Verwirrung: Geisteskranker hält in "Aardvark" alle auf Trab!

Dresden - Halluzination oder Realität? Das Langspielfilm-Debüt "Aardvark" (deutsch: "Erdferkel") von Regisseur Brian Shoaf stellt psychische Krankheiten und Einsamkeit in den Fokus. Deutscher Kinostart ist der 22. August.

Josh Norman (Zachary Quinto) leidet unter dem schwierigen Verhältnis zu seinem Bruder und hat auch deshalb psychische Probleme.
Josh Norman (Zachary Quinto) leidet unter dem schwierigen Verhältnis zu seinem Bruder und hat auch deshalb psychische Probleme.  © PR/Kinostar Filmverleih GmbH

Im Mittelpunkt der Handlung steht Josh Norman (Zachary Quinto), der sich wieder in den Griff bekommen will und deshalb die Psychiaterin Emily Milburton (Jenny Slate) aufsucht.

Er eröffnet ihr stolz, dass er einen neuen Job als Kellner und Kassierer in einem heruntergekommenen Café bekommen hat.

Einmal im Erzählfluss spricht er auch über sein schwieriges Verhältnis zu seinem Bruder, den er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat - zumindest nicht ohne Verkleidung!

Es handelt sich bei ihm nämlich um niemand anderen als den bekannten Schauspieler Craig Lewis (Jon Hamm), in dessen Schatten Josh seit jeher lebt.

Viel stärker leidet er jedoch darunter, dass Craig ihn schon so lange nicht besucht hat. Er sieht seinen Bruder deshalb immer wieder in Verkleidungen (als Obdachlose; als Polizist) auftauchen.

Zwar schickt der echte Craig ihm jeden Monat Geld, doch Josh ist auf sich alleine gestellt. Die Einsamkeit macht ihm zu schaffen.

Das kann Emily gut verstehen, ist sie doch selbst ein Mensch ohne Freunde, der immer wieder falsche Entscheidungen trifft...

"Aardvark" ist wie seine Hauptfiguren: Ambivalent

Ist er es wirklich? Josh Norman (l., Zachary Quinto) mit seinem Bruder Craig (Jon Hamm).
Ist er es wirklich? Josh Norman (l., Zachary Quinto) mit seinem Bruder Craig (Jon Hamm).  © PR/Kinostar Filmverleih GmbH

Diese abstrakte Geschichte hat Shoaf annehmbar umgesetzt. Ein wirklich guter Film ist "Aardvark" allerdings nicht geworden.

Dafür gibt es zu viele verwirrende Szenen und trotz der nur 88 Minuten Laufzeit auch die ein oder andere Länge. Das liegt an der fehlenden Balance der Ideen, deren Umsetzung, des Schnitts und der Story.

Letztere ist durch ihre Thematik dennoch kraftvoll und weckt dank ihrer ambivalenten Figuren das Interesse des Publikums.

Auch die Frage, ob Josh nun verrückt ist und woher seine geistigen Störungen kommen, sorgen dafür, dass man "Aardvark" bis zum Schluss mit Spannung verfolgt.

Das Ende ist dann allerdings nur bedingt überzeugend geraten, weshalb die vielen schwachen Kritiken aus den USA durchaus nachvollziehbar sind.

So verwundert auch nicht der außergewöhnlich lange Weg, den der Film hinter sich hat: Die Dreharbeiten begannen schon am 30. November 2015 in New York, seine Weltpremiere feierte er bereits im April 2017 beim Tribeca Film Festival, in ausgewählte US-Kinos kam er am 13. April 2018.

Nun, fast eineinhalb Jahre später, hat es das Drama endlich auch nach Deutschland geschafft.

Schauspiel-Quartett um Zachary Quinto, Jenny Slate und Jon Hamm überzeugt in "Aardvark"

Nettes Treffen bei Nacht: Josh Norman (r., Zachary Quinto) lernt im Café, wo er arbeitet, Hannah (Sheila Vand) kennen, die auch ein wenig anders denkt.
Nettes Treffen bei Nacht: Josh Norman (r., Zachary Quinto) lernt im Café, wo er arbeitet, Hannah (Sheila Vand) kennen, die auch ein wenig anders denkt.  © PR/Kinostar Filmverleih GmbH

An den schauspielerischen Leistungen liegt das mit Sicherheit nicht.

Gerade Quinto (Spock in den neusten drei "Star Trek"-Filmen) tut sich hier hervor und bringt all die verschiedenen Facetten und Emotionen seiner Figur exzellent herüber. Auch die innere Zerrissenheit und Unruhe porträtiert er glaubwürdig.

Slate ("Venom") zeigt ebenfalls eine reife Leistung und fängt die Seele ihres nicht minder komplexen Charakters ein, stellt sie verletzlich und zugleich mit einer beeindruckenden Stärke dar.

Auch Hamm ("Baby Driver") darf bei seiner Figur in die Tiefe gehen und meistert seine für die Geschichte wichtige Rolle hervorragend.

Durch die Drehbuch-Schwächen gelingt es "Aardvark" aber trotz des abwechslungsreichen Kostümdesigns, der düsteren Locations, der ruhigen Kameraführung und der guten Musikuntermalung nicht, sein vorhandenes Potenzial zu entfalten.

Als etwas anderer, intellektuell angehauchter Film, der Einsamkeit auf authentische, mitunter auch bewegende Weise darstellt und mit einem eigenen Stil daherkommt, hat das Drama aber trotzdem seine Daseinsberechtigung. Denn es regt zum Nachdenken an und ist auf verworrene Weise vielschichtig.

Die zwei wichtigsten Bezugspersonen im Leben von Josh Norman (r., Zachary Quinto) sind sein Bruder Craig (M., Jon Hamm) und seine Psychiaterin Emily Milburton (Jenny Slate). (Bildmontage)
Die zwei wichtigsten Bezugspersonen im Leben von Josh Norman (r., Zachary Quinto) sind sein Bruder Craig (M., Jon Hamm) und seine Psychiaterin Emily Milburton (Jenny Slate). (Bildmontage)  © PR/Kinostar Filmverleih GmbH

Titelfoto: PR/Kinostar Filmverleih GmbH

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