Aktionärstreff bei Heckler und Koch wird zum öffentlichen Machtkampf

Rottweil - Im nördlichen Schwarzwald liegt das beschauliche Städtchen Oberndorf. Dort ist die Zentrale eines der größten Hersteller von Handfeuerwaffen: Heckler & Koch. Bei der einst so verschwiegenen Firma tobt derzeit ein Machtkampf der Großaktionäre.

Das Logo des Waffenherstellers Heckler & Koch auf einer Anzeige auf dem Firmengelände.
Das Logo des Waffenherstellers Heckler & Koch auf einer Anzeige auf dem Firmengelände.  © Marijan Murat/dpa

Beim Waffenhersteller Heckler & Koch wird die Hauptversammlung an diesem Donnerstag (9 Uhr) zu einem Kräftemessen.

Zwei Großaktionäre treten bei dem Aktionärstreffen in Rottweil gegeneinander an: Der Mehrheitsaktionär Andreas Heeschen will sich selbst in den Aufsichtsrat wählen, obwohl er den Großteil seines Aktienpakets verkaufen will.

Die Luxemburger Finanzholding CDE will die Wahl Heeschens hingegen verhindern - sie will die Anteile haben und die Mehrheit übernehmen, wofür aber noch das grüne Licht von der Bundesregierung fehlt.

Zudem will die CDE den bisherigen Aufsichtsratschef Harald Kujat abberufen lassen. Der 77-Jährige war erst im Sommer auf Wunsch von Heeschen in das Kontrollgremium gekommen.

Die CDE begründet ihre Haltung zur Personalie Kujat unter anderem mit dessen Mangel an wirtschaftlichen Kenntnissen - für den langjährigen Bundeswehrgeneral ist das Mandat bei H&K sein erstes Wirken in einem Aufsichtsrat. Der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" sagte Kujat unlängst, dass wirtschaftliche Aspekte bei der Bundeswehr ein «ganz zentraler Punkt» seien, dementsprechend habe er in seiner Zeit als aktiver General durchaus "Managementqualitäten" gezeigt.

Vermutlich setzt sich am Donnerstag der bisherige Mehrheitsaktionär Heeschen durch und Kujat darf auf seinem Posten bleiben. Derzeit prüft das Bundeswirtschaftsministerium die Übernahme der Mehrheit durch die CDE. Sollte Berlin grünes Licht geben und die Transaktion vollzogen werden, würde Heeschens Einfluss aber schwinden - und Kujat wäre ein Aufsichtsratschef auf Abruf.

Die 900-Mitarbeiter-Firma Heckler & Koch ist unter Druck, die Schulden sind hoch. Nach zwei Verlustjahren konnte sie zuletzt kleine Quartalsgewinne verbuchen.

Update 16.20 Uhr: Beim Waffenhersteller Heckler & Koch hat sich der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, an der Spitze des Aufsichtsrats behaupten können. Ein Antrag auf Abberufung des 77-Jährigen aus dem Kontrollgremium scheiterte am Donnerstag deutlich und bekam nur 9,5 Prozent Zustimmung. Dies war jedoch keine Überraschung, weil der Mehrheitseigentümer Andreas Heeschen zum pensionierten Militär hielt - auf Wunsch von Heeschen war Kujat erst im Juli in den Aufsichtsrat von H&K gewählt worden. Die Luxemburger Finanzholding CDE wollte Kujat aus dem Gremium drängen und begründete dies unter anderem mit dessen Mangel an Wirtschaftserfahrung und einem zu hohen Alter.

Dennoch sind die Perspektiven des Ex-Spitzenmilitärs nicht sehr rosig. Denn die CDE strebt die Mehrheit an Heckler & Koch an. Vor einigen Jahren hatte Heeschen ihr einen Großteil seiner Anteilsscheine verpfändet, dieses Paket will die CDE nun haben und damit das Ruder übernehmen. Dafür fehlt aber noch grünes Licht des Bundeswirtschaftsministeriums - bei Übernahmen von Rüstungskonzernen hat Berlin eine Art Veto-Recht. Sollte die Bundesregierung zustimmen, könnte die CDE Kujat doch noch abberufen lassen.

Der 59-jährige Heeschen wurde mit seinen eigenen Stimmen in den Aufsichtsrat gewählt - er war nicht persönlich vor Ort, ein Anwalt vertrat ihn. Gegen diese Wahl hatte die CDE bei dem Aktionärstreff am Donnerstag Front gemacht, konnte sich aber nicht durchsetzen. Auch das war absehbar - letztlich war der Widerstand der Luxemburger Holdig nur eine Art Warnschuss gegen Heeschen.

Ein Schild weist auf Heckler und Koch hin.
Ein Schild weist auf Heckler und Koch hin.  © Marijan Murat/dpa

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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