Seine Rückkehr auf die Erde wird ein richtig harter Ritt!

Weltraum / Köln - Astronaut Alexander Gerst soll an diesem Donnerstag (20. Dezember) per Sojus-Kapsel auf die Erde zurückkehren: Es ist ein harter Ritt in einer engen Kapsel mit einer krachenden Landung irgendwo in Kasachstan. Geht alles glatt, kann Alexander Gerst Weihnachten in Köln feiern.

Die ISS kreist als Weltraum-Labor um die Erde.
Die ISS kreist als Weltraum-Labor um die Erde.

Nach dem Abkoppeln von der Internationalen Raumstation ISS rast die enge Sojus-Kapsel zunächst ungebremst in die Atmosphäre, die Luftreibung erzeugt dabei Temperaturen von etwa 2500 Grad Celsius.

Erst vor wenigen Wochen ging der Start einer russischen Sojus-Rakete schief, und auch die Rückkehr der Raumkapsel gilt als anspruchsvoll.

Massive Kräfte werden Gerst in den Sitz pressen. "Ich kann kaum atmen, weil meine Zunge so stark an den Gaumen gedrückt wird", beschrieb er 2014 seinen damaligen Rückflug von seiner ersten ISS-Mission.

Wie ein Kieselstein über die Oberfläche eines Teiches schlittert die Sojus durch den Hochofen Atmosphäre und schleppt einen Schwanz aus Hitze und Licht nach, bis Fallschirme den Sturz abstoppen.

Etwa sechs Stunden nach dem Abdocken in rund 400 Kilometer Höhe sollen Gerst und zwei weitere Rückkehrer dann im minus 20 Grad Celsius kalten Kasachstan landen.

Alexander Gerst feiert Weihnachten in Köln

ESA-Astronaut Alexander Gerst an Bord der ISS.
ESA-Astronaut Alexander Gerst an Bord der ISS.  © Alexander Gerst/ESA/dpa

"Wenn man der Erde entgegenfliegt und nach der Landung den Geruch der verschneiten Steppe wahrnimmt - das ist ein Stück Heimat", sagte Alexander Gerst einmal.

Bereits am Abend wird er in Köln erwartet. Hier wird er einige Wochen medizinisch versorgt und auch Weihnachten verbringen.

Bis dahin verschickt sein E-Mail-Postfach weiter eine automatische Antwort: "Ich bin gerade auf Dienstreise in der Erdumlaufbahn. Bitte versuchen Sie es freundlicherweise im Januar 2019 wieder."

Für Gerst ist die Landung in der baumlosen Weite Zentralasiens der Schlusspunkt einer fast 200-tägigen Reise.

Auf der Erde werden den 42-Jährigen Ärzte untersuchen, wie sich die mehr als 3000 Erdumrundungen auf seinen Körper ausgewirkt haben.

Die Erkenntnisse sollen auch Aufschluss geben, wie Raumfahrer sich auf einen möglichen Mars-Flug vorbereiten müssen.

Zählt man seine beiden bisherigen Missionen zusammen, war kein Deutscher so lange im All wie Gerst: fast ein Jahr. Wie wird es weitergehen mit dem Rekord-Raumfahrer? "Er ist weiter Mitglied des Esa Astronauten Corps - insofern ist auch die Möglichkeit eines weiteren Flugs gegeben", sagt Europas Raumfahrtchef Jan Wörner.

Auch Missionsleiter Volker Schmid vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) meint: "Ich gehe davon aus, dass er noch mal fliegt." Es wäre Gersts dritte Reise ins All - soviel kosmische Erfahrung sammelte in Deutschland nur Ulf Merbold zwischen 1983 und 1994.

Nächste Mission zum Mond?

Eine letzte Videokonferenz vor Gersts Rückkehr fand ohne Ton statt.
Eine letzte Videokonferenz vor Gersts Rückkehr fand ohne Ton statt.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Doch noch einmal zur ISS, die Gerst zuletzt als Kommandant leitete? In Expertenkreisen denkt man auch an eine andere ehrgeizige Mission für den Mann aus Künzelsau (Baden-Württemberg): Die USA wollen 2023 erstmals seit Jahrzehnten wieder den Mond umrunden - mit einem bemannten Orion-Raumschiff, das derzeit in Zusammenarbeit mit Europa entsteht.

Was liegt da näher, als einen Europäer mitzunehmen? "Das ist gut denkbar, aber eine solche Mission hat auch politische Aspekte", heißt es dazu diplomatisch in deutschen Raumfahrtkreisen.

"Zunächst wird uns die Auswertung der auslaufenden Mission ein gutes Jahr beschäftigen", sagt Missionsleiter Schmid.

Einige Fragen bleiben auf dem Außenposten der Menschheit. Noch immer ist ungeklärt, wie ein winziges Loch in die Wand einer angedockten russischen Raumkapsel geraten konnte.

Und nach dem Fehlstart einer Sojus-Rakete mussten Gerst und seine Mit-Rückkehrer Serena Auñón-Chancellor (USA) und Sergej Prokopjew (Russland) lange auf Verstärkung warten.

Mehrere geplante Experimente fielen aus. Trotzdem zieht Schmid eine positive Bilanz: "Die Wissenschaftler sind sehr zufrieden."

In dieser Sojus-Kapsel ist Alexander Gerst mit zwei weiteren Astronauten von der ISS zur Erde zurückgekehrt.
In dieser Sojus-Kapsel ist Alexander Gerst mit zwei weiteren Astronauten von der ISS zur Erde zurückgekehrt.

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