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Sechs WICHTIGE ANTWORTEN ZUR SCHUPPENFLECHTE

Mit Schuppenflechte haben immer mehr Menschen in Deutschland zu kämpfen. Was Ihr dagegen tun könnt, wer davon betroffen ist und welche Therapien es gibt, erfahrt Ihr hier.
Typische Hautveränderungen bei einer Schuppenflechte sind silbrig-weiße, glänzende Schuppen auf einem entzündlich geröteten Untergrund.
Typische Hautveränderungen bei einer Schuppenflechte sind silbrig-weiße, glänzende Schuppen auf einem entzündlich geröteten Untergrund.

Gerötete Haut, silbrig-weiße Schuppen und Juckreiz – die Schuppenflechte oder Psoriasis, wie sie in der Fachsprache genannt wird, ist neben der Neurodermitis und dem Kontaktekzem eine der häufigsten chronischen Erkrankungen der Haut. Hier nun die Fakten rund um die Schuppenflechte.

Menschen mit Schuppenflechte werden oft wie Aussätzige angeschaut und behandelt. Was viele nicht wissen: Schuppenflechte ist eine durch das Immunsystem ausgelöste Hautkrankheit, die nichts mit mangelnder Hygiene zu tun hat und auch nicht ansteckend ist.

IST ES IMMER SCHUPPENFLECHTE, WENN DIE HAUT SCHUPPT?

Die Antwort ist ganz klar nein – trockene, schuppige Haut oder normale Kopfschuppen haben mit der Schuppenflechte nichts zu tun. Die Schuppenflechte, wie unter hautwende.de zu lesen, ist eine chronisch entzündliche, erblich veranlagte Erkrankung der Haut.

Sie verläuft chronisch oder in wiederkehrenden Schüben und kann durch äußere sowie innere Faktoren ausgelöst oder verstärkt werden. Hierbei können akute Phasen mit Zeiten ohne oder mit wenig Symptomen abwechseln. Welche Hautareale betroffen und wie stark die Symptome ausgeprägt sind, ist individuell sehr verschieden. Bei einem Teil der Betroffenen können aber auch die Nägel und die Gelenke betroffen sein. Sind die Gelenke betroffen, spricht man von der sogenannten Psoriasis-Arthritis. Bei schweren Verlaufsformen können sogar innere Organe und Stoffwechselprozesse in Mitleidenschaft gezogen sein.

Die Erkrankten leiden sehr unter den Hautveränderungen, besonders, wenn Kopfhaut, Gesicht und Hände betroffen sind, die jedermann sehen kann. Aber auch an anderen Körperstellen ist die Psoriasis eine große Belastung für die Betroffenen – viele Erkrankte gehen nicht mehr ins Schwimmbad, und wollen keine T-Shirts oder Tops mehr anziehen, aus Angst davor, von den Mitmenschen ständig angestarrt zu werden. Auch für Partnerschaft und Sexualität stellen die Schuppenflechte-Symptome eine Herausforderung dar. Das macht Stress, der die Symptome wiederum verschlechtern kann.

Wie groß ist das Risiko an Schuppenflechte zu erkranken?

Schuppenflechte kann auch an den Handinnenflächen auftreten.
Schuppenflechte kann auch an den Handinnenflächen auftreten.

Weltweit sind über 125 Millionen Menschen an Schuppenflechte erkrankt, in Deutschland sind es etwa zwei Millionen Menschen. Sie tritt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig auf und kann prinzipiell in jedem Alter in Erscheinung treten.

Bei der Hälfte der Betroffenen beginnt die Psoriasis zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr. Tritt die Schuppenflechte zum ersten Mal vor dem 40. Lebensjahr auf, spricht man von Typ1-Psoriasis. Kinder erkranken vergleichsweise selten an Schuppenflechte. Typ2-Psoriasis, auch Spättyp genannt, tritt zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr auf.

Woran erkennt man eine Schuppenflechte?

Die Schuppenfläche kann an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten.
Die Schuppenfläche kann an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten.

Typische Hautveränderungen bei einer Schuppenflechte sind silbrig-weiße, glänzende Schuppen auf einem entzündlich geröteten Untergrund. Die Zellen der Haut teilen sich an den betroffenen Stellen deutlich schneller als normal: Benötigen die Hautzellen eigentlich 30 Tage, um von der untersten bis zur obersten Schicht der Oberhaut zu wandern, brauchen die Zellen in den betroffenen Arealen nur etwa drei Tage für ihre Reise an die Oberfläche. So entstehen die schuppigen Plaques. Hinzu kommt eine lokale Entzündungsreaktion in der Haut, bei der sich die Blutgefäße weiten und durchlässiger werden. Diese Veränderungen werden durch das körpereigene Immunsystem angeschoben, weshalb die Schuppenflechte auch zu den Autoimmunkrankheiten gezählt wird. Ganz neue Untersuchungsergebnisse der Universität München zeigen, dass vor allem die pigmentbildenden Zellen in der Haut (Melanozyten) zum Angriffsziel des Immunsystems werden.

