Kultur-Aktivist Ai Weiwei fordert mit Kunst-Projekt Mitgefühl für Flüchtlinge

Berlin - Die Arbeiten und Aussagen des chinesischen Künstler Ai Weiwei provozieren und bewegen. Zuletzt sorgte der Kultur-Aktivist, der vier Jahre in Berlin lebte, mit der Aussage für Gesprächsstoff, dass die Deutschen intolerant seien. Außerdem attestierte er ihnen Nazismus und dass sie tiefe Abneigung gegenüber Ausländern haben. Nun zieht der 62-Jährige in die Welt der Heimwerker ein.

 Ai Weiwei, Künstler, setzt sich in seiner Arbeit häufig mit dem Thema Flucht und den Folgen auseinander.
Ai Weiwei, Künstler, setzt sich in seiner Arbeit häufig mit dem Thema Flucht und den Folgen auseinander.  © Fabian Sommer/dpa

Die verschiedenen Konstruktionen aus Sicherheitsjacken, Haken und Eisenstangen sind konzipiert, um von Interessierten selbst zusammengebaut werden zu können.

Etwas Geschick vorausgesetzt, lässt sich die bis zu vier Meter hohe Arbeit in wenigen Minuten zusammensetzen.

Die Einzelteile liegen im Wert von 150 bis 500 Euro, wie Sponsor Hornbach am Dienstag in Berlin mitteilte.

"Der Wert von Kunst hängt ab von unserer eigenen Beurteilung", sagte Ai Weiwei während der Präsentation in seinem Atelier. Jeder habe die Fähigkeit, Kunst zu machen. "Für einen Künstler ist es eine gute Idee, eine solche Möglichkeit anzubieten."

Ai Weiwei, der sich in seinen Arbeiten zuletzt häufig mit dem Thema Flucht und Folgen auseinandergesetzt hat, sich aber wegen mangelnder Sprachkenntnisse vom Diskurs in Deutschland ausgeschlossen fühle, sieht Bezüge zu Flüchtlingen auch mit "Safety Jackets".

"Die Farbe, das Gefühl von Gefahren, das unsichere Gefühl einer scheinbaren Sicherheit, menschlicher Schutz", nannte der Künstler als mögliche Assoziationen.

Weiwei lebte von 2015 bis vor wenigen Monaten in Berlin, wo er noch immer ein Atelier hat. Inzwischen ist er in die englische Universitätsstadt Cambridge übergesiedelt.

Grund für den Umzug sei vor allem sein zehn Jahre alter Sohn Lao gewesen, berichtete Ai Weiwei, der in Deutschland nie öffentlichen Rassismus erlebt habe. Für seinen Spross erhofft er sich in Großbritannien eine gute Ausbildung und mehr Sicherheit. "Ich will nicht, dass er in rauen Bedingungen aufwächst."

Deutschland biete kein gutes Umfeld für Ausländer. "In Großbritannien sind die Menschen wenigstens höflich", so der Künstler in einem Interview mit der britischen Tageszeitung "The Guardian".

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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