Alarm! Cyber-Angriffe aufs Rathaus

Das Dresdner Rathaus steht permanent im Fokus von Hackerangriffen.
Das Dresdner Rathaus steht permanent im Fokus von Hackerangriffen.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Ein fieser Computervirus legte kurz vor Weihnachten Rechner der Dresdner Stadtverwaltung lahm. Die Stadt konnte die lahmgelegten PCs zum Glück isolieren.

Gebannt ist die Gefahr aus dem Netz trotzdem nicht: Die Stadt prüft permanent den Datenverkehr auf gefährliche Inhalte. Und wird immer wieder fündig:

"Wir identifizieren mehrere Hundert versuchte Zugriffe mit gefährlichen Inhalten pro Monat", so Michael Breidung, der Leiter des Eigenbetriebes IT.

Die Stadt hat Gegenmaßnahmen eingeleitet: "Alle älteren Microsoft-Office-Versionen wie .doc oder .xls sind weiterhin nicht zugelassen.

Michael Breidung leitet den städtischen Eigenbetrieb IT.
Michael Breidung leitet den städtischen Eigenbetrieb IT.

Diese Maßnahme wird voraussichtlich dauerhaft beibehalten."

Der Angriff im Dezember habe auch dazu geführt, dass Mitarbeiter sensibler mit dem Thema Datensicherheit umgingen.

Übrigens: Allein im Jahre 2014 wurden im Freistaat Sachsen 10.302 Straftaten per Internet, davon 2407 Fälle per Computerkriminalität erfasst.

Allein durch Computerkriminalität entstand so ein Schaden von rund 1,6 Millionen Euro (2013: 2,8 Millionen Euro), wie das Sächsische Innenministerium mitteilt.

Im Zweifel gilt: Finger weg von E-Mails unbekannter Absender.

Mehrere Hundert Computerangriffe pro Monat verzeichnet die Stadt.
Mehrere Hundert Computerangriffe pro Monat verzeichnet die Stadt.

"Honigfalle" für Computerviren

Professor Thorsten Strufe (42) und Diplominformatiker Pascal Brückner (27) spüren mit diesem Gerät gefährlichen Datenverkehr im Internet auf.
Professor Thorsten Strufe (42) und Diplominformatiker Pascal Brückner (27) spüren mit diesem Gerät gefährlichen Datenverkehr im Internet auf.

Von Tom Schmidtgen

Wie lockt man Viren und Hackerangriffe am einfachsten in die Falle? Student Pascal Brückner (27) hat die Antwort.

Er hat an der Technischen Universität Dresden den "Honey Sens" erfunden - auf Deutsch etwa "Honigfalle". "Das Gerät funktioniert wie ein Bewegungsmelder", erklärt Thors-ten Strufe (42), Professor für Datenschutz, die Erfindung.

"Es zeichnet passiv jeden Datenverkehr auf und sendet Unregelmäßigkeiten sofort an den Betreiber, das ist neu!", ergänzt Brückner.

Er leitet mit Professor Strufe die Testphase im Uni-Netzwerk und sogar im Sächsischen Verwaltungsnetz. Denn das Innenministerium ist auch an der neuen Technik interessiert und begleitet das Forschungsprojekt bis mindestens November.

Der "Honey Sens" kann sogar den Ort des Angriffs herausfinden. So können auch spionierende Mitarbeiter überführt werden.

Erfinder Brückner: "Ich habe vor allem die aufwendige Software entwickelt. Das Gerät an sich hat nur einen Materialwert von 70 Euro."

Mit der Hackerfalle haben es die beiden schon auf die Computermesse CeBIT 2015 geschafft und konnten erste Firmen begeistern.

Fotos: Ove Landgraf (1), Steffen Füssel (1), Thomas Türpe (1), imago/Jochen Tack (1)


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0