Die entzündlichen Hautareale sind scharf begrenzt und treten bevorzugt an den Ellbogen (Streckseiten der Arme), den Knien und Schienbeinen, der behaarten Kopfhaut. Die Neurodermitis hingegen tritt eher an den Beugeseiten von Armen und Beinen auf, also in den Armbeugen und den Kniekehlen. So lassen sich Schuppenflechte und Neurodermitis oft schon aufgrund der Lokalisation unterscheiden. Die Schuppenflechte kann aber auch das Gesicht, die Hände, die Fußsohlen, den Rücken und den Genitalbereich befallen.

Bei der gewöhnlichen Schuppenflechte, die in der Fachsprache Psoriasis vulgaris heißt, lassen sich die schuppigen Plaques mit dem Fingernagel abheben. Die Schuppen lösen sich wie Wachs, das man von einer Kerze kratzt. Unter den Schuppen wird ein dünnes glänzendes Häutchen sichtbar. Wenn man nun auch noch dieses letzte Häutchen entfernt, kommt es zu kleinen punktförmigen Einblutungen in die Haut. Dieses Phänomen nennt man auch Ausspitz-Phänomen – es ist ein typisches Merkmal der Schuppenflechte. Manchmal ist es aber auch nicht ganz so einfach, die Schuppenflechte zu erkennen, weil die Hautveränderungen eher an ein Ekzem oder eine Pilzinfektion erinnern.

Gibt es besondere Formen der Flechte?

Die gewöhnliche Schuppenflechte ist mit 60 bis 70 Prozent der Fälle die häufigste Form der Psoriasis. Es gibt aber auch andere Formen der Schuppenflechte, die weitaus seltener auftreten. Bei der Psoriasis guttata (tröpfchenförmige Schuppenflechte) treten an verschiedenen Körperstellen kleine tröpfchenförmige Flecken von bis zu einem Zentimeter Durchmesser auf, und die Schuppenbildung ist geringer als bei der Psoriasis vulgaris. Diese Form der Schuppenflechte wird häufig durch Streptokokken-Infekte oder Scharlach ausgelöst und kommt besonders bei jüngeren Menschen vor.

Bei der Psoriasis pustulosa entstehen Bläschen und Pusteln, die mit Sekret gefüllt sind. Der Inhalt der Bläschen ist nicht ansteckend. Es werden zwei Arten unterschieden: Bei der einen sind vor allem die Handteller und die Fußsohlen betroffen, bei der anderen gehen Schüttelfrost und Fieber der Bläschenbildung voran. Anschließend entstehen die Bläschen am ganzen Körper, wobei auch die Schleimhäute und der Genitalbereich betroffen sein können. Bleibt die Bläschenbildung auf die Handteller und Fußsohlen beschränkt, nennt man diese Form auch Psoriasis pustulosa palmoplantaris.

Die schwerste Verlaufsform der Schuppenflechte ist die Erythrodermie, bei der die gesamte Haut gerötet und verdickt ist. Zu diesem Krankheitsbild gehören auch Juckreiz, Fieber und starke Kälteempfindlichkeit. Kommt es zu dieser schweren Form der Schuppenflechte, ist eine Behandlung der Entzündungsreaktion im Krankenhaus notwendig.

Ist nur die Haut betroffen?

Da die Schuppenflechte eine Erkrankung des Immunsystems ist, kann sie auch an anderer Stelle auftreten und ist nicht allein auf die Haut beschränkt. So kann es zum Beispiel laut der Online-Enzyklopädie der Dermatologie zu einer Nagel-Psoriasis kommen, bei der sich die Finger- und Fußnägel verändern. Es kann zu kleinen Vertiefungen, Flecken oder brüchigen, krümeligen Nägeln kommen. Diese Form der Schuppenflechte ist sehr schwer zu behandeln und kann zum vollständigen Verlust der Nägel führen.

Eine weitere Form der Schuppenflechte, die nicht allein die Haut betrifft, ist die Psoriasis-Arthritis, die zum rheumatischen Formenkreis gerechnet wird. Etwa jeder fünfte Schuppenflechte-Patient erkrankt an dieser Sonderform der Schuppenflechte, bei der sich Gelenke, Sehnen und Bänder entzünden und zu schmerzhaften Beschwerden und Bewegungseinschränkungen führen. Diese Form der Schuppenflechte schreitet, ist sie erst einmal aufgetreten, schnell voran und kann zu einer Deformation oder Zerstörung der Gelenke führen. Aus diesem Grund sollte man bei den ersten Anzeichen einer Psoriasis-Arthritis laut dem Deutscher Psoriasis Bund e.V. umgehend einen Rheumatologen hinzuziehen, um von Anfang an die richtige Behandlung zu erhalten.

