Acht Mitarbeiter kündigen auf einmal: Was ist dran an Sexismus-Vorwürfen gegen beliebten Club?

Leipzig - Im beliebten "Tanzcafé Ilses Erika" haben Mitte Juni geschlossen mehrere Mitarbeiterinnen gekündigt. Wie in einem offenen Brief verkündet, soll struktureller Sexismus von Seiten der Gäste und des Personals der Grund gewesen sein. Der Club selbst kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Mehrfach sei nicht eingeschritten worden, als Tresenpersonal belästigt wurde.
Mehrfach sei nicht eingeschritten worden, als Tresenpersonal belästigt wurde.  © DPA

In der vergangenen Woche geisterte ein Blogeintrag durch die sozialen Medien: Auf der Website "Tresensexismus" hatten sich acht ehemalige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Ilses Erika zu Wort gemeldet und ihre Kündigung ausführlich begründet.

Die Website bietet Angestellten der Gastronomie eine Plattform, um über sexistische Vorfälle zu berichten und Gäste über Alltagssexismus in der Branche aufzuklären.

In dem "Offenen Brief aus dem Connewitzer Nachtleben" berichten die Mitarbeiterinnen zunächst über einen Vorfall, der sich bereits am 14. Juni 2019 im Ilses Erika ereignet haben soll.

Ein Mitglied des Tresenpersonal hatte die Türsteher gebeten, einen Gast aus dem Club zu verweisen, da dieser das Mitglied in der Vergangenheit missbraucht haben soll. Der Türsteher wiederum habe die Vorwürfe als "nichtig" und "Privatangelegenheit" abgetan und nicht auf die Bitte reagiert.

Derartige Vorfälle hätte es laut dem "Offenem Brief" in der Vergangenheit öfter gegeben, es ist sogar von strukturellem Sexismus von Seiten der Gäste, aber auch von übergeordneten Angestellten die Rede. Der Inhaber hätte davon gewusst und versprochen, die Solidarität im Team zu verbessern und das Tresenpersonal vor übergriffigem Verhalten und Konfliktsituationen zu schützen. Keines dieser Ziele sei allerdings realisiert worden, weshalb die acht Mitarbeiter nun die Konsequenzen gezogen und gekündigt haben, so der Brief weiter.

Vorwürfe kommen überraschend für den Club

Christian Feist, seines Zeichens Booker des Ilses Erika, bestätigt den Vorfall Mitte Juni gegenüber TAG24. "Ein Barmitarbeiter fühlte sich durch die bloße Anwesenheit einer Besucherin belästigt und wurde nicht zum Gehen bewegt", so Feist. Man habe das das Einlasspersonal aber bereits darüber in Kenntnis gesetzt, dass nicht nur das physische sondern auch der psychische Schutz der Mitarbeiter zu gewährleisten ist.

Warum die anderen Mitarbeiter kündigten, kann Feist nicht nachvollziehen. Der Vorwurf, dass das Barpersonal Opfer von strukturellem Sexismus auch von Seiten der Angestellten geworden sein soll, kommt für den Booker überraschend. "Sollte es gravierende Probleme gegeben haben, so wurden diese nicht kommuniziert. Um dies zukünftig zu vermeiden, werden wir einen Clubrat wählen lassen und einen 'Kummerkasten' einrichten", verspricht Christian Feist. Außerdem werde zukünftig präventiv mit der Awareness Initiative Leipzig zusammengearbeitet und zudem verstärkt auch weibliches Securitypersonal angefordert werden.

Von Seiten der Gäste sei ihm bisher nie negatives Feedback zu Ohren gekommen. "Bei Belästigung kann man sich vertrauensvoll an Security, Bar und oder Einlasspersonal wenden", stellt Christian Feist klar.

Ob es noch weitere Gespräche mit den ehemaligen Mitarbeitern geben wird, ist noch nicht bekannt. Auch ob sich das ehemalige Barpersonal noch einmal zu Wort melden wird, ist unklar.

Das "Tanzcafe Ilses Erika" liegt im Süden von Leipzig.
Das "Tanzcafe Ilses Erika" liegt im Süden von Leipzig.  © Screenshot Facebook/Ilses Erika

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