Airbus stellt A380-Produktion ein: Auch Werk in Hamburg betroffen

Hamburg/Toulouse - Schock für Hamburg: Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus stellt die Produktion des weltgrößten Passagierjets A380 ein.

Im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder wird ein A380 montiert. Damit ist bald Schluss.
Im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder wird ein A380 montiert. Damit ist bald Schluss.  © dpa/Markus Scholz

Nachdem die arabische Fluggesellschaft Emirates ihre Bestellung reduziert habe, gebe es keine Grundlage mehr für eine Fortsetzung der Produktion, teilte Airbus am Donnerstag in Toulouse mit.

Die letzte Auslieferung für den A380 sei für 2021 geplant.

Airbus produziert das Flugzeug an mehreren Standorten.

Zwar findet die Endmontage im Werk im französischen Toulouse statt, doch in Hamburg-Finkenwerder werden die Kabinen ausgerüstet.

Was das Aus der Produktion für den Standort Hamburg bedeutet, ist derzeit unklar.

Laut Pressemitteilung von Airbus sind von der Entscheidung konzernweit 3000 bis 3500 Mitarbeiter betroffen.

Es werde nun nach Möglichkeiten gesucht, sie beispielsweise bei der hochfahrenden A320-Produktion einzusetzen.

Update, 7.00 Uhr: Seit Langem Sorgen

Ein Airbus 380 landet am Flughafen Hamburg.
Ein Airbus 380 landet am Flughafen Hamburg.  © dpa/Daniel Reinhardt

Der doppelstöckige Passagierjet hat Airbus schon länger große Sorgen bereitet. In den vergangenen Jahren hatte kaum noch eine Fluglinie ein Modell geordert.

Airbus drohten, die Bestellungen auszugehen. Der Konzern fuhr die Jahresproduktion zuletzt von zeitweise bis zu 30 Maschinen auf nur noch sechs Exemplare zurück.

Emirates habe nun beschlossen, die A380-Bestellungen von 162 auf 123 Maschinen zu reduzieren. Dabei würden in den kommenden zwei Jahren noch 14 verbleibende Passagierjets in Empfang genommen. Als Konsequenz werde Airbus seine Auslieferungen 2021 einstellen.

"Die heutige Ankündigung ist schmerzlich für uns und für die A380-Communities weltweit", so Airbus-Konzernchef Tom Enders laut Mitteilung.

Der Passagierjet werde aber noch viele Jahre lang am Himmel unterwegs sein. "Selbstverständlich werden wir die Betreiber der A380 auch weiterhin uneingeschränkt unterstützen", so Enders weiter.

Teile des Luftgiganten werden an Airbus-Standorten in Deutschland gefertigt - darunter Hamburg, Bremen, Stade und Augsburg. Wegen der Auftragsflaute beim A380 stehen bundesweit bereits Tausende Jobs auf der Kippe.

Ein Airbus A380 startet vom Werk in Hamburg-Finkenwerder. Vor allem die arabische Airline Emirates hat auf das Modell gesetzt.
Ein Airbus A380 startet vom Werk in Hamburg-Finkenwerder. Vor allem die arabische Airline Emirates hat auf das Modell gesetzt.  © dpa/Maurizio Gambarini

Vielen Airlines ist der Flieger zu groß und verbraucht zu viel Treibstoff - das ist nicht wirtschaftlich, besonders wenn der Riesenjet nicht voll besetzt ist. Andere Flugzeuge bei Airbus sind hingegen sehr beliebt. Die kleineren Maschinen der A320-Familie sind ein Kassenschlager.

Auch die australische Fluggesellschaft Qantas Airways hatte vor gut einem Monat die Bestellung von acht A380-Passagierjets zurückgezogen. Anfang Februar hatte zudem der Chef der Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al-Baker, dem A380 ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Er hatte erklärt, dass er über eine vorzeitige Einstellung der Produktion nicht traurig wäre. Nach Al-Bakers Auffassung ist der Flieger zu schwer, weil seine Tragflächen für die nie gebaute Langversion ausgelegt sind.

Der A380 hat je nach Ausstattung bis zu 853 Sitze. Der Superjet hat eine Reichweite von 15.200 Kilometern und ist gut 72 Meter lang. Seine Flügelspannweite liegt bei knapp 80 Metern. Für den Luftgiganten bekamen zahlreiche Flughäfen neue Terminals. Die Planungen für den A380 begannen 1995, im Jahr 2000 fiel der offizielle Startschuss.

Den Erstflug absolvierte der Riesenvogel am 27. April 2005. Der kommerzielle Einsatz startete Ende Oktober 2007 mit einem Sonderflug zwischen Singapur und Sydney. Erst im Oktober 2018 bekam der Hamburger Flughafen seinen ersten Linienflugbetrieb mit einem A380 (TAG24 berichtete).

