Lautstarker Protest und Böllerwürfe: AfD wählt neuen Vorstand

Hamburg - Begleitet von lautstarkem Protest Hunderter Demonstranten ist die Hamburger AfD am Freitagabend zu einem Landesparteitag zusammengekommen.

Teilnehmer einer Protestkundgebung des Bündnis gegen Rechts demonstrieren gegen den Parteitag der Hamburger AfD.
Teilnehmer einer Protestkundgebung des Bündnis gegen Rechts demonstrieren gegen den Parteitag der Hamburger AfD.  © Christian Charisius/dpa

Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung in einer Berufsschule im Hamburger Stadtteil Dulsberg stand die Wahl des Landesvorstandes, die aus zeitlichen Gründen allerdings erst für Sonnabend vorgesehen war.

Zur Wiederwahl als Parteichef wollte sich Amtsinhaber und Fraktionsvorsitzender Dirk Nockemann stellen, der auch als Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl am 23. Februar antritt.

Fraglich war, ob auch der Co-Fraktionsvorsitzende Alexander Wolf kandidiert. Er war Ex-Innensenator Nockemann 2017 bei einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz unterlegen.

Vor der Berufsbildenden Schule für Medien und Kommunikation demonstrierten nach Polizeiangaben zunächst rund 300 Menschen friedlich gegen Hass und Hetze und eine multikulturelle Gesellschaft.

Später stieß noch ein Demonstrationszug der Antifa mit rund 500 Teilnehmern dazu. Vereinzelt kam es zu Böllerwürfen auf Polizisten, die den Parteitag in großer Zahl sicherten.

Nockemann fühlt sich in Hamburg nicht heimisch

Polizeikräfte sichern den Zugang zum Veranstaltungsort.
Polizeikräfte sichern den Zugang zum Veranstaltungsort.  © Christian Charisius/dpa

Zu dem Protest aufgerufen hatten das Hamburger Bündnis gegen Rechts und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft.

Angesichts des umstrittenen Schulmeldeportals der AfD kritisierten Demonstranten, dass der AfD die Aula einer Schule überlassen wurde.

Mit ihrem "Petzportal" sorge die Partei für eine Spaltung der Schulgemeinschaften, hieß es. Bei einem Schulfest hatten sich am Mittag bereits Schüler der Berufsschule auf Plakaten gegen Ausgrenzung und für "bunte Vielfalt statt rechte Einfalt" an ihrer Schule ausgesprochen.

"Unsere Stadt braucht die AfD, wir wollen wieder ein liebenswertes Hamburg", sagte Nockemann bei der Begrüßung der mehr als 90 stimmberechtigten Parteimitglieder mit Blick auf die Bürgerschaftswahl. "Wir kämpfen dafür, dass wir uns in Hamburg wieder zu Hause fühlen können."

Nockemann warb für eine Verkehrspolitik "auch für Autofahrer, nicht nur für Radfahrer", mehr Sicherheit und bezahlbare Mieten.

Ohne die AfD als kräftige Opposition drohten "sinnlose Verbote im Namen eines hysterischen und planlosen Klimaschutzes" durchgesetzt und Arbeitsplätze in Gefahr gebracht zu werden.

Auch "Omas gegen Rechts" waren Teil des Demonstrationszuges.
Auch "Omas gegen Rechts" waren Teil des Demonstrationszuges.  © dpa/Christian Charisius

Update, 13.14 Uhr: Nockemann als Landesvorsitzender bestätigt

Dirk Nockemann bleibt Landesvorsitzender der Hamburger AfD. Er wurde mit großer Mehrheit von 88 Prozent erneut ins Amt gewählt. Zum ersten Stellvertreter bestimmte der Parteitag den Co-Fraktionsvorsitzenden Alexander Wolf, der 80 Ja-Stimmen bei 26 Gegenstimmen erhielt.

Wie Wolf hatte auch Nockemann keinen Gegenkandidaten, nachdem der frühere Bürgerschaftsabgeordnete Bodo Adolphi seine Bewerbung noch in seiner Vorstellungsrede kurzfristig zurückgezogen hatte.

Der frühere Innensenator steht seit 2017 an der Spitze der Hamburger AfD.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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