Alarm! Misteln machen unser Stadtgrün kaputt

Dresden - Herbst und Winter haben die Bäume entblättert und die Katastrophe erst sichtbar gemacht: Misteln! "Die Baumparasiten haben sich im Stadtgebiet so extrem vermehrt, dass wir uns ernsthafte Sorgen um die Entwicklung von alten und großen Bäumen machen", sagt ein Sprecher des Stadtgrün-Amtes. Es werden Kettensägen-Massaker vorbereitet und Aufklärungskampagnen geplant.

Ein Baum voller Misteln an den Elbwiesen. In vielen Parkanlagen der Stadt haben die Halbschmarotzer alte Bäume besiedelt. Einige Bäume sind so stark befallen, das sie in absehbarer Zeit gefällt werden müssen.
Ein Baum voller Misteln an den Elbwiesen. In vielen Parkanlagen der Stadt haben die Halbschmarotzer alte Bäume besiedelt. Einige Bäume sind so stark befallen, das sie in absehbarer Zeit gefällt werden müssen.  © Ronald Bonss

"Das Problem wird immer noch oft unterschätzt, insbesondere wegen der langen Inkubationszeit von 20 bis 30 Jahren. Die Verbreitung der Mistel ist wie eine langsame, aber sehr breit werdende Lawine zu betrachten", mahnt ein Sprecher des Stadtgrün-Amtes.

In Dresden trifft man heute massenhaft Misteln in Strehlen, Pillnitz und Kleinzschachwitz. Aus Verkehrssicherheitsgründen müssen wohl zahlreiche stattliche Bäume gefällt werden.

Bereits ein mäßiger Befall im Baum wird heute als ein möglicher Grund für eine Zustimmung bei Fallanträgen gewertet.

Grüne Pest: Besonders anfällig für Misteln sind frei stehende Bäume. Vor allem die kanadische Hybridpappel, Sommer- und Winterlinde, Silber-, Rot- und Spitzahorn, Birken sowie Apfelbäume.

Der Befall mit einer Mistel "juckt" einen großen starken Baum nicht. Schreitet aber niemand ein, wird daraus im Verlauf von 20 Jahren ein weit streuender Infektionsherd und Massenbefall, der den grünen Riesen zugrunde richtet.

Misteln rauben Wirtsbaum ihre Energie

Die Weißbeerige Mistel sind in ganz Europa verbreitet. Sie gedeiht auf Laubbäumen wie zum Beispiel Apfelbäumen, Linden, Ahornen, Birken, Pappeln, Robinien, Weiden, Hainbuchen und Weißdorn.
Die Weißbeerige Mistel sind in ganz Europa verbreitet. Sie gedeiht auf Laubbäumen wie zum Beispiel Apfelbäumen, Linden, Ahornen, Birken, Pappeln, Robinien, Weiden, Hainbuchen und Weißdorn.  © Waltraud Grubitzsch/dpa

Das passiert so: Die Mistel führt selbst Fotosynthese durch. Was sie an Wasser und Nährsalzen zum Leben braucht, entzieht sie ihrem Wirtsbaum. Der wird dadurch geschwächt.

Je größer die Zahl der Misteln in seiner Krone wird, desto mehr Energie muss der Baum aufwenden, um diese statische Belastung zu kompensieren.

Diese Energie fehlt dem Wirtsbaum - zum Wachsen und Abwehren von Krankheiten und Schädlingen. Der Baum stirbt schließlich.

Das Umweltamt fährt "dreigleisig" bei der Bekämpfung der Mistelplage. Es setzt auf Aufklärung und sensibilisiert Fachkreise sowie Grundstücksbesitzer.

Dokumentieren Experten im Stadtgebiete an Bäumen einen ersten Befall (1-5 Mistel je Baum), schreiten sie ein oder erteilen Auflagen, diesen sogenannten Anfangsbefall zu beseitigen.

Zudem verändert das Umweltamt konsequent den Baumbestand in der Stadt. Arten, die Misteln mögen, müssen verschwinden.

Schließlich hat Mensch mit seiner Vorliebe für bestimmte heimische und fremdländische Baumarten und -kreuzungen Wirtsbäume zuhauf in die Stadtlandschaft gestellt. Für Ersatzpflanzungen greift man nun auf weniger anfällige Arten wie Birnen, Kirschen, europäische Eichenarten, Buchen und Erlen zurück.

Florian Köbke vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen schneidet in Hainichen bei Eilenburg Misteln aus einem alten Apfelbaum. Um die Ausbreitung der Plage zu stoppen, sollten befallene Bäume dringend ausgeschnitten werden.
Florian Köbke vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen schneidet in Hainichen bei Eilenburg Misteln aus einem alten Apfelbaum. Um die Ausbreitung der Plage zu stoppen, sollten befallene Bäume dringend ausgeschnitten werden.  © Waltraud Grubitzsch/dpa

Titelfoto: Ronald Bonss

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