Angst vor 5G-Technik: Alles nur Mythen oder droht die mobile Krebs-Welle?

München - Neue Technik, neue Ängste. Das war schon immer so. Auch die 5G-Technik sorgt für Bedenken bei den Bürgern und Mythen im Internet - und das soll sich bald ändern.

Die 5. Mobilfunkgeneration soll durch gezielte Strahlung die Gesamtbelastung reduzieren - in der Theorie kling das logisch, doch erforscht ist kaum etwas. (Symbolbild)
Die 5. Mobilfunkgeneration soll durch gezielte Strahlung die Gesamtbelastung reduzieren - in der Theorie kling das logisch, doch erforscht ist kaum etwas. (Symbolbild)  © Federico Gambarini/dpa

Politik und Wirtschaft drohen einem großen Fehler entgegenzulaufen, was die bevorstehende 5G-Technik betrifft.

Davon ist der Bürgerbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Klaus Holetschek, überzeugt: "In all der Euphorie über die Umsetzung der Technologie machen sich die Bürgerinnen und Bürger Bayerns allerdings auch Sorgen über die gesundheitlichen Auswirkungen", so Holetschek am Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Vor allem müssen die Bürger umfassend aufgeklärt werden, was es mit der zukunftsträchtigen Technik auf sich hat. Naturgemäß fürchtet man das Unbekannte. So war es auch beim 3G-Netz, bei 4G und nun auch bei der 5. Mobilfunkgeneration (5G).

Doch was genau bedeutet aber das neue Mobilfunknetz - und warum ist es so besonders? Und warum nennen es Kritiker "Mikrowellenwaffe" und schlagen in Internetforen Alarm?

Die Einführung von 5G gilt als Voraussetzung für wichtige Zukunftstechnologien wie Telemedizin oder Fernsteuerung der Industrie. Enorme Geschwindigkeiten in der Datenübertragung sind mit diesem vermutlich baldigen Mobilfunkstandard möglich - ohne Ausfälle, ohne Ruckeln. Doch diese Möglichkeiten stoßen nicht nur auf Begeisterung.

Die Angst macht sich breit. Enorm krebsfördernd soll die neue Technik beispielsweise sein. Dabei ist die Verwendung von Mobiltelefonen bereits vor acht Jahren als "möglicherweise krebserregend" eingestuft worden, wie Deutschlandfunk die Krebsforschungs-Agentur der Weltgesundheits-Organisation zitiert.

Netz-Mythen schüren Verunsicherung und Ängste - zu recht?

Die Bundesnetzagentur zeigt sich ambitioniert, was 5G betrifft. Von allen Bundesautobahnen und Schienenstrecken aus soll - neben den besiedelten Gegenden - flächendeckend Zugriff auf die Technik gewährleistet sein. Was bedeutet das für unsere Gesundheit? Die (vorerst) gute Nachricht: Es gibt etliche Studien, die keine belastbaren Hinweise durch das Handynetz nachweisen konnten.

Dabei handelt es sich um zahlreiche Studien, die auf seriösem Wissenschaftsjournalismus basieren. Natürlich können Studien fehlerhaft sein oder Schwächen haben. Aber im Kern sind sich diese - trotz unterschiedlicher Ansätze - einig. Problem jedoch: es gibt keine Kontrollgruppe, die sich in den letzten Jahrzehnten frei von elektromagnetischer Strahlung bewegt hat.

Elektromagnetische Strahlen übertragen Energie. Trifft die Strahlung auf den menschlichen Körper, wird die Energie von den Zellen aufgenommen. Große Energiemengen, man sie bei 5G erwartet, können Atome und Moleküle verändern. Diese hohe Strahlung (auch: ionisierte Strahlung) kann etwa die Moleküle menschlicher DNS aufbrechen und dadurch Gesundheitsprobleme schaffen, beispielsweise Krebs.

Dennoch geht man davon aus, dass die Strahlenbelastung und die damit verbundene Angst vor Erkrankungen durch die neue Technik verringert wird. Während im LTE-Netz, dem aktuellen Standard, die Strahlung bei schwachen Signalen enorm verstärkt und in alle Richtungen gestreut wird, kann die 5G-Technik sehr punktgenau eingesetzt werden. Somit streut die Energie nicht wahllos im 360-Grand-Radius, sondern wird gezielt gesendet. Ob dadurch die Strahlung in der Masse zunimmt, ist unklar.

„Man kann nicht sagen, mehr oder weniger. Die Frage ist ein bisschen komplexer. Es wird anders sein.“, zitiert ein Beitrag von Deutschlandfunk die Leiterin des Bundesamts für Strahlenschutz, Inge Paulini.

Der Bürgerbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Klaus Holetschek nimmt sowohl Politik als auch Wirtschaft in die Pflicht, den Bürgern endlich Antworten zu liefern. Übrigens: Laut EU-Vertrag sind die Bürger vor derartigen Gefahren zu schützen. Daher sollten Politiker ein besonderes Interesse an Aufklärung zeigen - nicht, dass es eine Wiederholung der Maut-Pleite geben wird.

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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