Einsturzgefahr: Mitarbeiter müssen Rathaus räumen

Verwaiste Flure im Rathaus: Der unsanierte Teil der vierten Etage muss freigezogen werden.
Verwaiste Flure im Rathaus: Der unsanierte Teil der vierten Etage muss freigezogen werden.

Von Dirk Hein

Dresden - Die unglaubliche Sanierung des Dresdner Rathauses ist um ein Kapitel reicher. Wegen offensichtlicher Brandschutzmängel muss der komplette noch nicht sanierte Teil der vierten Etage, geräumt werden.

De facto wird damit ein Fünftel des Rathauses unbenutzbar.

„Das Obergeschoss im Rathaus entspricht beim Brandschutz in der Dachkonstruktion nicht mehr den aktuellen gesetzlichen Erfordernissen“, musste der für die Rathaussanierung zuständige Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU) einräumen. Unglaublich: Einige der Uralt-Decken sind tatsächlich aus Stroh und Putz!

Dass Probleme mit dem Brandschutz bestehen, war seit langem klar. Aber erst aufgrund aktueller Untersuchungen wurde deutlich, wie gefährdet die Mitarbeiter dort tatsächlich sind.

Hat schon wieder Ärger mit der Rathaus-Sanierung: Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU).
Hat schon wieder Ärger mit der Rathaus-Sanierung: Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (52, CDU).

Konkret besteht laut MOPO24-Information bei einem Brand im Dachgeschoss die Gefahr, dass der Boden zur 4. Etage nachgibt und einstürzt.

„Der Auszug muss in Abstimmung mit der Bauaufsicht zügig erfolgen. Es wird aber nicht ,Hals über Kopf‘ gehen“, sagt Finanzbürgermeister Vorjohann. So soll der Stadtrat entscheiden, wer wann und wohin auszieht und was das kosten soll.

In der 4. Rathaus-Etage sind das Steuer- und Stadtkassenamt, die Kämmerei und kleinere Teile des Sozialamtes untergebracht. Laut Vorjohann muss ein Amt komplett aus dem Rathaus ausziehen, der Rest soll intern umquartiert werden. Betroffen sind weit über hundert Mitarbeiter

Bis dahin müssen sich die Mitarbeiter selber helfen: Aktuell sollen im Notfall ausgewählte Evakuierungshelfer einschreiten, eine Alarmkette bilden. Im Übungsszenario klappte das bislang.

Was der so nicht geplante Not-Umzug kostet und wann er konkret startet, wird derzeit unter Hochdruck errechnet und geplant.

Die Sorgenbaustelle Rathaus

Aufregung im Rathaus: Der unsanierte Teil der obersten Etage muss aus Brandschutzgründen geräumt.
Aufregung im Rathaus: Der unsanierte Teil der obersten Etage muss aus Brandschutzgründen geräumt.

Durchgebogene Decken, Löcher in den Wänden, ein mit Blei verseuchtes Dach, gefeuerte Planer sowie Handwerker-Pfusch: Die Kompletsanierung des Dresdner Rathauses am Dr.-Külz-Ring hinkt seit Anfang an gewaltig.

Auch die Sanierungskosten explodierten. Waren für den ersten Bauabschnitt 26,5 Millionen geplant, wurden es schlussendlich 37 Millionen Euro. Doch damit ist erst ein Drittel des Gesamtkomplexes saniert.

Für den kompletten Rest werden bis zu 100 Millionen Euro fällig. Wann die Arbeiten dafür starten können, ist noch unklar. OB Dirk Hilbert (44, FDP) muss ein Konzept dafür bis September vorlegen.

Fotos: Holm Helis (3)


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