Abfahrt? Wie gefährlich wird's für den VW-Boss?

Konzernchef Martin Winterkorn (68) gerät in Bedrängnis.
Konzernchef Martin Winterkorn (68) gerät in Bedrängnis.

Wolfsburg/Berlin - Dicke Luft bei VW: Der Skandal um manipulierte Abgastests bei Dieselwagen in den USA („Clean Diesel“) erschüttert die gesamte Autobranche. Konzernchef Martin Winterkorn (68) steht arg unter Beschuss.

Bereits am Dienstag trifft sich das mächtige Präsidium des VW-Aufsichtsrats zur Krisensitzung.

Neben Strafzahlungen bis zu 18 Milliarden Dollar drohen dem Automobil-Riesen Rückrufkosten sowie mögliche Regressansprüche von enttäuschten Kunden und Aktionären.

„Fest steht: Es wird teuer!“, sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer (64) vom CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen. Für den Branchen-Fachmann ist Winterkorn als Vorstands-Chef „nicht mehr tragbar“.

Auto-Professor Stefan Bratzel (48) schätzt, dass die Strafzahlungen am Ende bei mehreren Hundert Millionen Dollar oder einem Betrag im knappen Milliardenbereich liegen.

Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch ums VW-Image.
Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch ums VW-Image.

Aber es geht nicht nur ums Geld, sondern auch ums Image. Bratzel: „Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie.“

Wurde nicht nur in den USA getrickst? Die Bundesregierung verlangt jedenfalls von den Autoherstellern „belastbare Informationen“, um mögliche Manipulationen bei Abgastests auch in Deutschland prüfen zu können.

Die VW-Aktie stürzte gestern ab, zog den DAX zwischenzeitlich mit nach unten. Das Papier verlor zeitweise mehr als ein Fünftel - rund 15 Mrd. Euro an Börsenwert verpufften.

Auch innerhalb des Konzerns werden rasche Aufklärung und harte Konsequenzen gefordert. Vor allem Winterkorn, dessen schon angekündigte Vertragsverlängerung auf einer Aufsichtsratssitzung am Freitag formal ansteht, steht dabei nun in der Pflicht.

Gina McCarthy leitet die US-Umweltschutzbehörde EPA: Sie wirft VW vor, die Ermittlungen von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben.
Gina McCarthy leitet die US-Umweltschutzbehörde EPA: Sie wirft VW vor, die Ermittlungen von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben.

Schmutzige Tricks

Kommentar von Thomas Schmitt

Irgendwann kann jeder Slogan die von ihm angepriesene Marke einholen: „Aus Liebe zum Automobil“ lautete dereinst die Werbebotschaft des Volkswagen-Konzerns. Und wer hat nicht schon mal aus Liebe ein bisschen geschummelt oder gar gelogen? Doch die Manipulationen der Abgastests in den USA durch die Autobauer aus Wolfsburg sind kein Kavaliersdelikt.

Ohne Konsequenzen - ungeachtet einer möglichen Strafe in Milliardenhöhe - wird der Skandal nicht bleiben. Es ist verwunderlich, dass in der Konzernspitze in Niedersachsen niemand etwas gewusst haben will. Und wenn es tatsächlich so war, spricht das auch nicht gerade für die Unternehmensführung des Vorstandsvorsitzenden.

Ob Winterkorn, noch vor Kurzem strahlender Sieger im internen Machtkampf mit VW-Pate Piëch, als Konzernchef jetzt noch lange haltbar ist? Die kleinen schmutzigen Tricks schaden nicht nur dem Automobil-Riesen selbst. VW hat dem Image des Dieselautos - in der USA ohnehin nicht sehr angesehen - insgesamt einen Totalschaden beschert.

Fotos: dpa, imago


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