Schweighöfer im TAG24-Interview: Kein Bock mehr auf Romantik?

Matthias Schweighöfer verdreht vielen Frauen den Kopf.
Matthias Schweighöfer verdreht vielen Frauen den Kopf.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Dresden - Matthias Schweighöfer (36) ist neben Til Schweiger (53) Deutschlands wohl größter Kinostar. Wie sein Mentor ist der einstige Chemnitzer nicht mehr nur Schauspieler, sondern auch Autor, Produzent und Regisseur in Personalunion.

Im Frühjahr hatte Schweighöfer mit dem Thriller-Sechsteiler „You are Wanted“ die erste deutschsprachige Serie für den Streamingdienst Amazon produziert und mit „Lachen Weinen Tanzen“ sein erstes Album als Sänger veröffentlicht.

Am 2. September gastiert er damit in der Freilichtbühne Junge Garde. TAG24 sprach vorab mit dem Multitalent.

TAG24: Herr Schweighöfer, drei Ihrer vier Open-Air-Termine haben Sie bereits absolviert. Für Sie ist das Neuland. Wie war’s?

Matthias Schweighöfer: Es war sehr cool! Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt. Aber die Band ist perfekt eingespielt, 1400 Leute oder noch mehr sind richtig abgegangen, wir mussten Zugaben geben ... toll! Es ist der pure Wahnsinn, so mit tausend springenden Leuten zu feiern.

TAG24: Durch die sportliche Brille gesehen: Ist noch Luft nach oben?

Matthias Schweighöfer: Es ist immer Luft nach oben, das wird man dann in Dresden sehen. Ich freue mich auch echt auf Dresden, weil es eine meiner Lieblingsstädte bei den Kino-Premieren-Touren ist.

TAG24: Dresden ist die vierte Station. Was erwarten Sie?

Matthias Schweighöfer: Ich warte auf aufgeschlossene, junge Menschen, die Lust haben, zu tanzen und zu feiern. Ein Publikum, wie ich es immer wieder gerne im Rundkino zum Beispiel kennenlerne.

TAG24: Im Vorfeld der Tour sprachen Sie von Lampenfieber. Ist es immer noch so schlimm?

Matthias Schweighöfer: Am Anfang war ich sehr nervös, weil ich - wie gesagt - nicht wusste, was auf mich zukommt. Diese Nervosität wird sicher immer bleiben. Was ist zum Beispiel, wenn die Leute nicht springen, sondern sitzen bleiben? Darauf muss man reagieren, da ist Nervosität eine sichere Basis.






Für ihn vor allem Gelegenheit zum direkten Publikumskontakt: der Filmstar auf 
der Bühne.
Für ihn vor allem Gelegenheit zum direkten Publikumskontakt: der Filmstar auf der Bühne.  © Monika Skolimowska/dpa

TAG24: Als Ihre Platte herauskam, wurde die Frage laut, warum denn schon wieder ein Schauspieler singen muss. Eine logische Konsequenz, weil Ihnen Musik sehr wichtig ist?

Matthias Schweighöfer: Filme und Musik sind immer miteinander verbunden, beides trifft die Gefühlswelt. Ich habe immer die Scores zu meinen Filmen mitgestaltet, teilweise mitgeschrieben. Für meine Amazon-Serie „You are Wanted“ haben wir monatelang Musik eingespielt und nicht alles davon verwendet. Da sagten meine Freunde, dass es doch schade wäre, es wegzuschmeißen. Außerdem ist die Musik, wenn ich damit auf Tournee gehe, eine Möglichkeit für mich, direkten Kontakt mit dem Publikum zu haben. Theaterspielen etwa wäre für mich nicht mehr so möglich. Ich wüsste nie, ob die Leute das Stück sehen wollen oder nur den Menschen.

TAG24: Die Musik für Ihre Filme suchen Sie selbst aus, meist angenehmer Radio-Pop. Sind Sie eigentlich Mainstream-Hörer oder gibt es auch schräge Vorlieben?

Matthias Schweighöfer: Ich bin gar nicht so ein Chartshörer, das täuscht. Ich höre sehr viel melancholisches Zeug, dann wieder HipHop. Das Kommerziellste, was ich mag, ist Justin Timberlake. Letztlich höre ich alles kreuz und quer.

TAG24: Wie setzen Sie Ihre Musik bei Open-Air-Konzerten um? Auf der Freilichtbühne verpufft doch viel Intimes in den Himmel ...

Matthias Schweighöfer: Kombiniert mit den richtigen Ansagen zuvor funktioniert das schon, finde ich. Meine Songs sind so gestaltet, dass man sowohl tanzen als auch nachdenken kann. Und wenn sich dann die Abendsonne herabsenkt, das ist doch total berührend.

TAG24: Ihr jüngstes Film-Projekt, die Amazon-Serie „You are Wanted“, geht mit einer zweiten Staffel in die Verlängerung. Erleichtert?

Matthias Schweighöfer: Ja, ich freue mich natürlich. Aber damit kommt noch mehr Arbeit auf mich zu.





Schauspieler, Regisseur, Produzent, Autor - und jetzt auch noch Pop-Sänger: 
Matthias Schweighöfer (36) probiert 
alles aus.
Schauspieler, Regisseur, Produzent, Autor - und jetzt auch noch Pop-Sänger: Matthias Schweighöfer (36) probiert alles aus.  © Christoph Schmidt/dpa

TAG24: Sie hatten sich den Stoff ziemlich einverleibt, haben das Drehbuch umgeschrieben, gespielt, produziert, Regie geführt. War es also Ihr bislang persönlichstes Projekt?

