"7500" mit reißerischem Horrorszenario: Brutale Terroristen entführen Flugzeug!

Deutschland - Dieser Film sorgt definitiv für Zündstoff! "7500" überzeugt zu Beginn als spannender, durchdachter Flugzeugentführungsthriller. Dann jedoch stürzt das Niveau grandios ab.

Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) wird von Terroristen überrascht, die das Cockpit stürmen.
Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) wird von Terroristen überrascht, die das Cockpit stürmen.  © PR/Universum Film GmbH

Das Werk von Regisseur Patrick Vollrath läuft ab dem 26. Dezember in den deutschen Kinos und startet mit alltäglichen Szenen auf einem Berliner Flughafen. Ohne Ton werden Überwachungsvideos gezeigt. Sicherheitspersonal kontrolliert die Passagiere.

Dann folgt die Kamera dem US-Amerikaner Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt), der als Co-Pilot an Bord einer A-319 geht. Seine Freundin Gökce (Aylin Tezel), mit der er einen zweijährigen Sohn hat, ist als Stewardess ebenfalls dabei.

Pilot Michael Lutzmann (Carlo Kitzlinger) und Tobias unterhalten sich gut, denn es geht ohne Turbulenzen los - bis zwei bewaffnete Männer das Cockpit stürmen!

Es kommt zum erbitterten Kampf, bei dem die Piloten zwar als Sieger hervorgehen, aber verletzt werden.

Das Problem: Es sind noch mehr Terroristen an Bord. Sie verlangen Einlass in die Kabine, denn sie wollen die Kontrolle über das Flugzeug erlangen.

Die dürfen Tobias und Michael ihnen jedoch auf gar keinen Fall gewähren, weil es sonst zu einer Katastrophe kommen könnte! Doch gerade Ellis wird auf eine extrem harte Probe gestellt, als der brutale Daniel (Paul Wollin) Gökce als Geisel nimmt und droht, ihr die Kehle durchzuschneiden, wenn Tobias ihn nicht hereinlässt...

7500 polarisiert! Spannend, aber mit der völlig falschen Botschaft in politisch unruhigen Zeiten

Stewardess Gökce (Aylin Tezel) ist die Freundin von Tobias. Sie haben einen gemeinsamen Sohn und wohnen in Berlin-Kreuzberg.
Stewardess Gökce (Aylin Tezel) ist die Freundin von Tobias. Sie haben einen gemeinsamen Sohn und wohnen in Berlin-Kreuzberg.  © PR/Universum Film GmbH

Diese Geschichte hat "Oscar"-Nominee Vollrath (Kurzfilm "Alles wird gut") bei seinem Langspielfilmdebüt äußerst durchwachsen umgesetzt.

Zwar ist sein Thriller lange Zeit spannend, vermittelt aber ungefiltert gefährliche Botschaften und driftet durch einen fragwürdigen Twist in politisch unruhigen Zeiten in die völlig falsche Richtung ab.

Er befeuert die populistische Stimmungsmache aufs Schärfste. War es anfangs bei der Berliner Pressevorführung im Filmkunst 66 gewohnt still und konzentriert, wandelte sich das mit zunehmendem Verlauf. Es wurde immer unruhiger, dazu war immer öfter ungläubiges Gelächter zu hören, weil "7500" unfreiwillig komische Momente heraufbeschwor.

Viele dachten sich außerdem: Das ist jetzt nicht der Ernst der Macher, oder?! Leider doch! Fassungslosigkeit machte sich breit.

Der häufigste Kommentar werter Kollegen direkt nach Beginn des Abspanns war: "Typisch deutscher Film!" Diese Aussage fasst das Problem dieses Kammerspiels mit kräftigem dramatischen Einschlag treffend zusammen.

Denn gerade deutsche Filme dieses Genres haben häufig erkennbar Potenzial, verschenken dieses dann aber oft - allerdings selten auf so offensichtliche Weise, wie hier!

"7500" trieft so vor Klischees über, dass selbst Joseph Gordon-Levitt den Film nicht retten kann

Vedat (Omid Memar) ist einer der Terrroristen. Die Figur trieft vor Klischees über.
Vedat (Omid Memar) ist einer der Terrroristen. Die Figur trieft vor Klischees über.  © PR/Universum Film GmbH

Zum Glück gab es in diesem Jahr auch viele gute deutsche Kinofilme, sodass dieser hier zu den großen Enttäuschungen zählt und sinnbildlich dafür steht, warum das Klischee des schlechten deutschen Filmes leider weiter Bestand haben wird.

Das liegt auch an den schwachen schauspielerischen Leistungen. Warum sich Gordon-Levitt hierfür hergeben hat, ist aus europäischer Sicht nicht zu erklären.

Erst, wenn man es aus US-Sicht betrachtet, kann man zumindest nachvollziehen, warum er sich bereit erklärt hat, dieses unterklassige Werk zu drehen und als Zugpferd zu fungieren. Zumindest kann er in seiner Rolle überzeugen.

Die anderen Darsteller kommen dagegen allesamt nicht an ihn heran, weil ihre Figuren viel zu wenig Spielraum und Substanz haben.

Lediglich Omid Memar hat eine größere Rolle, zeigt aber eine schlechte Leistung.

Man versteht zwar, warum er die Rolle so anlegt. Er bedient sich dabei jedoch extrem einfacher und wirkungsloser Mittel, weshalb er in seinem aufgeregten Part nicht authentisch wirkt. Dazu nerven seine ständigen Ausraster, die irgendwo verständlich sind, aber dennoch extrem anstrengen.

"7500" mangelt es in beinahe jeder Kategorie an Qualität

Gökce (Aylin Tezel) wird von Terrorist Daniel (r., Paul Wollin) als Geisel genommen.
Gökce (Aylin Tezel) wird von Terrorist Daniel (r., Paul Wollin) als Geisel genommen.  © PR/Universum Film GmbH

Das seine Performance von den Machern so durchgewunken wurde, ist unverständlich. Deshalb ist Memar daran auch nicht der alleinige Schuldige.

Es ist viel mehr ein Zusammenspiel vieler schlechter Entscheidungen und mangelnder Qualität auf allen Ebenen.

Seine an Lächerlichkeit nicht zu überbietende Rolle, das oberflächliche, mitunter gar hanebüchene Drehbuch, die ausdrucksschwachen Dialoge und dem abstrusen Schnitt fehlt es vorne und hinten an Format und Feinschliff.

Durch diese großen Schwächen fehlt es dann auch Memars Figur an Substanz, Klasse und Glaubwürdigkeit.

Das Schlimme an der Sache: Er ist von allen Terroristen noch am "tiefschürfendsten" dargestellt! Die anderen sind wandelnde, schablonenhafte Klischees ohne jeglichen Hintergrund, wenn man so will: blutrünstige Monster! Welch erschreckender "Einfall" in der heutigen Zeit!

Auch der Erklärungsansatz für ihr Vorgehen trieft vor Stereotypen nur so über und zieht das Niveau noch weiter nach unten. Selten war ein Film zu Beginn so interessant und am Ende so schlecht, wie "7500", um den man deshalb einen weiten Bogen machen sollte.

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