37 Corona-Infizierte in Heinsberg: Schulen und Kitas bis 6. März zu

Düsseldorf - Das Coronavirus greift in NRW schnell um sich. Der Kreis Heinsberg teilte am Freitagabend mit, die Zahl der nachweislich mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierten sei auf 37 gestiegen. Patienten wurden am Freitag auch aus Düsseldorf und Bergheim gemeldet.

Armin Laschet (r, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Stephan Pusch, Landrat des Kreises Heinsberg, verabschieden sich nach einem Gespräch.
Armin Laschet (r, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Stephan Pusch, Landrat des Kreises Heinsberg, verabschieden sich nach einem Gespräch.  © dpa/Oliver Berg

Alle Infizierten hätten Bezüge zu Infizierten im Kreis Heinsberg, hatte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums am Nachmittag gesagt.

Auch die zwei am Abend bekanntgewordenen Fälle stammen aus dem Kreis. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (62, CDU) sagte am Nachmittag:

"Ich gehe davon aus, dass sich das in den nächsten Tagen noch weiter erhöhen wird."

Ministerpräsident Armin Laschet (59, CDU) warnte vor Panik und Alarmismus.

Der Kreis Heinsberg geht mittlerweile von schätzungsweise 1000 Menschen in häuslicher Quarantäne aus.

"Das ist eine rein statistische Rechnung", sagte ein Sprecher des Kreises am Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur.

Kitas bleiben bis zum 6. März geschlossen

Ein Zettel mit der Aufschrift „Die Dienststelle ist geschlossen“ hängt im Gebäude der Knappschaft.
Ein Zettel mit der Aufschrift „Die Dienststelle ist geschlossen“ hängt im Gebäude der Knappschaft.  © dpa/Marcel Kusch

Der Krisenstab habe beschlossen, dass im Kreis die Kindertagesstätten, Schulen und Kindertagespflegeeinrichtungen bis einschließlich 6. März geschlossen bleiben, hieß es am Freitagabend.

Die öffentlichen Verwaltungen öffnen ab 3. März teilweise wieder für den Publikumsverkehr. Es würden aber nur dringende Anliegen bearbeitet.

Im westlichsten Kreis Deutschlands kämpft ein rund 100-köpfiger Krisenstab gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus. In dem Kreis leben rund 252.000 Menschen. Der Kreis werde vermutlich nicht der einzige in Deutschland mit einer "vergleichbaren Situation" bleiben, sagte der Landrat.

Bei der im Fokus stehenden "Kappensitzung" in Gangelt am 15. Februar, an der der infizierte 47-Jährige - der erste bekannte Patient in NRW - teilgenommen hatte, könnte es etwa 300 Kontaktpersonen gegeben haben. Zudem wird mit 100 weiteren Kontakten des infizierten Paares gerechnet - 400 insgesamt. Für deren Partner und gegebenenfalls Kinder könnte rein rechnerisch der Faktor 2,5 angesetzt werden, womit man auf die Zahl 1000 komme.

Die Behörden wissen noch immer nicht, wo sich der 47-Jährige mit Sars-CoV-2 infiziert hat. Der sogenannte "Patient Null" werde vielleicht auch nie gefunden, sagte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am Freitagabend.

Pusch warnte vor Aktionismus. Eine Absperrung ganzer Ortschaften wäre zwecklos. "Ich halte das sowohl für den Staat als auch für unsere Menschen für eine Maßnahme, die sie nicht akzeptieren werden." Auch die 14-tägige häusliche Quarantäne für Ärzte und Pfleger, die ohne Schutz Kontakt mit einem infizierten Patienten hatten, stellte er infrage.

"Wir werden da einen pragmatischen Weg finden müssen, uns nicht selber unser eigenes Gesundheitssystem lahmzulegen."

