"Monster erschaffen": AfD-Gründer Lucke soll wieder an Uni Hamburg lehren

Hamburg - Der AfD-Gründer und Wirtschaftswissenschaftler Bernd Lucke soll nach seiner gescheiterten Wiederwahl ins Europaparlament als Professor an die Hamburger Universität zurückkehren.

Bernd Lucke spricht während des Gründungsparteitages der Partei AfD zu den Mitgliedern.
Bernd Lucke spricht während des Gründungsparteitages der Partei AfD zu den Mitgliedern.  © Marc Tirl/dpa-Zentralbild/dpa

Der 56-Jährige wird bereits zum Wintersemester wieder im Lehrbetrieb der Uni arbeiten. Lucke selbst wollte sich zu seiner Rückkehr auf Nachfrage zunächst nicht öffentlich äußern.

Bei den Studierenden sieht man die Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit kritisch. Lucke habe eine Partei geschaffen, unter der fortschrittliche Kräfte zu leiden hätten, sagte der AStA-Vorsitzende Karim Kuropka. Die Uni Hamburg könne auf seine Rückkehr daher "getrost verzichten".

Der Volkswirtschaftler und Euro-Kritiker war 2013 maßgeblich an der Gründung der AfD beteiligt und einer ihrer ersten Bundessprecher.

2014 hatte er sich von der Uni Hamburg beurlauben lassen, um als Berufspolitiker für die AfD ins Europaparlament zu wechseln.

Nachdem er 2015 im Streit um eine stärker nationalkonservative Ausrichtung der Partei von Frauke Petry als AfD-Bundessprecher abgelöst worden war, hatte er die Partei verlassen und in der Folge fremdenfeindliche und rechtsextreme Tendenzen angeprangert.

Schon zuvor hatte er in Interviews angekündigt, im Falle der Nichtwiederwahl an die Uni zurückkehren zu wollen.

Scharfe Kritik von AStA-Chef

Eine Frau fährt mit einem Fahrrad an dem Hauptgebäude der Universität Hamburg vorbei.
Eine Frau fährt mit einem Fahrrad an dem Hauptgebäude der Universität Hamburg vorbei.  © Bodo Marks/dpa

Die Uni enthielt sich einer Bewertung der Personalie Lucke. "Das Präsidium darf und möchte sich nicht zu seiner politischen Vergangenheit oder zu seinem Dienstverhältnis äußern", sagte die Sprecherin.

Genau genommen habe Lucke seine Professur auch nie verlassen und kehre daher in diesem Sinne auch nicht zurück.

AStA-Chef Kuropka kritisiert nicht nur die politische Vergangenheit Luckes, sondern auch dessen neoliberales Wirtschaftsmodell.

Lucke habe für diese Ideologie eine Partei gegründet und für deren Erfolg auch rechte bis rechtsextreme Positionen in Kauf genommen.

Letztendlich habe er mit dieser Toleranz und seiner bürgerlichen Fassade den Weg der AfD zur menschenverachtenden und rassistischen Partei geebnet.

"Er hat ein Monster geschaffen, unter dem fortschrittliche Kräfte aller Art, vor allem an den Universitäten, zu leiden haben, und sich dann feige aus der Verantwortung gezogen, indem er die Partei verließ. So ein Mensch gehört an keine Universität", sagte Kuropka.

Titelfoto: Marc Tirl/dpa-Zentralbild/dpa

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