Pausiert die BRN im nächsten Jahr?

Die BRN-Macher Ula Wacker und Magnus Hecht.
Die BRN-Macher Ula Wacker und Magnus Hecht.

Von Hermann Tydecks

Dresden - Auch wenn das Mega-Fest in der Dresdner Neustadt aus allen Nähten zu platzen droht, könnte es im nächsten Jahr sehr still um die BRN werden.

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Die Entwicklung des einst alternativen Straßenfestes hin zum massentauglichen Volksfest inklusive Bierwagenmeile sehen viele Neustädter kritisch. Einheimische, die das Fest früher mit eigenen Attraktionen bereicherten, packen mittlerweile ihre Koffer und entfliehen dem Trubel.

Und auch bei den aktiven BRN-Gestaltern grummelt es: „Unter den Neustädtern wird die Idee diskutiert, die BRN im nächsten Jahr zu pausieren oder sich nicht mehr zu beteiligen“, sagt ein Szene-Kenner. Hinter vorgehaltener Hand ist von einem „Sabbatjahr“ die Rede.

„Wir müssen über die Zukunft der BRN reden“, sagt Ulla Wacker. „Was das nächste Jahr bringt, wissen wir nicht.“

Der Kommentar

Quo vadis, BRN? von Hermann Tydecks

Wohin gehst Du, Bunte Republik Neustadt? Was 1990 als alternatives Fest der Neustadt-Bewohner begann, hat sich längst zum bunten Festival der Massen entwickelt. Früher feierten die Neustädter ihre Republik unter sich. Heute reisen Feiernde aus der ganzen Republik an.

Das ursprüngliche Flair, der Elan der Anwohner, ein buntes Fest mit eigenen kulturellen Attraktionen zu gestalten, lässt sich nur noch schwer entdecken - zumindest am Abend. Dann strömen unzählige Massen dicht an dicht gedrängt durch die engen Gassen. Einfache Wege zur nächsten Bühne dauern ewig, Gruppen verlieren sich schnell im Getümmel - oft auf Nimmerwiedersehen, da auch Mobilfunknetze den Ansturm der Massen nicht mehr bewältigen.

Klar gibt es sie noch, die Anwohner, die Kuchen backen, Brötchen schmieren, die Leckereien dann von ihren bunt bemalten Kindern für’n Appel und ’n Ei unter die Republik-Besucher bringen. Doch diese Urgesteine, die den eigentlichen BRN-Geist bewahren, gehen eben zwischen Bierwagen auf der Bratwurstmeile unter.

Man mag diese Entwicklung bedauern. Vorwerfen kann man sie niemandem, beruht sie doch auf der eigentlichen Beliebtheit der Riesenparty. Ändern muss sich jedoch etwas! Mehr Platz zu schaffen, kann nur ein Lösungsansatz sein. Zugebaute Ruheoasen sind nur schwer zu kompensieren.

Ich glaube, die BRN muss sich „gesund“ schrumpfen. Ob mit „Sabbatjahr“ oder ohne. Händler etwa, die den großen Reibach suchen, sollten keine Standplätze mehr bekommen. Solche Ideen zu sammeln und umzusetzen wird jetzt die größte Mission der engagierten Macher der Schwafelrunde werden.

Fotos: Thomas Türpe, dpa


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