Plötzlich gibt es auf dem Land ein riesen Problem mit Rezepten!

Die Hirschfelder Apothekerin Katrin Prechel darf viele Standard-Medikamente ohne ärztliches Rezept nicht verkaufen.
Die Hirschfelder Apothekerin Katrin Prechel darf viele Standard-Medikamente ohne ärztliches Rezept nicht verkaufen.

Zittau - Dramatische Szenen in den Apotheken nördlich von Zittau: Weil der Ärztemangel derzeit voll zuschlägt, herrscht für hunderte Patienten der Rezeptnotstand. Besonders Ältere mit chronischen Krankheiten (Blutdruck, Diabetes, Schmerzen) haben kaum eine Chance, ihre dringend benötigten Medikamente zu erhalten.

Ein altes Mütterchen fährt mit dem Taxi an der Apotheke in Hirschfelde vor.

Sie legt eine leere Packung auf den Tresen und will neue Tabletten. Doch Apothekerin Katrin Prechel muss den Kopf schütteln: „Das Medikament darf ich Ihnen ohne ärztliches Rezept nicht aushändigen.“

In diesen Situationen fließen nicht selten Tränen der Verzweiflung. Katrin Prechel: „Jeden Tag kommen 20 bis 30 solcher Patienten hierher. Und es werden immer mehr, denen ich nicht helfen darf.“

Für die Patienten bleibt nur - genauso aussichtslos - die nächste Apotheke.

Junge Doktoren, die nach der Untersuchung ein Rezept ausstellen, finden sich nicht. Der Ärztemangel schlägt voll durch.
Junge Doktoren, die nach der Untersuchung ein Rezept ausstellen, finden sich nicht. Der Ärztemangel schlägt voll durch.

Am 1. Juli schloss der Wittgensdorfer Hausarzt altersbedingt seine Praxis.

Seither sind etwa 1000 Patienten auf der Suche nach einem neuen Doktor.

Meist werden sie abgewiesen, die Ärzte sind bereits mit den eigenen Kranken an der Überlastungsgrenze. Und neue Patienten belasten zusätzlich das ohnehin ausgereizte Arzneimittelbudget.

In dieser Woche trafen sich die verbliebenen Landärzte zu einem Krisengespräch und einigten sich auf eine humane Zwischenlösung.

Dr. Gottfried Hanzl aus Oderwitz: „Wir werden für die auf der Chipkarte eingetragenen Medikamente erst einmal die Rezepte ausschreiben. Das darf aber keine Dauereinrichtung werden.“

In der Apotheke in Hirschfelde melden sich täglich bis zu 30 Patienten, die ohne Rezept wieder abgewiesen werden müssen.
In der Apotheke in Hirschfelde melden sich täglich bis zu 30 Patienten, die ohne Rezept wieder abgewiesen werden müssen.

Denn die Ärzte wissen, dass sie rechtlich ins Risiko gehen und sich angreifbar machen.

Sie dürfen eigentlich keine Medikamente verschreiben, wenn sie den Patienten und seine Krankengeschichte nicht kennen.

Hanzl: „Wer uns das vorhält, soll herkommen und sich das anschauen - wir tun es für die Menschen!“

Trotz langer Suche und einem Investitionszuschuss von 60.000 Euro hat sich bisher kein junger Arzt gefunden, der sich in der Region niederlassen will ...

Auch im Vogtland wird es knapp

Für Reichenbach im Vogtland hat die Kassenärztliche Vereinigung jetzt erstmals offiziell eine prekäre Versorgung zugestanden.
Für Reichenbach im Vogtland hat die Kassenärztliche Vereinigung jetzt erstmals offiziell eine prekäre Versorgung zugestanden.

Reichenbach/V. - Erstmals hat die Kassenärztliche Vereinigung (KVS) in Sachsen bei Hausärzten eine „Unterversorgung“ in einer Region zugestanden und schreibt jetzt aktiv eine Stelle in Reichenbach (Vogtland) aus.

Dort haben zwei Praxen aus Altersgründen geschlossen, ein weiterer Kollege verstarb völlig unerwartet. Der Versorgungsgrad liegt jetzt bei 72,8 Prozent. Für sachsenweit 78,5 Hausarztstellen bietet die KVS Förderung an, die meisten in Marienberg (8,5 Stellen), Mittweida, Zwickau (je 7,5) und Freiberg (6,5 Stellen).

Fotos: imago, xcitePress


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