Leipziger SPD und Linke zoffen sich ums 365-Euro-Ticket

Leipzig - Das in Leipzig seit Wochen diskutierte 365-Euro-Ticket für Bus und Bahn sorgt für Zoff im Stadtrat. Die Linke fordert ein Konzept bis zum Ende des Jahres und hat bereits einen ersten Antrag vorgelegt, während die SPD von voreiligem Vorgehen spricht. Nachdem sich beide Fraktionen bloßen Wahlkampf mit dem Ticket vorgeworfen haben, hat die Linke nun ein Ultimatum ausgesprochen.

Gute Idee mit bösen Folgen: Nachdem das 365-Euro-Ticket zunächst für Begeisterung sorgte, zoffen sich nun Leipzigs SPD und die Linke.
Gute Idee mit bösen Folgen: Nachdem das 365-Euro-Ticket zunächst für Begeisterung sorgte, zoffen sich nun Leipzigs SPD und die Linke.  © DPA

"Die SPD muss sich entscheiden, wollen sie das 365-Euro-Ticket oder wollen sie es nicht", erklärte Franziska Riekewald, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Leipziger Stadtrat am Donnerstag. Wenn die Sozialdemokraten das Ticket wollen, sollten sie dem Antrag zustimmen "und dafür sorgen, dass die Verwaltung beginnt, sich mit der Umsetzung des Themas in die Realität ernsthaft zu beschäftigen", so Riekewald.

Leipzigs SPD-Vorsitzender Holger Mann soll sich zuvor gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" für eine "ergebnisorientierte Debatte" ausgesprochen sowie den Vorstoß der Linken als "überambitioniert" und "Schnellschuss" bezeichnet haben. Die Linke würde das Projekt nicht ernst nehmen, zitiert die "LVZ" Mann.

Der Zeitung zufolge will die Linke noch vor der Stadtratswahl am 26. Mai von der Verwaltung wissen, was die Einführung des 365-Euro-Tickets kosten würde und wie die Stadt dies finanzieren könne.

Das Projekt hatte erstmals Fahrt aufgenommen, nachdem sowohl der Leipziger Umweltbund Ökolöwe als auch die SPD Ende Februar das 365-Euro-Ticket gefordert hatten (TAG24 berichtete). "Wir wollen den ÖPNV in Leipzig attraktiver machen und mehr Menschen durch positive Anreize zum Umstieg auf Bus und Bahn animieren. Die Einwohnerzahl wächst und mit ihr die in unserer Stadt zugelassenen Kraftfahrzeuge", hatte SPD-Stadtverbandschef Holger Mann damals erklärt.

Ein entsprechender Appell an Oberbürgermeister Burkhard Jung (61, SPD) wurde daraufhin innerhalb kürzester Zeit von tausenden Leipzigern unterschrieben (TAG24 berichtete) und auch die Linke schloss sich dem Vorhaben an.

Mittlerweile sollen sich jedoch beide Fraktionen vorgeworfen haben, lediglich aus wahlkampftaktischen Gründen für das günstigere Jahresticket zu plädieren. "Herr Mann sollte unseren Antrag erst lesen, bevor er uns Schnellschüsse unterstellt", erklärte Franziska Riekewald nun. "Anders als behauptet, wollen wir nicht die Umsetzung dieser Maßnahmen bis Ende des Jahres, sondern fordern mit unserem Antrag die Stadtverwaltung auf, bis zum Ende des Jahres ein Konzept dazu vorzulegen."

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