Weiterhin können beispielsweise Augen oder Nieren durch Schuppenflechte geschädigt werden. Eine Studie, unter aerzteblatt.de beschrieben, aus dem Jahr 2013 konnte zeigen, dass Patienten mit Schuppenflechte ein höheres Risiko haben, an einer Einschränkung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) zu erkranken. Dieses Risiko scheint sich mit zunehmendem Alter weiter zu erhöhen. Auch für das Herz-Kreislauf-System stellt die Schuppenflechte einen eigenständigen Risikofaktor dar. So scheinen besonders junge Patienten mit schwerer Schuppenflechte ein höheres Risiko für Herzinfarkte haben. Auch das Risiko für Herzrhythmusstörungen und Schlaganfälle scheint bei Patienten mit Psoriasis erhöht.

Was kann man gegen die Schuppenflechte tun?

Eine kombinierte Bäderbehandlung mit Salzwasser und Sonnenstrahlen, wie sie am Toten Meer durchgeführt wird, kann die Beschwerden lindern.
Eine kombinierte Bäderbehandlung mit Salzwasser und Sonnenstrahlen, wie sie am Toten Meer durchgeführt wird, kann die Beschwerden lindern.

Ist die Diagnose Schuppenflechte erst einmal gestellt, sollte man sich in die Behandlung eines erfahrenen Hautarztes begeben. Bisher ist eine Heilung der Schuppenflechte nicht möglich, wenngleich die Forschung auf Hochtouren läuft. Aus diesem Grund ist das Ziel der Behandlung eine Linderung der Beschwerden und das Abheilen der Symptome. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen verschiedenste Behandlungsansätze zur Verfügung:

Äußerliche Behandlung der Schuppenflechte

Die Behandlung von außen mit Cremes, Lotionen und Shampoos setzt vor allem auf eine Linderung des Juckreizes, das Ablösen der Schuppen und eine Hemmung der Entzündungsreaktionen. Hier werden altbekannte Wirkstoffe wie Salizylsäure oder Milchsäure eingesetzt. Bei hartnäckigen Plaques kann es notwendig sein, die Präparate mit einem Verband oder einer Folie abzudecken und diese über längere Zeit einwirken zu lassen. Andere Wirkstoffe wirken eher entzündungshemmend und versuchen, die lokalen Entzündungen einzudämmen. Kurzzeitig kann auch Kortisonsalbe eingesetzt werden – zur Langzeittherapie bei Schuppenflechte ist Kortison allerdings nicht geeignet.

Innerliche Behandlung bei schweren Formen

Da die äußerliche Behandlung bei mittelschweren und schweren Formen der Schuppenflechte nicht ausreichend hilft, werden in solchen Fällen zusätzlich Medikamente eingesetzt, die eingenommen oder gespritzt werden. Diese Form der Schuppenflechte-Behandlung wird auch systemische Therapie genannt. Bei der systemischen Therapie kommen beispielsweise Vitamin A-Abkömmlinge oder Immunsuppressiva wie Methotrexat (MTX) oder Ciclosporin zum Einsatz. Diese Wirkstoffe sind seit vielen Jahren bewährt und können oft eine deutliche Verbesserung der Symptome und somit eine Zunahme der Lebensqualität bewirken.

Gelegentlich wird die innerliche Behandlung mit einer Lichttherapie (UV-Licht) kombiniert, um die Wirksamkeit zu steigern. Sonne oder die Bestrahlung mit UV-Licht haben eine lange Tradition bei der Behandlung der Schuppenflechte. Diese sogenannte PUVA-Therapie ist in vielen Fällen sehr wirksam. Aber auch eine kombinierte Bäderbehandlung mit Salzwasser und Sonnenstrahlen, wie sie am Toten Meer durchgeführt wird, kann die Beschwerden lindern. Diese Photo-Sole-Behandlung wird auch in verschiedenen Spezialkliniken in Deutschland angeboten.

Seit einigen Jahren werden neue Wirkstoffe zur Beeinflussung des Immunsystems entwickelt. Sogenannte Biologika oder Biologicals sind in Zellkulturen hergestellte Proteine, die das körpereigene Immunsystem gezielt beeinflussen und so bestimmte Immunbotenstoffe hemmen. Diese Medikamente werden unter die Haut gespritzt oder als Infusion verabreicht und kommen bei mittelschweren und schweren Verlaufsformen der Schuppenflechte zum Einsatz, wenn die äußerliche und die klassische systemische Therapie keine ausreichende Besserung gebracht haben. Sie sind in der Lage, die Psoriasis-Symptome um 70 bis 90 Prozent zu reduzieren und den Betroffenen so ein normaleres Leben zu ermöglichen. Gleichzeitig treten bei der Behandlung mit Biologika weniger unerwünschte Nebenwirkungen (schreibt aerztezeitung.de) als bei der klassischen systemischen Therapie auf.

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