Letzter Auschwitz-Häftling sagt gegen SS-Mann aus

Justin Sonder (90, M.) berichtet vor Journalisten aus dem grausamen KZ-Alltag.
Justin Sonder (90, M.) berichtet vor Journalisten aus dem grausamen KZ-Alltag.

Von Ronny Licht

Chemnitz/Detmold - Wenn Justin Sonder (90) am Freitag vorm Landgericht in Detmold (NRW) in den Zeugenstand gerufen wird, tauchen die mehr als 71 Jahre alten, schrecklichen Erinnerungen wieder auf: Der letzte überlebende Chemnitzer Auschwitz-Häftling sagt gegen einen ehemaligen SS-Mann aus.

Reinhold H. (94) ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Der Mann soll mitschuldig sein am Tod von mindestens 170.000 ungarischen Juden, die im KZ Auschwitz in den Tod geschickt wurden.

Der Angeklagte war von 1942 bis 1944 als Mitglied des SS-Totenkopfbanns eingesetzt, fungierte hauptsächlich als Wachmann. Er stritt am Donnerstag zum Prozess-Auftakt jede Beteiligung an der Ermordung der Häftlinge ab.

Justin Sonder ist einer von etwa 1200 KZ-Insassen, die vor 71 Jahren befreit wurden. Seit Jahren berichtet der Chemnitzer, der zu DDR-Zeiten bei der Kriminalpolizei arbeitete, in Gesprächsrunden von seinen Erlebnissen.

Dem „ARD-Morgenmagazin“ gab er am Donnerstag ein Interview zum aktuellen Prozess: „Es geht nicht um Haftstrafen, es geht um Gerechtigkeit. Seine Schuld soll festgestellt werden.“

An die Zeit im KZ hat er furchtbare Erinnerungen: „Der eine hat geschlagen, der andere hat getreten. Einer hat die Mütze weggeschlagen, und wenn man sie zurückholen wollte, wurde geschossen.“

Seit vielen Jahren engagiert sich Sonder als Gesprächspartner und Zeitzeuge, besucht Schulen, hält Vorträge. Im Prozess ist er als Nebenkläger dabei, gemeinsam mit weiteren noch lebenden Leidensgenossen.

Für die Verhandlung sind zehn weitere Termine angesetzt.

Jedes Jahr legt Justin Sonder Blumen zum Gedenken an die Opfer der Nazi-Zeit nieder.
Jedes Jahr legt Justin Sonder Blumen zum Gedenken an die Opfer der Nazi-Zeit nieder.

Fotos: Christoph Heyden, dpa


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