33 Jahren nach Tschernobyl: Wildschweinfleisch teils heute noch verstrahlt

Erfurt - Wegen zu hoher radioaktiver Belastung haben Jäger in Thüringen im vergangenen Jahr 81 erlegte Wildschweine nicht in den Handel bringen dürfen.

Besonders Wildschweine sind von der Rest-Strahlung betroffen.
Besonders Wildschweine sind von der Rest-Strahlung betroffen.  © DPA

Das geht aus der Antwort des Landwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Babett Pfefferlein hervor. Damit war die Zahl fast so hoch wie im Jahr zuvor, als bei 82 geschossenen Schwarzkitteln so viel radioaktives Cäsium-137 nachgewiesen wurde, dass sie nicht weiterverwertet werden durften.

33 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind in manchen Gebieten Deutschlands bestimmte Pilz- und Wildarten noch immer stark mit Cäsium-137 belastet, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert. Überschreitet ein Lebensmittel einen bestimmten Wert davon, darf es nicht verkauft werden. Wildschweine sind demnach stärker als andere Wildtierarten betroffen, weil sie gerne den unterirdisch wachsenden Hirschtrüffel essen, der außergewöhnlich hoch belastet ist.

Gesundheitsschädlich ist das Wildfleisch aber in der Regel nicht. Der Geschäftsführer des Landesjagdverbands, Frank Herrmann, sagte, dass die Zahl ins Verhältnis zur gesamten Menge an erlegten Wildschweinen gebracht werden müsse. In der Antwort auf Pfefferleins Anfrage listet das Landwirtschaftsministerium 5451 Wildschweine auf, die 2018 in den Eigenjagdbezirken der Landesforstanstalt erlegt wurden. Ein Jahr zuvor waren es 6083.

Ergebnis zeige, was Atomenergie anrichten könne

Der Blick auf den zerstörten Reaktor in Tschernobyl 1986.
Der Blick auf den zerstörten Reaktor in Tschernobyl 1986.  © DPA

"Dass auch 33 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl noch immer fast 1,5 Prozent aller erlegten Wildschweine so hoch verstrahlt sind, zeigt einmal mehr, was Atomenergie anrichten kann und wie wichtig Erneuerbare Energien auch für den Naturschutz sind", sagte Pfefferlein als tierschutzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Eine Erklärung ist Herrmann zufolge, dass sich Wildschweine in den vergangenen Jahren in Thüringen weiter ausgebreitet haben. "Schwarzwild ist inzwischen bis in die Kammlagen des Thüringer Waldes verbreitet - vor zehn oder 20 Jahren war das noch nicht der Fall." In den Hochlagen lebten die Tiere nun in Gebieten, in denen 1986 vermehrt belasteter Starkregen niederging. Bodenpflanzen und Pilze, die die Schweine fressen, seien dort noch stärker belastet.

Wild, das in bekannten Belastungsgebieten geschossen wird, wird laut Herrmann zu 100 Prozent auf Radioaktivität getestet. Außerhalb der Areale werde das Fleisch in Stichproben überprüft. Überschreitet das Fleisch den Grenzwert, werde es entsorgt, erläuterte ein Mitarbeiter des Landesjagdverbands.

Titelfoto: DPA

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