Tränen, Feuerwerk und mahnende Worte bei Mauerfall-Jubiläum

Berlin - Gänsehaut-Momente vor dem Brandenburger Tor: Zehntausende Menschen haben am Samstagabend bei einer großen Open-Air-Show den Mauerfall vor 30 Jahren gefeiert - direkt an dem Berliner Wahrzeichen, das lange Symbol für die deutsche Teilung war.

Zum krönenden Abschluss gab es am Brandenburger Tor noch ein Feuerwerk.
Zum krönenden Abschluss gab es am Brandenburger Tor noch ein Feuerwerk.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Botschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war eindeutig: Er rief unter dem Beifall der Menge dazu auf, neu entstandene Mauern in der Gesellschaft wieder einzureißen. Zeitzeugen und Bürgerrechtler kamen auf der stimmungsvoll illuminierten Bühne vor dem Brandenburger Tor zu Wort.

In seiner Rede sagte der Bundespräsident die große Mauer, die so viele Opfer gefordert habe, sei ein für alle Mal weg. "Aber quer durch unser Land sind neue Mauern entstanden: Mauern aus Frust, Mauern aus Wut und Hass, Mauern der Sprachlosigkeit und der Entfremdung. Mauern, die unsichtbar sind, aber trotzdem spalten. Mauern, die unserem Zusammenhalt im Wege stehen." Steinmeier rief dazu auf, dieser Entwicklung nicht tatenlos zuzuschauen. "Reißen wir diese Mauern endlich ein!"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) mahnte, die Werte des Friedens, der Freiheit und der Demokratie zu verteidigen. "Populisten, die Hass und Hetze verbreiten, greifen unser Zusammenleben ganz kalkuliert an (...)", sagte Müller beim Mauerfall-Fest. "Wir dürfen sie nicht gewähren lassen, sondern müssen entschieden für unsere Werte eintreten."

Die Bühnenshow begann mit einem Klassiker der DDR-Rockmusik. Als Dirk Michaelis (58) am Berliner Wahrzeichen seine Rockballade "Als ich fortging" präsentierte, wurde es auf dem Platz vor der Bühne still. Einige Zuhörer sangen mit.

Der im Jahr des Mauerbaus in Chemnitz geborene Sänger und frühere Frontmann der Rockband Karussell hatte das Lied schon als Jugendlicher komponiert und 1987 veröffentlicht.

Frank-Walter Steinmeier warnt vor neuen Mauern

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei der Feier anlässlich der Festivalwoche "30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall" am Brandenburger Tor.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei der Feier anlässlich der Festivalwoche "30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall" am Brandenburger Tor.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Zeile "Nichts ist unendlich, so sieh das doch ein" bezogen in den letzten Monaten der DDR viele auf die politischen Entwicklungen im Land und auf die Tausenden DDR-Bürger, die ihm den Rücken kehrten und in den Westen gingen. Das Lied gilt seitdem als "Wendehymne".

Über den Köpfen der Bürger an der Straße des 17. Juni rauschten 30.000 Bänder leise im Wind - darauf hatten Berliner ihre Wünsche und Hoffnungen aufgeschrieben. Die Kunstinstallation war abends beleuchtet und von weitem zu sehen, genau wie die Bühne mit mehreren Großleinwänden, auf denen die Zuschauer das Geschehen verfolgen konnten.

Eng gedrängt standen die Gäste nebeneinander, hörten der Ost-Berliner Band Die Zöllner oder dem gebürtigen Chemnitzer Sänger Trettmann zu, wiegten sich im Rhythmus der Musik und klatschten viel Beifall.

Tränen gab es auch - etwa, als die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim Beethovens 5. Sinfonie spielte und auf den Videoleinwänden Szenen vom Tag des Mauerfalls vor 30 Jahren zu sehen waren. Aber auch Steinmeiers Rede ging manchen nahe. Eine Frau sagte mit Tränen in den Augen, sie sei am Tag des Mauerfalls dabei gewesen und nun 30 Jahre später am Brandenburger Tor.

Den krönenden Abschluss lieferte dann ein Feuerwerk. Minutenlang waren im dunklen Nachthimmel über Berlin direkt über der Quadriga auf dem Brandenburger Tor bunte Leuchtspuren in Rot, Blau oder Gelb zu sehen. Die Party endete damit krachend laut und mit einem echten Hingucker, für den die Feuerwerker viel Beifall erhielten.

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