Stress bei den Grünen, weil Kandidatin Bayram lieber solo unterwegs ist

Die türkischstämmige Politikerin Canan Bayram während der Mitgliederversammlung ihrer Partei. Sie erhielt 57 von 60 Stimmen der Wahldelegierten und ist damit Ströbeles Nachfolgekandidatin.
Die türkischstämmige Politikerin Canan Bayram während der Mitgliederversammlung ihrer Partei. Sie erhielt 57 von 60 Stimmen der Wahldelegierten und ist damit Ströbeles Nachfolgekandidatin.  © DPA

Berlin - Wenige Tage vor der Bundestagswahl ist die Stimmung bei den Berliner Grünen am Tiefpunkt angekommen. Grund: Canan Bayram (51), Kandidatin für Friedrichshain-Kreuzberg betreibt einen Solo-Wahlkampf - fernab der eigenen Partei, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

2009 wechselte Bayram von der SPD zu den Grünen und soll in diesem Jahr das Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele (78) im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg beerben. Doch die 51-Jährige ist in den eigenen Reihen nicht unumstritten, denn ihre verständnisvolle Haltung gegenüber Linksradikalen und die stetige Kritik an der Berliner Polizei, haben ihre Spuren hinterlassen.

Die Politikerin macht ihr Ding, was nicht zuletzt auch dadurch deutlich wird, dass nur wenige Plakate der Bundespartei im Bezirk hängen, aber dafür umso mehr von Bayram - was jedoch von der Berliner Parteiführung bestritten wird.

Hinzu kommt ein Wahlbrief der für Irritation sorgt. Darin wirbt die 51-Jährige, man möge ihr die Erststimme geben. "Unabhängig, welcher Partei Sie Ihre Zweitstimme geben, wählen Sie mit der Erststimme eine* Kandidat*in Ihres Wahlkreises in den Bundestag", heißt es im Brief. "Dadurch bin ich unabhängig und kann mehr für die Menschen tun." Werbung für die Grünen oder der entsprechenden Zweitstimme sucht man vergebens.

Ströbele hat seit dem Jahr 2002 erfolgreich als Direktkandidat für die Bundestagswahlen kandidiert und will 2017 nicht mehr antreten. Bayram soll ihn beerben.
Ströbele hat seit dem Jahr 2002 erfolgreich als Direktkandidat für die Bundestagswahlen kandidiert und will 2017 nicht mehr antreten. Bayram soll ihn beerben.  © DPA

Nach dem Verbot der linksextremistischen Internetseite "linksunten.indymedia.org" (TAG24 berichtete) beteiligte sich Bayram an einem Solidaritätsmarsch für diese Internetplattform.

Obwohl auf der Seite offenkundig zur Gewalt gegen Polizisten aufgerufen wurde, störte sich Bayram offenbar daran nicht. Als dann noch Plakate im Bezirk mit dem Slogan "Die Häuser denen, die drin wohnen" - ein alter Hausbesetzer-Slogan, der Enteignungen impliziert - riss der Bundespartei der Geduldsfaden. Man distanzierte sich öffentlich von Bayram.

Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Gerd Poppe (76) nennt die 51-Jährige "eine Zumutung" und der ehemalige Berliner Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann (57) spricht von "nicht wählbar".

Einzig Grünen-Chef Werner Graf, der in Kreuzberg lebt, nimmt Bayram in Schutz und bezeichnet den Streit als "ärgerlich" und Missverständnis. Sollten sich die aktuellen Umfrage-Prognosen am 24. September jedoch bestätigen, droht den Grünen der interne Supergau.

Bayram könnte direkt und den Bundestag einziehen und damit die langjährige Frontfrau der Grünen, Renate Künast (61), den Platz streitig machen und das wäre schlecht für alle.

Titelfoto: DPA


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