"Muss Mut haben, sich zu stellen": AfD-Politiker fordern Höcke zu Kandidatur um Bundesvorstand auf

Frankfurt/Erfurt - Nach seiner Attacke gegen den Bundesvorstand haben führende westdeutsche AfD-Politiker den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke einem Medienbericht zufolge aufgerufen, bei der kommenden Wahl des Gremiums seinen Hut in den Ring zu werfen.

Björn Höcke (re.) mit Jörg Urban (li.) und Andreas Kalbitz (mi.) beim Wahlkampfauftakt in Cottbus am Samstag.
Björn Höcke (re.) mit Jörg Urban (li.) und Andreas Kalbitz (mi.) beim Wahlkampfauftakt in Cottbus am Samstag.  © DPA

Höcke habe mit seiner Attacke "die Machtfrage" gestellt, sagte der hessische AfD-Chef Klaus Herrmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Deshalb dürfe er sich auf dem Bundesparteitag im November nicht verstecken.

Er müsse "den Mut haben, sich zu stellen". Da Höcke behaupte, er könne es besser, dürfe er sich nicht nur um eine nachgeordnete Position bewerben. Es gehe um den Vorsitz.

Der Vorsitzende der AfD in Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, sagte der Zeitung, wenn jemand meine, er wisse, "wo es langgeht", dann solle der auch "seinen Hut in den Ring werfen". Höcke müsse jetzt den "Schneid" haben, sich den Mitgliedern zu stellen. "Dann wäre das auch entschieden. Und ich bin mir sicher, er wird scheitern."

Höcke hatte vor einer Woche mit einer Kampfansage an den Parteivorstand den Zorn vieler AfD-Politiker auf sich gezogen. Mehr als 100 Funktionäre und Mandatsträger kritisierten daraufhin in einem Appell "für eine geeinte und starke AfD" einen "Personenkult" um den Rechtsaußen. Zu den Unterzeichnern des Appells gehörte auch Junge.

Unterschrieben hat den Appell auch der Partei-Vize und Berliner Landeschef Georg Pazderski. Dieser sagte der "FAS", Höcke habe mit seinem Auftritt klargemacht, dass er sich um ein Führungsamt bewerben wolle.

"Und wenn er sagt, er will das tun, dann soll er das tun." Er fügte hinzu: "Wer unzufrieden ist mit der Arbeit des Bundesvorstandes, soll antreten und es besser machen. Wir werden sehen, wer sich zur Wahl stellt."

Höcke spottet über Verfassungsschutz

Die AfD in Brandenburg hatte Höcke und Meuthen zum Wahlkampfauftakt eingeladen.
Die AfD in Brandenburg hatte Höcke und Meuthen zum Wahlkampfauftakt eingeladen.  © DPA

Beim Wahlauftakt der AfD im Osten am Samstagnachmittag erwähnte Höcke den Brandbrief des AfD-Politiker mit keinem Wort, zog dafür aber über die Arbeit des Verfassungsschutz her.

Nachdem SPD-Politiker und Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter angekündigt hatten, dass der Verfassungsschutz die Veranstaltung der AfD genau im Auge behalten werde, brachte Höcke eine Flasche Sekt mit auf die Bühne, reichte sie den Zuschauern, die sie doch an einen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes weitergeben sollten, der diese dann an Schröter weitergeben könne.

Mit dem Blick auf die nachrichtendienstlich Überwachung sagte Höcke: "Es fühlt sich schon wieder an wie in der DDR". Zudem bekräftige er wieder seine Kritik an den anderen Parteien, besonders im Hinblick auf die Einwanderungspolitik.

Auch der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen hatte sich an der Kritik an Höcke beteiligt, beide trafen am Samstag aufeinander, zeigten dort aber eine geschlossene Front. Er ist dem Eindruck entgegengetreten, die Partei stehe wegen der Auseinandersetzung um den rechtsnationalen "Flügel" um Björn Höcke vor der Spaltung.

"Nein, das tut sie ganz bestimmt nicht. Vergesst das Ihr Traumtänzer. Wir lassen uns nicht spalten", sagte Meuthen am Samstag. Er räumte ein, dass in der AfD manchmal gestritten werde. Das sei aber Demokratie. "Wir sind eben kein devoter Kanzlerwahlverein." Die AfD stehe "im politischen Kampf gegen eine Deutschland-Zersetzung" zusammen.

Titelfoto: DPA

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