Nach 51 Jahren: Dresdnerin sucht ihre verschollene Schwester 

So sah Kerstin mit Anfang 20 aus.
So sah Kerstin mit Anfang 20 aus.

Dresden - Die Ärzte behaupteten, ihre Zwillingsschwester sei kurz nach der Geburt gestorben. Doch immer wieder wird eine Frau in Dresden gesichtet, die aussieht wie Kerstin Heinze (51). "Wer kennt meine Schwester? Sie lebt“, ist Kerstin sicher. Steckt ein Fall von DDR-Kindsraub dahinter?

"Anfangs hatte niemand Zweifel“, sagt Kerstin. Die Röntgenassistentin aus Kreischa wurde am 11. Dezember 1964 in einem Dresdner Entbindungsheim geboren - zusammen mit Birgit und Anke. 

Die Drillingsmädchen kamen zur Versorgung in die Uniklinik. Nach sieben Tagen teilten Ärzte mit, Anke sei wegen Atemproblemen gestorben. 

"Sie überredeten meinen Vater, die Leiche der Wissenschaft zu überlassen“, sagt Kerstin. 

Die Drillingsmädchen Kerstin (l.) und Birgit 1964. Es fehlt Anke, die nach 
der Geburt angeblich gestorben ist.
Die Drillingsmädchen Kerstin (l.) und Birgit 1964. Es fehlt Anke, die nach der Geburt angeblich gestorben ist.

Die Familie bekam das angeblich tote Kind nie zu Gesicht. Da es aber eine Sterbeurkunde gab, wurde keiner misstrauisch. Die Jahrzehnte vergingen.

Doch dann meldeten sich wiederholt Bekannte. "Sie sagten, sie hätten mich in Dresden gesehen. Und ich hätte sie nicht gegrüßt“, sagt Kerstin. "Aber ich war das nicht.“ 

War es ihr Ebenbild, ihre eineiige Zwillingsschwester? 2004 wieder eine Sichtung: Diesmal radelte die Frau die Bodenbacher Straße entlang.

"Wochenlang kam ich an die Stelle. Aber sie sah ich nicht mehr.“ Kerstin forschte nun nach, besuchte Ämter, sichtete Dokumente. 

Sie fand Unstimmigkeiten. So gab es etwa keinen Obduktionsbericht.

"Wer hat mein Ebenbild gesehen?“ Kerstin Heinze (51) sucht ihre eineiige 
Zwillingsschwester.
"Wer hat mein Ebenbild gesehen?“ Kerstin Heinze (51) sucht ihre eineiige Zwillingsschwester.  © Steffen Füssel

Im April letzten Jahres wurde aus ihrem Zweifel Gewissheit. Kerstin fuhr im Auto über den Strehlener Platz, bemerkte eine Radlerin. 

"Ich sah mein eigenes Gesicht. Sie war es!“ Kerstin wendete, fuhr zurück. Doch die Radlerin war bereits weg ...

"Meine Schwester wurde uns geraubt. Sie kennt ihre wahre Identität nicht“, ist Kerstin überzeugt. 

Nachweislich wurden in der DDR tausende Kinder gegen den Willen ihrer Eltern zwangsadoptiert. In einigen Fällen sogar heimlich.

Kerstin: "Wer weiß, wo meine Schwester ist? Ich würde sie so gerne kennen lernen ...“

Kerstin mit elf Jahren. Wie ihre Schwestern trug sie damals noch den 
Nachnamen „Gütig“.
Kerstin mit elf Jahren. Wie ihre Schwestern trug sie damals noch den Nachnamen „Gütig“.

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