Tut endlich was gegen die Bahnhofsdealer!

Im April 2015 kam Innenminister Ulbig (51, CDU), doch das Dealen geht unvermindert weiter.
Im April 2015 kam Innenminister Ulbig (51, CDU), doch das Dealen geht unvermindert weiter.

Von Anneke Müller

Dresden - Die Drogendealerei am Hauptbahnhof floriert weiter! Ziemlich unverblümt wechseln rund um den Wiener Platz vor dem Hauptbahnhof Drogen am helllichten Tag den Besitzer. Nach dem Besuch von Innenminister Markus Ulbig (51) am Brennpunkt sind drei Monate vergangen. Besserung ist nicht in Sicht.

Dabei hatte der Innenminister bei der Begehung des Problemortes im April versprochen, sich um die Prüfung einer „Allgemeinverordnung“, die für bestimmte Gruppen ein Betretungsverbot erteilt, zu kümmern. Es gibt zwar eine alte Verordnung, doch die ist praktisch nicht mehr anwendbar, auch wenn sie juristisch nie außer Kraft gesetzt wurde.

Die Lage 20 Jahre später ist nämlich eine völlig andere. Damals lag der Schwerpunkt nicht auf Drogen, sondern auf Gewinnspielen.

Doch das Thema „Allgemeinverordnung“ ist dennoch vom Tisch: „Wir beabsichtigen nicht, eine neue Allgemeinverordnung in Kraft zu setzen“, so Rathaussprecher Kai Schulz (41).

Rund um den Wiener Platz wechseln vor dem Hauptbahnhof Drogen am helllichten Tag den Besitzer.
Rund um den Wiener Platz wechseln vor dem Hauptbahnhof Drogen am helllichten Tag den Besitzer.

Begründung: „Das Drogenproblem ist damit nicht zu lösen. Wir sehen darin keine Wirksamkeit.“ Eine wirkliche Lösung, den Dealern ihre Spielwiese zu nehmen, hat indes niemand so recht: „Um Brennpunkte in den Griff zu bekommen, ist es wichtig, dass Polizei und Kommune eng zusammenarbeiten,“ sagt Martin Strunden, Sprecher des Innenministeriums.

Deutlichere Worte findet indes die Polizei: „Wir machen regelmäßig Einsätze, doch eine Entspannung ist noch nicht in Sicht“, so Polizeisprecher Thomas Geithner (41). Die Polizei hat zwar die Möglichkeit, eine Verdrängung der Szene zu erreichen, doch die „Drogenanbieterszene ist kein polizeiliches Problem allein. Die Ursachen können wir mit Einsatzmaßnahmen nicht lösen“ so Geithner.

Seit letztem Jahr wurden die Polizeikontrollen trotzdem erhöht. 2014 waren es zehn Einsätze mit insgesamt 300 Beamten, 2015 bis jetzt bereits 15 mit 350 Beamten. Insgesamt wurden bei den 25 Einsätzen 127 Strafverfahren eingeleitet, 64 davon wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. 64 Personen wurden vorläufig festgenommen. Die Tatverdächtigen stammen vorwiegend aus Tunesien, Deutschland, Algerien und Marokko.

Der Wiener Platz und die darunter liegende Passagen gelten als "gefährdeter Ort" in Dresden.
Der Wiener Platz und die darunter liegende Passagen gelten als "gefährdeter Ort" in Dresden.
Laut Polizeisprecher Thomas Geithner (41) ist keine Entspannung in Sicht.
Laut Polizeisprecher Thomas Geithner (41) ist keine Entspannung in Sicht.

Drogenbasar am Bahnhof

Kommentar von Dominik Brüggemann

Dresden hat ein offenkundiges Drogenproblem. Das ist sowohl für das Image der Stadt schlecht, als auch für die betroffenen Abhängigen. Rückstände von Crystal Meth lassen sich deutlich im Abwasser der Stadt messen. Im europäischen Vergleich stand Dresden beim letzten Test sogar mit an der Spitze. Ein Ranking, bei dem niemand freiwillig führen möchte.

Wesentlich sichtbarer als das Abwasser ist der Umschlagplatz rund um den Hauptbahnhof und die Prager Straße. Was mit Verkäufen auf einer Casino-Toilette begann, hat inzwischen offensichtliche Ausmaße eines Drogenbasars angenommen.

Dealer tummeln sich am Prager Carrée, verkaufen Marihuana, Crystal und andere Drogen. An der nächsten Apotheke verlangen sie nach Spritzen. Glaubt man den Geschäftstreibenden im Umfeld, breitet sich der Ladendiebstahl aus. Hier hat die Polizei definitiv zu spät gehandelt. Diese Ausmaße hätten gar nicht erst zugelassen werden dürfen.

Die Beamten greifen zwar immer wieder mit Razzien durch. Doch langfristig lassen sich so die Drogenprobleme der Dresdner nicht stoppen. Die jüngste Plakatkampagne gegen Crystal-Konsum der Stadt wurde anfangs belächelt, doch im Ansatz ist sie absolut richtig.

Eltern und Jugendliche müssen begreifen, wie gefährlich Crystal und andere Drogen sind. Dann finden auch die Dealer keine Abnehmer mehr. Bis dahin ist jedoch weiterhin die Polizei gefragt.

Fotos: Thomas Türpe, Steffem Füssel, Norbert Neumann


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