Matthias Schweighöfer: Na ja, ich habe ja ein Ziel, wenn ich auf allem so draufglucke. Wir wollten den größtmöglichen internationalen Ansatz finden, schließlich läuft das ja auch in vielen anderen Ländern. Es war ein Vabanque-Spiel, aber ein freudiges.

TAG24: Die Kritiken waren eher durchwachsen. Wie sehr schmerzt das dann?

Matthias Schweighöfer: Ich verstehe die negativen Stimmen genauso wie die positiven. Und ganz ehrlich: Ich mag es, dass die Serie spaltet. Dass sich die Zuschauer darüber Gedanken machen und mitreden, ist etwas, das ich erreichen wollte.

TAG24: Halten Sie es wie Ihr Freund und Kollege Til Schweiger, dem der Publikumszuspruch wichtiger ist als Kritikermeinungen?

Matthias Schweighöfer: Ach, ich weiß gar nicht mehr, was ein guter Kritiker ist. Mittlerweile gibt es im Internet so viele Blogger, die man gar nicht kennt. Dann hat man da einen Blog-Eintrag aus Buxtehude gegenüber Spiegel-Online - das ist so schwierig geworden, alles richtig einordnen zu können. Ich lerne, Abstand davon zu nehmen.

TAG24: Wie sehen Sie als Filmschaffender eigentlich den Trend hin zu Fernseh-, Online- und Streaming-Serien? Ist Kino nicht viel schöner?

Matthias Schweighöfer: Klar, Kino ist das große Gemeinschaftserlebnis. Ich sehe überlebensgroße Menschen und Geschichten, kann gemeinsam mit anderen lachen oder traurig sein. Online geht das natürlich nicht. Was mir aber wichtig ist: Serien, wo immer sie laufen, erlauben es, wieder in Genres abzutauchen. Die funktionieren ja in Deutschland, bis auf Komödien, im Kino nicht. Außerdem sind Serien günstig. Als ich etwa meinen Film „Der Nanny“ herausgebracht habe, der so viel Geld gekostet hatte, fand an jenem Wochenende der Germanwings-Absturz statt. Da wollte keiner im Kino lachen. Wenn aber das erste Wochenende nicht funktioniert, dann ist alles hin. Kann bei Serien nicht passieren. Und man kann mehr ausprobieren. Ich will viel mehr Genre machen. Das ist im Kino immer schwierig.

Imagewechsel: In „You are Wanted“, seiner Thriller-Serie für Amazon, spielte 
Schweighöfer einen von 
Cyber-Gangstern gejagten Familienvater.
Imagewechsel: In „You are Wanted“, seiner Thriller-Serie für Amazon, spielte Schweighöfer einen von Cyber-Gangstern gejagten Familienvater.  © PR/Amazon

TAG24: Nach der Thriller-Serie kommt nun eine neue Action-Komödie an der Seite von Til Schweiger. Wollen Sie weg vom RomCom-Image?

Matthias Schweighöfer: Na ja, ’ne Actionkomödie ist ja nun auch keine so dolle Ablösung von der Komödie. Aber ich war ja nie ausschließlich auf RomCom, also romantische Komödie, festgelegt. Ich habe damit versucht, mich ins Filmemachen hineinzuarbeiten, weil es das Genre war, das ich am besten kannte. Wenn mir die Geschichten gefallen, dann werde ich sie machen. Sicher auch wieder Komödien, dann aber anders. Ich bin nicht mehr 23 im Sturm und Drang, sondern 36. Aber immer noch im Sturm und Drang.

TAG24: Ist es nicht an der Zeit, mal wieder einen richtigen Bösewicht zu spielen?

Matthias Schweighöfer: Grundsätzlich will ich immer Genre machen, da würde es irgendwann dazugehören. Bösewichtrollen machen ja auch Spaß! Das kommt alles noch.

TAG24: Schweighöfer auf der Leinwand, im TV, im Netz, im Radio und jetzt auf der Bühne: Keine Angst, zu omnipräsent zu sein?

Matthias Schweighöfer: Zugegeben, manchmal knallt alles aufeinander, das ist dann unglücklich. Ich versuche aber, gut aufzupassen, dass nicht zu viel gleichzeitig passiert. Aber mal ehrlich: Vier Open-Air-Termine in diesem Sommer - das ist doch human, oder?

TAG24: Wird es eigentlich neue Musik geben, oder war die Platte ein einmaliger Ausflug?

Matthias Schweighöfer: Da wir eine zweite „You are Wanted“-Staffel machen und dafür wieder Musik schreiben, wird es auf jeden Fall ein zweites Album geben. Das erste hatte sich ja aus der Arbeit zur Serie entwickelt. Nach diesem zweiten Album können Sie mich dann noch einmal fragen. Ich weiß es nicht.

TAG24: Haben Sie eigentlich noch Verbindungen nach Chemnitz?

Matthias Schweighöfer: Ich muss zugeben, außer meiner Historie und den Erinnerungen ist da nicht mehr viel. Wir wohnen alle seit Langem in Berlin - auch meine Eltern. Es ist Vergangenheit. Die Schulfreunde sind noch da, manchmal sieht man sich bei einer Filmpremiere vor Ort. Aber ich habe wirklich kaum Zeit, diese Verbindungen dauerhaft zu halten.


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