Neuer Coronavirus-Fall in Düsseldorf

Wenige Büros sind im Bürogebäude der Unternehmensberatung Ernst & Young beleuchtet.
Wenige Büros sind im Bürogebäude der Unternehmensberatung Ernst & Young beleuchtet.  © dpa/Martin Gerten

In Düsseldorf tauchte am Freitag noch ein weiterer Fall auf: Ein Mitarbeiter der Unternehmensberatung Ernst & Young sei mit dem Virus infiziert, bestätigte ein Sprecher. 1500 Kolleginnen und Kollegen des Mannes sollen deshalb erst einmal zuhause bleiben.

Der Zustand des 47-jährigen Mannes, der als erster positiv auf das Virus getestet und auf die Intensivstation der Düsseldorfer Uni-Klinik verlegt worden war, ist weiter ernst - aber habe sich nun "etwas stabilisiert", so die Klinik am Freitagmittag. Auch seine Frau (46) ist laut den Behörden infiziert und gilt als stabil.

Die Kinder des Paars haben sich nicht angesteckt, wie sich am Freitag herausstellte. Auch andere Verwandte sind gesund. Ebenfalls gut ging es zunächst Dutzenden Kindern eines Kindergartens in Gangelt, wo die 46-Jährige als Erzieherin arbeitet.

In Mönchengladbach lief der Betrieb an den Maria Hilf-Kliniken weiter. Dort war ein Arzt positiv auf das Virus getestet worden. Allerdings stehen auch dort etwa 35 Menschen unter Quarantäne.

Der Arzt - der sich wohl auch bei der Karnevalssitzung angesteckt hatte - habe Kontakt zu 15 Patienten und 20 Mitarbeitern gehabt, sagte ein Sprecher der Stadt. Am Freitagabend war klar: Keiner der Patienten hatte sich mit dem Coronavirus infiziert.

Kein Unterricht in Bielefeld und Mönchengladbach

Eine Frau in einem Krankenhaus in Schutzkleidung. (Symbolbild)
Eine Frau in einem Krankenhaus in Schutzkleidung. (Symbolbild)  © dpa/Marcel Kusch

Zwei Schulen in Bielefeld und Mönchengladbach sagten den Unterricht ab. In Bielefeld bestand bei einer Mitarbeiterin der Verdacht auf eine Erkrankung, in Mönchengladbach war der Bruder einer Lehrkraft positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW strich wegen des Coronavirus eine Informationsveranstaltung für den Ausbau der Autobahn 3 in Hünxe. Um die Bevölkerung nicht zu verunsichern, wurde ein landesweiter Probealarm abgesagt.

Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität hat ihren Mitarbeitern angeboten, von zu Hause zu arbeiten. Wer sich ernsthafte Sorgen mache, vom neuen Coronavirus betroffen zu sein, solle auf jeden Fall daheim bleiben.

Die Universität hat rund 4000 Mitarbeiter in Wissenschaft und Verwaltung. Da gerade Semesterferien sind, müssen zunächst keine Vorlesungen ausfallen.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus stehen in Düsseldorf mehrere Messen auf dem Prüfstand. Die Internationale Messe für Technologien der Metallbearbeitung, die eigentlich ab dem 10. März stattfinden sollte, wurde verschoben.

Die Düsseldorfer Messe kündigte außerdem an, neu bewerten zu wollen, ob die weiteren anstehenden Messen wie geplant stattfinden können. Das betrifft unter anderem die Beauty-Messen Beauty und Top Hair sowie die Weinmesse ProWein.

Kuriose Folgen hatte das Virus am Freitag für einen Prozess am Düsseldorfer Landgericht: Ein 29-jähriger Angeklagter blieb mit der Begründung fern, er stehe als Verdachtsfall unter Quarantäne und dürfe das Haus nicht verlassen.

Auf Nachfrage des Staatsanwalts erklärte das Düsseldorfer Gesundheitsamt, dass der 29-jährige Mann definitiv nicht zu den Verdachtsfällen gehöre.

Das Landgericht entschied daher in Abwesenheit des Mannes gegen ihn: 1200 Euro Geldstrafe wegen Betrugs.

Titelfoto: dpa/Marcel Kusch


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