie sie vorgehen soll.
Kameramann Roger Deakins (r.) erklärt seiner Crew, wie sie vorgehen soll.  © PR/© 2019 Universal Pictures and Storyteller Distr

Entscheidenden Anteil am visuell einzigartigen Stil hat die kreisende Kameraführung, die sich erkennbar beim ungarischen KZ-Meisterwerk "Son of Saul" bedient, aber mehrere Klassen besser ist.

Altmeister Roger Deakins ("Sicario") gelingt die vielleicht beste Kameraarbeit der letzten Jahre.

Er bleibt immer nah an den Protagonisten dran, hat aber ebenso Auge und Gespür dafür, auch die grandiosen Locations effektiv in Szene zu setzen. Mit seinen wahrlich monumentalen Aufnahmen beschert er den Zuschauern ein traumhaftes Bild nach dem anderen.

Dabei gelingt es ihm, inmitten des Krieges große cineastische Momente voll poetischer Schönheit zu erschaffen und die harte Storyline mit ergreifenden Hoffnungsschimmern gekonnt zu kontrastieren.

Auch dank des "Oscar"-Gewinners, der 152 Preise sein Eigen nennen kann und 165 weitere Nominierungen abgestaubt hat (!), funktioniert "1917" in jederlei Hinsicht.

Denn alle Abteilungen liefern Arbeit auf höchstem Niveau ab. Die bedrohlich anschwellende Musikuntermalung vom 14-fach "Oscar"-nominierten Komponisten Thomas Newman ("Findet Nemo"), die herrlich detaillierten Kostüme und die erstklassigen Spezialeffekte tragen viel zur nervenzerfetzenden Stimmung bei.

George MacKay und Dean-Charles Chapman begeistern in "1917"

Schofield (George MacKay) muss auf dem Weg zum Ziel im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen klettern.
Schofield (George MacKay) muss auf dem Weg zum Ziel im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen klettern.  © PR/© 2019 Universal Pictures and Storyteller Distr

Doch natürlich steht und fällt so ein Werk mit dem Casting der richtigen Schauspieler. Hier haben die Macher alles richtig gemacht.

Nicht nur, dass sie die englische Crème de la Crème für kleine Nebenrollen gewinnen konnten, ist ein Beleg für die herausragende Qualität von "1917", sondern vor allem die schlaue Auswahl der beiden Hauptdarsteller, die Kennern zwar schon ein Begriff-, der breiten Masse aber noch nicht so bekannt sind.

Doch MacKay ("Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurück") und Chapman (Tommen Baratheon in "Game of Thrones") füllen ihre bedeutungsvollen Rollen perfekt aus und tragen den Film mit ihrer Ausdrucksstärke und Präsenz problemlos.

Denn sie und die Macher beweisen in den verschiedensten Momenten den richtigen Instinkt und sorgen somit für eine große emotionale Achterbahnfahrt. Diese Qualität belegen auch die Zahlen: 53 Preise und 153 weitere Nominierungen sprechen eine deutliche Sprache!

Deshalb ist "1917" ein Antikriegsfilm-Meisterwerk mit klaren Botschaften geworden. Hier greift ein Rädchen flüssig ins andere, weswegen man dieses Ausnahmewerk atemlos und mit offenem Mund verfolgt - denn genau für so einen außergewöhnlichen Film geht man ins Kino!

"1917" liefert Bilder solch poetischer Schönheit im Sekundentakt ab.
"1917" liefert Bilder solch poetischer Schönheit im Sekundentakt ab.  © PR/© 2019 Universal Pictures and Storyteller Distr
Der Wahnsinn des Krieges: Schofield (vorne, George MacKay) rennt unter schwerem Beschuss über ein Schlachtfeld.
Der Wahnsinn des Krieges: Schofield (vorne, George MacKay) rennt unter schwerem Beschuss über ein Schlachtfeld.  © PR/Universal Pictures

Titelfoto: PR/Universal Pictures

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