Jetzt ist es amtlich: Leipzig will bis März 2020 Konzept für das 365-Euro-Ticket

Leipzig - Kaum ein anderes Thema wurde in den vergangenen Monaten so hitzig in Leipzig diskutiert, wie die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets für die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Was von vielen als bloßes Wahlkampfthema abgetan wurde, hat bei der Ratsversammlung der Messestadt am Mittwoch erste Formen angenommen - auch wenn der große Wurf dann doch ausblieb.

Leipzig will ein Konzept für die Einführung des 365-Euro-Tickets erarbeiten. Wann genau das Ticket kommen soll, ist dabei noch nicht geklärt. Die Stadt soll zunächst Bewertungen für die Jahre 2021, 2024 und 2027 erstellen.
Leipzig will ein Konzept für die Einführung des 365-Euro-Tickets erarbeiten. Wann genau das Ticket kommen soll, ist dabei noch nicht geklärt. Die Stadt soll zunächst Bewertungen für die Jahre 2021, 2024 und 2027 erstellen.  © DPA

Denn während die Fraktionen der AfD und FDP sowie der parteilose Stadtrat Alexej Danckwardt den Antragstellern auch weiterhin Wahlkampf vorwarfen und insbesondere FDP-Stadtrat Sven Morlock vor einem überstürzten Vorgehen warnte, hatten SPD und Linke einen Antrag vorgelegt, der zwar die Konzepterstellung für die Einführung des 365-Euro-Tickets fordert. SPD-Stadtrat Heiko Oswald fasste es jedoch gleich zu Beginn der Debatte zusammen: "Das 365-Euro-Ticket wird nicht 2021 kommen und ist auch nicht allein durch die Stadt finanzierbar."

Vielmehr solle es zunächst um die Umsetzung des 2018 beschlossenen Nachhaltigkeitsszenarios gehen. Die Infrastruktur, Servicequalität und Mitarbeiterzahl der LVB müsse ausgebaut, verbessert und erhöht werden. Erst im Rahmen dieser Maßnahmen soll das 365-Euro-Ticket eingeführt werden, so auch der Antrag der SPD und Linken. Ein Konzept für die Einführung des Jahrestickets werde bis März 2020 erstellt erwartet. Die Linken hatten zunächst Ergebnisse bis Ende 2019 gefordert.

"Wir wollen der Verwaltung jedoch bis 31. März Zeit lassen, denn wir wollen vernünftige Zahlen erhalten", erklärte Linken-Stadträtin Franziska Riekewald.

365-Euro-Ticket in Leipzig: "Wir brauchen einen funktionierenden ÖPNV"

Die Redebeiträge der übrigen Fraktionen - egal, ob für oder wider das Ticket gerichtet - konzentrierten sich schließlich auf dieselben Punkte: Der Service der Leipziger Verkehrsbetriebe müsse zunächst verbessert werden. Erst dann sei ein 365-Euro-Ticket ein mögliches Thema. "Wir brauchen einen funktionierenden ÖPNV. Die Ausweitung des Angebots ist das A und O", erklärte Dr. Sabine Heymann von der CDU. "Wenn der ÖPNV leistungsfähiger ist, dann sind wir wieder beieinander."

Zu guter Letzt ergriff Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) das Wort und fasste die Debatte zusammen. "Mit dem 365-Euro-Ticket verhält es sich wie mit dem Kaiserschmarrn: Man muss zunächst den Teig anrühren, das Fundament bilden. Das ist in unserem Fall der Ausbau der LVB. Das 365-Euro-Ticket ist letztendlich nur der Puderzucker, der zuletzt kommt."

"Wir dürfen unseren Bürgern nicht versprechen, dass es ohne ein deutliches Investitionspaket geht. Und wir dürfen auch nicht den Eindruck erwecken, das könnten wir in zwei bis drei Jahren einführen. Wir müssen das abwägen. Ich unterstütze den Antrag, weil er uns in hohem Niveau vorgibt, was wir zu tun haben. Ich bitte nur um drei Monate mehr Zeit."

Diese hat die Stadtverwaltung nun bekommen. Bis März 2020 soll das Konzept stehen.

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