Seit 13 Jahren in Afrika: Ärztin aus Leipzig ist jetzt "Mama Malawi"

Von Thomas Gillmeister

Leipzig - Während einer einjährigen Auszeit in Afrika lernte Dr. Christina Klein (50) Malawi und seine Menschen kennen. Eine Schicksalsbegegnung, die das Leben der Leipziger Ärztin veränderte. Denn in dem Land grassiert die HIV-Epidemie. Deshalb gründete die Medizinerin zusammen mit ihrem Mann einen Förderverein, der sich um HIV-Positive, Erkrankte und AIDS-Waisen kümmert.

Die Not und die Armut im schönen Malawi ließen Christina Klein (50) nachdenklich werden. Sie entschied: Hier muss ich helfen.
Die Not und die Armut im schönen Malawi ließen Christina Klein (50) nachdenklich werden. Sie entschied: Hier muss ich helfen.  © Picture Point/Kerstin Dölitzsch

Dieses Bild bekommt Christina Klein nicht mehr aus dem Kopf. Da saß eine ältere an AIDS erkrankte Frau unter einem Baum, von der Dorfgemeinschaft ausgestoßen, zum Verhungern verurteilt. "Wir gaben der Betroffenen etwas zu essen und kümmerten uns um sie", erinnert sich die praktische Sächsin.

Sie war damals mit ihrem Mann Torsten und der dreijährigen Tochter im Jeep ein Jahr quer durch Afrika unterwegs. Die Schattenseiten des Abenteuers unter südlicher Sonne: „Wir waren geschockt, wie sich unterhalb der Sahara das HI-Virus ausbreitete und Elend, Siechtum und Tod brachte", erinnert sich die Chirurgin.

Als sie im kleinen südostafrikanischen Staat Malawi auf ein Autoersatzteil aus Deutschland warten musste, um weiterfahren zu können, kam sie noch näher mit den Menschen, ihren Problemen und dem schlechten Gesundheitssystem in Kontakt. Und sie versprach, zu helfen. Für die Ärztin war das kein Lippenbekenntnis, sondern der Beginn einer Vereinsarbeit, die rund 13 Jahre später den größten Teil ihrer freien Zeit einnimmt.

Mehrheit der Einwohner muss mit weniger als 1 Dollar pro Tag auskommen

Christina Klein begutachtet den Fuß eines Patienten.
Christina Klein begutachtet den Fuß eines Patienten.  © Picture Point/Kerstin Dölitzsch

"Wir haben mittlerweile im Gebiet Chenyama bei Salima eine Teststation mit zwei Mitarbeiterinnen und eine häusliche Krankenpflege aufgebaut", zählt Christina Klein auf.

Über die Bill-Gates-Stiftung erhalten HIV-Infizierte und bereits an AIDS Erkrankte Zugang zu Medikamenten. Die zweifache Mutter koordiniert abends von zu Hause aus ihre Hilfe als "Mama Malawi" im rund 12 .000 Kilometer entfernten bitterarmen Staat, in dem die Mehrheit mit unter einem Dollar pro Tag auskommen muss.

Mindestens einmal im Jahr fliegt die Leipzigerin meistens gemeinsam mit anderen Ärzten und Helfern aus dem über 70 Mitglieder zählenden Förderverein für mehrere Tage zum Herzensprojekt. "Es ist ein so schönes Gefühl, wenn ich sehe, wie wir schon mit relativ wenig finanziellen Mitteln die Menschen unterstützen und vor allem auch aufklären können", begründet Christina Klein ihre Mission.

Aus ihr entstanden inzwischen noch viele weitere kleine Projekte, wie beispielsweise eine Abendklasse für Analphabeten, eine Grundschule für Kinder, die ihre Eltern durch AIDS verloren haben sowie die Vermittlung von Mikrokrediten an Witwen, die sich so mit einem kleinen Gewerbe selbständig machen können. "Derzeit wird an der HIV-Teststation ein Heilpflanzengarten angelegt, um die Nebenwirkungen der Therapien auch mit Kräutern zu lindern", beschreibt die Medizinerin. Sie wird nicht müde, vor Ort immer wieder über Hygiene und Übertragungswege von Infektionen aufzuklären. Mit Erfolg. "Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sinkt kontinuierlich", kann Dr. Klein stolz berichten.

Kontakt: Wer spenden oder sich engagieren möchte, findet auf der Homepage vom Förderverein AIDS-Hilfe Malawi e.V. unter www.maso-germany.de weitere Informationen.

Mit Jeep und Anhänger tourten die Medizinerin und ihr Mann einst für ein Jahr durch Afrika - Abenteuer pur!
Mit Jeep und Anhänger tourten die Medizinerin und ihr Mann einst für ein Jahr durch Afrika - Abenteuer pur!  © privat
Auch bei malawischen Schülern ist die Leipzigerin ein willkommener Gast.
Auch bei malawischen Schülern ist die Leipzigerin ein willkommener Gast.  © privat
Malawi ist unübersehbar ein armes Land. Doch die Menschen sind ausnehmend freundlich.
Malawi ist unübersehbar ein armes Land. Doch die Menschen sind ausnehmend freundlich.  © Picture Point/Kerstin Dölitzsch
Auch ein Kalender half schon dabei, auf den Förderverein aufmerksam zu machen.
Auch ein Kalender half schon dabei, auf den Förderverein aufmerksam zu machen.  © Picture Point/Kerstin Dölitzsch
Der Malawi-See gab dem Land nicht nur seinen Namen. Er ist auch dessen größte Attraktion.
Der Malawi-See gab dem Land nicht nur seinen Namen. Er ist auch dessen größte Attraktion.  © imago images / Nature Picture Library

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