50+1-Posse vorerst beendet: Kind und Hannover ziehen Ausnahmeantrag zurück

Hannover - Der Fußball-Zweitligist Hannover und sein Hauptgesellschafter Martin Kind haben den Ausnahmeantrag für die in Deutschland geltende 50+1-Regel zurückgezogen.

Martin Kind hat die langen Verfahren in den Entscheidungsgremien und Gerichten häufig angeprangert.
Martin Kind hat die langen Verfahren in den Entscheidungsgremien und Gerichten häufig angeprangert.  © Peter Steffen/dpa

"Eine Entscheidung des Schiedsgerichtes wäre in nächster Zeit nicht zu erwarten gewesen", heißt es auf der Vereinshomepage der Niedersachsen.

96-Hauptgesellschafter Kind hat gemeinsam mit dem Sportverein und der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA im August 2017 einen Antrag auf Ausnahmeregelung der 50+1 gestellt.

Die 50+1-Regel besagt, dass eine Kapitalgesellschaft nur dann eine Lizenz für die Teilnahme an der ersten oder zweiten Fußball-Bundesliga erwerben kann, sofern der Mutterverein mindestens die Hälfte der Stimmenanteile, plus einer Stimme, im Verein behält.

Sprich 50 Prozent der Stimmanteile in der Kapitalgesellschaft und ein weiterer Stimmanteil in der Versammlung der beteiligten Anteilseigner an der KG. Ziel ist es, dass Vereine nicht mehrheitlich in die Hände von Konzernen oder Investoren gelangen.

Martin Kind ist seit Jahren für seine Haltung und Kritik zu 50+1 bekannt. Er sieht im Kippen der Regelung eine Chance für Hannover und den deutschen Vereinsfußball im allgemeinen, wettbewerbsfähiger zu werden - insbesondere im Vergleich mit Ligen wie der englischen Premier League.

Martin Kind und Hannover 96 ließen den Antrag bereits seit Mai ruhen

Die Pläne von Martin Kind sorgten auch innerhalb der Ultra- und Fan-Szene der Hannoveraner oftmals für geladene Stimmung. Ein Großteil des Hannover-Anhangs waren für den Erhalt von 50+1.
Die Pläne von Martin Kind sorgten auch innerhalb der Ultra- und Fan-Szene der Hannoveraner oftmals für geladene Stimmung. Ein Großteil des Hannover-Anhangs waren für den Erhalt von 50+1.  © Fabian Sommer/dpa

Kind und Hannover wollten genau wie Bayer 04 Leverkusen (Konzern Bayer), der VfL Wolfsburg (Volkswagen) und die TSG Hoffenheim (SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp) eine Ausnahmeregelung erwirken.

Diese wird von der Deutschen Fußball Liga (DFL) jedoch nur gewährleistet, wenn "ein anderer Rechtsträger seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat", so in §8 Nr. 3 der DFL-Satzung.

Das Präsidium der DFL hat dann die Möglichkeit zu entscheiden, ob einer Ausnahmeregelung stattgegeben werden könne. Im Falle Hannover 96 wollte Martin Kind die Mehrheit der Hannover 96 Management GmbH und somit der Gesellschaft übernehmen. Die DFL hatte diesem Antrag jedoch 2018 abgelehnt.

Seither liegt der Antrag beim Ständigen Schiedsgericht in der nächsten Instanz. Nicht zuletzt durch einige Querelen innerhalb des Vereins, insbesondere auch mit den Fans, ruht der Antrag seit Mai. Darüberhinaus hängt dies auch mit der neuen Führung des Vereins zusammen. Diese wurde im März diesen Jahres gewählt.

Die neue Führung um Aufsichtsrat und Präsident Kramer gilt als Gegner Kinds und des Antrages. Genauere Informationen über den Rückzug möchte der Verein zeitnah bekannt geben.

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