Wie gefährlich sind die Risse in belgischen Atomkraftwerken?

Berlin/Aachen – Die Angst vor den störanfälligen Atomkraftwerken in Belgien ist groß in NRW. Nun haben deutsche Experten die Reaktoren unter die Lupe nehmen können - und geben erstmal Entwarnung.
Die belgischen Atimmeiler Tihange 2 und Doel 3 stehen wegen Sicherheitsbedenken seit einiger Zeit in der Kritik (Archivbild).
Die belgischen Atimmeiler Tihange 2 und Doel 3 stehen wegen Sicherheitsbedenken seit einiger Zeit in der Kritik (Archivbild).  © DPA

Die belgischen Atommeiler Tihange 2 und Doel 3 machen seit Jahren wegen feiner Risse in den Druckbehältern der Reaktoren Negativ-Schlagzeilen - doch Experten sehen kein größeres Risiko.

Die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK), die die Bundesregierung berät, legte am Montag einen 19-seitigen Bericht zu den Meilern vor, die sich nahe an der deutschen Grenze befinden.

Darin heißt es, es sei "plausibel", dass die Risse bei der Herstellung entstanden seien, und es sei nicht erkennbar, dass die Risse durch den Betrieb der Reaktoren zugenommen hätten. Für den Fall von erhöhtem Innendruck gebe es "ausreichende Reserven" gegen einen Kollaps.

Zuerst hatte darüber die Aachener Zeitung berichtet. Die Kommission sei davon überzeugt, dass eine Analyse 2017 alle "für die Bewertung relevanten Risse gefunden wurden", sagte RSK-Leiter Rudolf Wieland der Zeitung.

Demnach widersprach er dem Verdacht, dass es noch "relevante, versteckte Risse" geben könnte. In der Stellungnahme fordert die Kommission noch, Berechnungsmethoden experimentell abzusichern.

2016 hatte die ehemalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Belgien gebeten, die Meiler bis zur Klärung von Sicherheitsfragen stillzulegen. Auch ihre Nachfolgerin Svenja Schulze (SPD), die wie Hendricks aus Nordrhein-Westfalen kommt, hat bereits Sicherheitsbedenken in der Grenzregion angesprochen.

Ein Sprecher sagte am Montag, die Haltung des Ministeriums bleibe gleich: "Atomenergie trägt immer ein Restrisiko, insbesondere wenn es um alte Atomanlagen geht. Und hier sprechen wir über alte Atomanlagen."

Titelfoto: DPA


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