Grausame Details bei tödlicher Unfallflucht: Prozess überraschend ausgesetzt!

Aachen/NRW - Ein Autofahrer soll für einen angefahrenen Radfahrer keine Hilfe geholt haben, um den am Ende tödlichen Unfall zu vertuschen.

Aachen: Ein weißes Fahrrad erinnert am Ort eines Verkehrsunfalls an einen Toten.
Aachen: Ein weißes Fahrrad erinnert am Ort eines Verkehrsunfalls an einen Toten.  © Ralf Roeger/dpa

Jetzt muss sich der heute 35-jährige Autofahrer von Mittwoch an unter anderem wegen versuchten Mordes durch Unterlassen vor dem Aachener Landgericht verantworten.

Da nicht klar ist, ob Notärzte den 19-Jährigen hätten retten können, werte die Staatsanwaltschaft die Tat als versuchten Mord und nicht als Mord, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Ein 42-jähriger Bekannter, der dem Unfallfahrer bei der Flucht geholfen haben soll, ist der Beihilfe zum versuchten Mord angeklagt.

Die Ereignisse in jener Septembernacht 2019 machen in der Region noch immer sprach- und fassungslos.

Beide Männer sollen nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft kurz nach Mitternacht in Würselen unter Alkoholeinfluss in ihren Autos hintereinander über die Straße durch die Felder gefahren sein.

Update, Mittwoch, 11.43 Uhr: Prozess ausgesetzt

Der Prozess um Unfallflucht nach dem Zusammenstoß mit einem Radfahrer ist am Mittwoch vom Aachener Landgericht kurz nach Verlesung der Anklage überraschend ausgesetzt worden.

Die Richter gaben damit dem Antrag eines Verteidigers statt, der angab, nicht zu der Verhandlung geladen worden zu sein. Das Fax, mit dem der Anwalt der Staatsanwaltschaft mitgeteilt habe, dass er die Verteidigung eines 42 Jahre alten Angeklagten übernehme, sei offenbar innerhalb der Behörde nicht weitergeleitet worden, sagte der Staatsanwalt. Das habe eine Überprüfung des Fax-Protokolls ergeben.

Die Bestellung des Verteidigers sei deshalb nicht von der Staatsanwaltschaft ans Gericht weitergegeben worden, so dass der Anwalt keine Ladung erhielt. Der Prozess soll am 28. Februar neu beginnen.

Grausame Details der Unfallflucht

Das Justizzentrum in Aachen.
Das Justizzentrum in Aachen.  © Marius Becker/dpa

Der Angeklagte soll den 19-jährigen Radfahrer mit seinem Wagen voll erwischt haben, als der auf einem Radweg die Straße kreuzte.

Das Opfer wurde den Angaben nach bei dem Aufprall über die Windschutzscheibe zu Boden geschleudert.

Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass das Unfallauto nicht mehr fahrtüchtig war und die Polizei später Trümmerteile im Umkreis von 40 Metern fand. Der Unfallfahrer soll seinen Bekannten angerufen haben, der inzwischen vorbeigefahren war.

Der fuhr nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft nach Hause, holte ein Abschleppseil und brachte Unfallwagen und Fahrer von der Unfallstelle weg.

Um den lebensgefährlich verletzten Radfahrer kümmerte sich niemand. Er starb an der Unfallstelle.

Nach früheren Angaben der Polizei stellte der Unfallfahrer das beschädigte Auto in seine Garage, kaufte ein identisch aussehendes Auto und montierte das alte Kennzeichen.

Titelfoto: Ralf Roeger/dpa


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