Update, 11.28 Uhr: Gewerkschaft zuversichtlich

Die Gewerkschaft IG Metall hat mit Verständnis auf die Entscheidung von Airbus reagiert, die Produktion des Großflugzeugs A380 einzustellen. "Es ist schade um den schönen Flieger", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, am Donnerstag in Hamburg.

"Aber die Entscheidung des Vorstands ist nachvollziehbar, da sich die A380 nicht verkauft." Durch den Hochlauf in anderen Programmen habe Airbus weiterhin gut zu tun. Die Beschäftigten hätten an den norddeutschen Standorten durch die Modelle A320, A330 und A350 reichlich Arbeit.

Betriebsbedingte Kündigungen seien per Tarifvertrag bis Ende kommenden Jahres ausgeschlossen. "Diese Regelung wollen wir ausbauen und die Beschäftigung langfristig sichern", sagte Geiken.

Update, 13.51 Uhr: "Erfolgsgeschichte für Hamburg"

Monteure bauen einen Airbus A320 im Werk in Hamburg-Finkenwerder zusammen.
Monteure bauen einen Airbus A320 im Werk in Hamburg-Finkenwerder zusammen.  © dpa/Daniel Reinhardt

Der Airbus A380 ist nach Ansicht von Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) ungeachtet der Einstellung des Programms eine Erfolgsgeschichte für Hamburg.

"Mit der Werkserweiterung und dem Ausbau der Start- und Landebahn in Finkenwerder hat Hamburg die Basis für die Zukunftssicherung des Standorts gelegt", sagte Westhagemann am Donnerstag in der Hansestadt.

Die Innovationskraft der Luftfahrtbranche sei in Hamburg ein herausragender Standortfaktor, Airbus dabei einer der wichtigsten Innovationstreiber.

"Die im Rahmen der Erweiterung für den A380 getätigten Investitionen sind nachhaltig und kommen auch den anderen Produktionslinien zugute", sagte der Wirtschaftssenator.

Die Hansestadt sei weltweit die Nummer eins in der A320-Produktion und durch diese Fertigungslinie direkter Teil des wachsenden Luftverkehrsmarktes.

Hamburg und der Industriestandort Deutschland hätten sich so auf Generationen hinaus einen technologischen Kompetenzvorsprung in einer der Schlüsselindustrien der Zukunft sichern können.

Update, 14.05 Uhr: A380 brachte Beschäftigungsschub

Damit auch die nie gebaute Frachtversion des A380 in Finkenwerder starten und landen kann, wurde die Start- und Landebahn des Werksflughafens im Jahr 2006 verlängert.
Damit auch die nie gebaute Frachtversion des A380 in Finkenwerder starten und landen kann, wurde die Start- und Landebahn des Werksflughafens im Jahr 2006 verlängert.  © dpa/ReGe

Die deutschen Airbus-Werke haben vom A380-Programm in den vergangenen 20 Jahren sehr profitiert - aber vor allem vom Erfolg der kleineren Airbus-Modelle mit einem Kabinengang.

Der Hauptstandort Hamburg mit dem Werk Finkenwerder hat sich zu einem der drei größten Luftfahrtstandorte weltweit entwickelt, neben Toulouse und Seattle.

Hatte Airbus in Hamburg im Jahr 2000 noch knapp 7800 Beschäftigte, so liegt die Stammbelegschaft heute bei rund 12.700 Mitarbeitern. Mit dem A380-Programm wurden neue industrielle Prozesse entwickelt und neue Materialien im Flugzeugbau etabliert.

Die Komponenten des Airbus A380 werden an verschiedenen Standorten in Europa gefertigt. In Hamburg-Finkenwerder werden Teile des Rumpfs produziert sowie die Kabine ausgestattet. Bremen produziert die Landeklappen, Stade das Seitenleitwerk und Buxtehude die Kabinenkommunikation.

Endmontage, Lackierung sowie die Auslieferung an einen Teil der Kunden ist dann wieder in Hamburg angesiedelt. Andere Teile des A380 kommen aus Großbritannien, Frankreich und Spanien.

Weltweit arbeiten 3000 bis 3500 von insgesamt 130.000 Airbus-Beschäftigten für das Großraumflugzeug. Das erfolgreichste Airbus-Programm bleibt die A320-Familie der Mittelstreckenjets.

Im Jahr 2000 produzierte Airbus 311 Flugzeuge, davon 140 A320 aus Hamburg sowie 62 A330 und A340. Im Jahr 2018 lieferte Airbus 800 Flugzeuge aus, davon 320 Maschinen aus der A320-Familie und 142 A330 und A350.

Titelfoto: dpa/Markus Scholz

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