Meine Meinung: Tillich spricht "treffend ehrlich"

MOPO24-Redakteur Alexander Bischoff.
MOPO24-Redakteur Alexander Bischoff.

Ein Kommentar von Alexander Bischoff

"Wir können nur das Machbare schaffen“ - das war wohl einer der treffendsten, zugleich einer der ehrlichsten Sätze, die man von Stanislaw Tillich seit langem gehört hat.

Gesprochen in Berlin, kurz nach seiner Wahl zum Bundesratspräsidenten. Das „Wir schaffen das“ der Kanzlerin war angesichts der dramatischen Bilder ertrinkender Kinder und entkräfteter Flüchtlinge ebenso ehrlich, vor allem aber gut gemeint.

Doch dass „gut gemeint“ oft das Gegenteil von „gut gemacht“ ist, erleben wir derzeit überall im Lande. Der nahezu ungebremste Zustrom überfordert alle: Landkreise und Kommunen, die nicht wissen, wie sie Tausende Flüchtlinge menschenwürdig und winterfest einquartieren sollen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das derzeit weder personell noch logistisch in der Lage ist, diese Menschenmassen zu erfassen und ihnen so ein faires Asylverfahren zu ermöglichen.

Die Helfer in den Flüchtlingsheimen, die vielerorts nur noch improvisieren. Will sich Tillich mit seinen klaren Worten bei PEGIDA, gar dem rechten Rand anbiedern?

Das glaube ich nicht! Im Gegenteil: Mit der neuen Klarheit versucht er, die längst fällige Diskussion von den extremen Rändern weg zu holen.

Denn die Lage ist viel zu prekär, als dass man das Thema weiter rechten und linken Ideologen überlassen sollte. Jetzt müssen die Praktiker ran, die Pragmatiker.

Denn ob Integration gelingt, ist auch eine Frage der Größenordung von Zuwanderung. Dort, wo riesige Einwanderer-Communitys entstehen, fehlt den Ankommenden oft der Anreiz, die Sprache der neuen Heimat zu erlernen und sich deren Gepflogenheiten anzupassen.

Die Folge sind ethnisch geschlossene Parallelwelten, die sich heute schon in Berlin und einigen westdeutschen Großstädten finden.

Fotos: Ralf Seegers, imago/Christian Thiel


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