"Ausgrenzen", "ächten": So keilt Spiegel-Journalist Hasnain Kazim gegen AfD-Wähler

Stuttgart/Wien - Zuletzt war Spiegel-Autor Hasnain Kazim (45) vor allem aufgefallen, als er und Boris Palmer (47, Grüne) ihre Facebook-Seiten tauschten. Jetzt giftet der Journalist gegen AfD-Wähler.

Die 17 Jahre alte Benigna Munsi ist das neue Nürnberger Christkind. Nach einem ätzenden AfD-Posting äußerte sich Hasnain Kazim.
Die 17 Jahre alte Benigna Munsi ist das neue Nürnberger Christkind. Nach einem ätzenden AfD-Posting äußerte sich Hasnain Kazim.  © DPA

Alles fing mit einem Tweet des 45-Jährigen an. Aufhänger: Das rassistische Facebook-Posting des AfD-Kreisverbandes München-Land zur Wahl von Benigna Munsi (17) zum Nürnberger Christkind.

Munsi ist gebürtige Nürnbergerin, Ministrantin und singt sogar im Jugendchor, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Doch dass der Vater der Teenagerin Inder ist, ließ im Kreisverband offenbar die Halsschlagadern anschwellen. "Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen", ätzte man.

Das griff wiederum Kazim auf und twitterte: "Die AfD möchte jeden Tag aufs Neue beweisen, dass sie rechtsextremes, menschenverachtendes, rassistisches Gesindel ist. Und jeder, JEDER, der sie wählt, weiß das."

Damit war eine hitzige Debatte vorprogrammiert. Und der Spiegel-Journalist legte sogar noch nach.

Auf einen inzwischen nicht mehr verfügbaren Kommentar antwortete der 47-Jährige nämlich: "Es geht nicht darum, AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler zu 'erreichen'. Es geht darum, sie auszugrenzen, zu ächten, sie klein zu halten, ihnen das Leben schwer zu machen, sie dafür, dass sie Neonazis und Rassisten den Weg zur Macht ebnen wollen, zur Verantwortung zu ziehen."

Hasnain Kazim "ein übler Hetzer"?

Will AfD-Wähler ausgrenzen, ächten und klein halten: Hasnain Kazim.
Will AfD-Wähler ausgrenzen, ächten und klein halten: Hasnain Kazim.  © DPA

Auf Twitter, wo Debatten nicht selten in Shitstorms ausufern, war das entsprechende Echo auf die Knallhart-Ansage vorprogrammiert.

"Demokratiefeinde wie Sie benötigen diese Behandlung, die Sie Ihren Gegnern angedeihen lassen wollen!", drohte ein User.

Eine Nutzerin fragte: "Was würden Sie sagen, wenn jemand dazu aufruft, Sie 'zu ächten'? Was für eine widerliche, dumme Wortwahl!"

Sie forderte: "Man kann und muss diese Politik kritisieren, aber man muss genauso mit den Menschen im Gespräch bleiben, auch wenn es bei einigen vergebens ist." Ihr Fazit zu Kazim: "Sie sind ein übler Hetzer!"

Sarkastisch kommentierte ein weiterer Nutzer: "Super Strategie, um entweder eine neue DDR oder ein 4. Reich zu etablieren".

Wiederum ein Anderer befand: "Wenn ich solche Tweets lese, komme ich leider zu der Überzeugung, dass die wahren Demokratiefeinde und Spalter in den Redaktionsstuben hocken!"

Auch der ehemalige Vorsitzende der AfD in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg (44) schaltete sich ein. "Das ist ja an Peinlichkeit und demokratischem Defizit kaum zu überbieten", schrieb der 44-Jährige und forderte Kazims Arbeitgeber Spiegel auf: "mal etwas nachdenken!"

Auch Boris Palmer äußert sich zum AfD-Tweet

Teilt Kazims Meinung nicht: Boris Palmer.
Teilt Kazims Meinung nicht: Boris Palmer.  © DPA

Deutlich gemäßigter als viele andere agierte da ein anderer Kommentareschreiber.

Für ihn sei Kazims Äußerung legitim, "aber Ausgrenzung und Ächtung manifestieren auch die Gräben in der Gesellschaft und – nach meinem Empfinden – werden zusätzlich Menschen, die unentschlossen sind oder sich für 'unpolitisch' hielten (Nichtwähler), an den rechten Rand gedrängt."

Er kenne solche Leute aus seinem Umfeld. "Die werden nicht isoliert, man spricht bloß nicht über Politisches mit ihnen.

Eine Ausgrenzung/Ächtung von knapp 25 Prozent der thüringischen Bevölkerung bspw. ist doch unmöglich und auch nicht zielführend."

Enttäuscht vom Spiegel-Mann zeigte sich ein anderer User.

"Herr Kazim, ich hab Sie bisher immer für relativ vernünftig gehalten trotz unserer unterschiedlichen Ansichten", schrieb er. "Diese Meinung muss ich leider revidieren."

Nicht zuletzt äußerte sich auch derjenige, mit dem Kazim Anfang des Jahres seinen Facebook-Account getauscht hatte: Boris Palmer. Eine Nutzerin postete einen Screenshot des heiß debattierten Tweets und fragte Deutschlands bekanntesten Oberbürgermeister auf Facebook: "Was sagen Sie, Herr Boris Palmer, zu seinem (Kazims, Anm. d. Red.) Twitter-Text?"

Palmer stellte knapp klar, dass er ganz anderer Meinung sei als der Journalist.

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